US-Wirtschaft: Ölpreisrückgang – mehr Licht als Schatten

Sie haben bestimmt die Diskussionen im Rahmen des Ölpreissturzes verfolgt. Viele Experten haben versucht, die Gewinner und Verlierer des massiven Preisrückgangs zu identifizieren.

Denn der Preiskollaps war enorm. Innerhalb von 7 Monaten fiel der Ölpreis von 114 US je Barrel auf zum Teil deutlich unter 50 US-Dollar, bevor eine Gegenbewegung einsetzte.

Klar ist, dass dies für die klassischen Ölförderländer wie Russland oder Venezuela einen gravierenden negativen Effekt hat. Aber gilt dies auch für die USA? Schließlich hat hier in den letzten Jahren die Ölproduktion deutlich zugenommen. Die Investitionen sind sprunghaft gestiegen.

Investitionsboom ist vorläufig zu Ende

Die Zahlen sind beeindruckend. Allen zwischen 2009 und 2014 ist die US-Rohölförderung um 60% auf rund 8,6 Mio. Barrel pro Tag hochgefahren worden. Hierfür waren zwei Dinge verantwortlich.

Erstens neue Fördermethoden und zweitens ein vergleichsweise hohes Preisniveau. Diese Kombination verursachte stark steigende Investitionen in die Öl- und Gasförderung. So flossen in 2014 über 10% der Unternehmensinvestitionen in diesen Bereich. Das ist der höchste Anteil seit der Ölkrise Anfang der 80er Jahre.

Der Preiseinbruch dürfte aber den Boom vorerst ausbremsen. Denn die Investitionstätigkeit folgt immer dem realen Ölpreis. So hat beispielsweise die Anzahl der in Betrieb befindlichen Ölfördertürme Ende Januar um 20% unter dem November-Niveau gelegen.

Starke Belastung für „Ölstaaten“

Positiv ist, dass das vorläufige Ende des Booms keinesfalls die komplette US-Wirtschaft trifft. Denn der Boom war auf wenige Regionen wie beispielsweise Texas, North Dakota und Oklahoma beschränkt.

Im Gegenzug zeigten diese Regionen in den Vorjahren ein deutlich stärkeres Wachstum. Wie wirkt sich die Entwicklung in den Ölregionen auf die Gesamtwirtschaft aus?

Die Bremseffekte sind überschaubar. North Dakota hat beispielsweise nur einen Anteil am US-BIP von 0,4%. Der größte negative Effekt wird von Texas ausgehen. Denn hier liegt der Anteil immerhin bei 11%.

Positive Effekte durch Entlastungen bei Konsumenten überwiegen

So schmerzlich die Effekte in den Ölregionen auch sind, unterm Strich überwiegen jedoch gesamtwirtschaftlich die positiven Effekte.

Die Ausgaben für Benzin lagen mit auf Jahresbasis hochgerechnet im Dezember mit  308 Mrd. US-Dollar rund 70 Mrd. US-Dollar niedriger als noch im Vorjahr. Diese Entwicklung ist direkt spürbar bei den Verbrauchern, denn der Rückgang wirkt wie eine ordentliche Steuersenkung.

Auch wenn nur ein Teil des eingesparten Geldes direkt in alternativen Konsum fließt, so kurbelt der Ölpreisrückgang dennoch die Wirtschaft an. Diesen Effekt konnten Sie auch am privaten Verbrauch im vierten Quartal bereits ablesen. Der Zuwachs von 4,3% war der stärkste Anstieg seit 2006.

USA bleibt größter Ölimporteur

Auch wenn die heimische Ölförderung in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut wurde ist die USA weiterhin der größte Importeur von Rohöl. In 2014 lagen die Einfuhren um 188 Mrd. US-Dollar über den Ausfuhren.

Durch den Rückgang haben sich einige Kennzahlen stark verbessert. In 2012 betrugen die Ausgaben für Öl und Gas noch über 6% des BIP. In 2015 sehen Experten die Quote bei nur noch 5%. Unterm Strich werden somit die Entlastungen für die gesamte Wirtschaft die Bremseffekte in den Ölregionen deutlich übertreffen.

3. März 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.

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