US-Zeitungsmarkt: New Media will den USA-Today-Verleger Gannett für 1,4 Mrd. US-Dollar übernehmen

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Auf dem US-Zeitungsmarkt bahnt sich ein Mega-Deal an. New Media will Gannett, den Verleger der USA-Today, für 1,4 Mrd. US-Dollar übernehmen. (Foto: Rawpixel.com / Shutterstock.com)

In der amerikanischen Medienbranche bahnt sich ein neuer Mega-Deal an: Die New Media Investment Group möchten den „USA-Today-Verleger“ Gannett für 1,4 Mrd. US-Dollar übernehmen und damit zum größten Zeitungsverlag der USA aufsteigen. Wie beide Medienhäuser gestern bekanntgaben, ist eine entsprechende Übernahmevereinbarung bereits von den Vorständen beider Unternehmen unterschrieben worden.

Kombination aus Barzahlung und Aktientausch

New Media bietet Gannett-Aktionäre eine Bezahlung in Aktien und Bargeld an. Konkret sollen Gannett-Aktionäre für jedes ihrer Papiere 6,25 USD in bar und 0,5427 in New-Media-Aktien bekommen. Auf Basis des freitäglichen Schlusskurses der New-Media-Aktien i.H.v. 10,70 USD ist New Media bereit, insgesamt 12,06 USD für jede Gannett-Aktien auf den Tisch zu blättern.

Die Gannett-Aktionäre können sich also über eine Übernahmeprämie von 12,7% freuen. Bei 116,7 Mio. ausstehenden Gannett-Aktien ist New Media der Deal unter dem Strich gut 1,4 Mrd. Dollar wert.

Gannett-Aktie steigt – New Media verliert

Nach Bekanntwerden der Übernahmevereinbarung reagierten die Märkte unterschiedlich. Der Kurs der Gannett-Papiere stieg an der New Yorker Börse im gestrigen Tagesverlauf um +4,2% auf einen Schlusskurs von 11,04 USD. Es spricht also vieles dafür, dass der Markt von einem reibungslosen Deal ausgeht.

Der Kurs der New Media Papiere verlor jedoch stark an Boden. Er sank im Tagesverlauf um -7% und lag beim Erklingen der Schlussglocke nur noch bei 9,89 USD.

Investoren sind offensichtlich nicht davon überzeugt, dass sich der Deal für New Media rechnen wird. Schließlich schwächelt die Zeitungsbranche schon seit Jahren, was insbesondere an der starken und kostengünstigeren Konkurrenz durch Newsplattformen im Internet liegt. Ob die Übernahme eines schwächelnden Mitbewerbers – also quasi eine Flucht nach vorn – die Lösung der stetig sinkenden Umsatzzahlen für New Media bringen wird, ist aus Sicht der Investoren zumindest fraglich.

New Media setzt auf Internet-Anwendungen und Synergieeffekte

Michael Reed, Chairman und Chief Executive Officer von New Media, betont jedoch, dass er Gannett insbesondere wegen seiner hohen Online-Affinität schätzt: „Gannett ist ein innovatives, digital ausgerichtetes Unternehmen für Medien- und Marketinglösungen mit weltweit bekannten Marken.“

„Die Zusammenführung […] unseres komplementären Portfolios wird es uns ermöglichen, unsere umfassende lokale Abdeckung für Verbraucher zu erweitern, unser Produktangebot für lokale Unternehmen zu vertiefen und unseren Wandel von druckorientierten zu dynamischen Multimedia-Anwendungen zu beschleunigen“, so Reed weiter.

Neben der Online-Affinität verspricht sich New Media auch ein hohes Einsparpotential. Das Unternehmen schätzt die jährlichen synergiebedingten Kosteneinsparungen auf 275 – 300 Mio. USD.

Ein neuer Zeitungsriese entsteht

New Media und Gannett sind – gemessen an der Auflagenstärke – die größten Zeitungsverlage in den USA. Durch den möglichen Zusammenschluss entsteht ein führendes, lokal und national tätiges Medienunternehmen mit 263 Tageszeitungen in 47 US-Staaten sowie Guam. Hinzu kommt noch die landesweit erscheinende USA TODAY sowie 160 Titel in Großbritannien, die Gannett in das neue Unternehmen mit einbringen wird.

Angeführt werden soll das neue Unternehmen – das unter der Marke Gannett firmieren wird – von Michael Reed, dem CEO von New Media. Paul Bascobert, neu ernannter Chief Executive Officer von Gannett, wird CEO der operativen Tochtergesellschaft des neuen Unternehmens.

Damit die Übernahme zustande kommt, müssen die Gannett-Aktionäre noch dem Angebot zustimmen. Wenn dann auch noch die US-Aufsichtsbehörden ihr Go geben, sollte die Übernahme bis zum Jahresende 2019 abgeschlossen werden.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.