USA: Gesundheitlich und wirtschaftlich hart getroffen

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Die USA erleben eine ihrer schwersten Wirtschaftskrisen – ist sie bis zur Präsidentschaftswahl im Herbst ausgestanden? (Foto: Jirapong Manustrong / Shutterstock.com)

Die USA erleben dieser Tage eine der schwersten Wirtschaftskrisen ihrer Geschichte. Auf das Gesamtjahr hochgerechnet warnt die US-Notenbank Federal Reserve inzwischen vor einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um bis zu 30 Prozent.

Wie in den meisten Teilen der Welt, die zurzeit mit der Corona-Pandemie kämpfen, betrifft der massive Wirtschaftseinbruch nahezu alle Branchen.

Privater Konsum: Wichtige Wirtschaftsstütze

Besonders hart trifft es wohl den Einzelhandel. Dessen Umsätze gingen allein im April um 16,4 Prozent zurück im Vergleich zum Vormonat. Es war der stärkste Einbruch seit Beginn der entsprechenden Statistik im Jahr 1992 und fiel noch dramatischer aus als von Ökonomen erwartet, die im Schnitt mit einem Minus von etwa 12 Prozent gerechnet hatten. Verglichen mit dem April des Vorjahres belief sich der Umsatzrückgang sogar auf 21,6 Prozent.

Der private Konsum macht in den Vereinigten Staaten etwa zwei Drittel des Bruttoinlandsprodukts aus. Damit sind die USA deutlich stärker auf die Verbraucher angewiesen als etwa die stark exportorientierte deutsche Wirtschaft.

Hohe Arbeitslosigkeit schlägt auf BIP durch

Als belastend wirken sich daher insbesondere auch die Arbeitslosenzahlen aus, die in den USA in den vergangenen Wochen in die Höhe geschossen waren und teilweise historische Ausmaße erreichten. Mehr als 20 Millionen Menschen verloren binnen eines Monats coronabedingt ihren Arbeitsplatz, seit Mitte März sind es weit mehr als 35 Millionen.

Im Gegensatz zu europäischen Sozialstandards kennt das US-System weder Kündigungsschutz noch Kurzarbeit, stattdessen stehen etliche ehemals Beschäftigte von heute auf morgen auf der Straße und sind auf Arbeitslosenhilfe angewiesen.

Die Dunkelziffer derer, die nicht offiziell in die Statistik einfließen, weil sie mit zeitnaher Wiederbeschäftigung rechnen, sobald die massiven Einschränkungen zurückgefahren werden, dürfte ebenfalls alarmierend hoch ausfallen.

Im ersten Quartal – als die Corona-Krise noch nicht voll durchschlug – ging die Wirtschaftsleistung der USA bereits um 4,8 Prozent zurück. Genau wie in Europa werden für das laufende zweite Quartal noch deutlich dramatischere Zahlen erwartet.

Trump hofft auf schnelle Erholung – Experten warnen

Ob und inwieweit sich die Lage in den kommenden Monaten entspannt, steht völlig in den Sternen. Präsident Donald Trump drängt auf eine schnelle Lockerung der Beschränkungen. Ihm ist viel daran gelegen, dass sich die Wirtschaft spätestens im dritten Quartal wieder merklich aufhellt – denn Anfang November wird gewählt, und Trump möchte gern eine zweite Amtszeit im Weißen Haus verbringen.

Dies wird ihm wohl nur gelingen, wenn die USA bis dahin einerseits die gesundheitlichen Folgen der Corona-Krise halbwegs im Griff haben und andererseits die Konjunktur wieder anzieht. Das Spiel ist riskant: Experten warnen eindringlich vor einer zu frühen Lockerung der Maßnahmen und weisen auf die Gefahr einer zweiten Infektionswelle hin.

Sollte diese in den kommenden Monaten das Land überrollen und erneut für zahlreiche Tote sorgen, dürfte es eng werden für die Wiederwahl Trumps im Herbst – denn als Krisenmanager glänzt er zurzeit nicht gerade.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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