USA: Syrien-Konflikt als Ablenkungsmanöver

USA: Syrien-Konflikt möglicherweise keine ganz unwillkommene Ablenkung von den eigenen Problemen. (Foto: imagentle / shutterstock.com)

Während der US-Aktienmarkt mit Kursgewinnen in die neue Handelswoche gestartet ist, stagnierte der deutsche Leitindex DAX und legte um kaum messbare 0,01% zu. Die Anleger in Europa warten erst ab, wie sich die Syrien-Krise entwickelt.

Heute waren in den US-Medien Neuigkeiten aus den USA zum Syrien-Konflikt zu lesen. Die USA haben Syriens Regierung eine Frist gesetzt, um einen Militärschlag abzuwenden.

Innerhalb von einer Woche sollen alle Chemiewaffen abgegeben werden, forderte der amerikanische Außenminister Kerry. “Aber das wird Assad nicht zulassen”, fügte er sofort hinzu.

Das Problem mit der lästigen Schuldengrenze

Die USA haben neben dem Syrien-Konflikt aktuell auch noch eine andere offene “Baustelle”, die sich jedoch im eigenen Land befindet.

Es droht mal wieder das Erreichen der gesetzlich festgelegten Schuldenobergrenze. Diese wurde allein seit 2001 14 Mal (!) nach oben korrigiert. Bis zum Jahr 2011 verlief das Prozedere relativ ruhig und harmonisch.

Doch im Jahr 2011 wurde es dann plötzlich erstmals zum Politikum, als nämlich die konservativen Tea-Party-Republikaner versuchten, die US-Regierung zu erpressen.

Der Vorgang verunsicherte die Weltmärkte und führte zu einer Verschlechterung der Kreditwürdigkeit der USA.

Ende 2012 wiederholte sich dieses peinliche Politik-Theater und führte zu einem faulen Kompromiss, der die Probleme wieder einmal nur vertagte.

Aktuelle Situation: USA wieder nah am Schuldenlimit

Aktuell befinden sich die USA wieder in Reichweite der Schuldenobergrenze, die derzeit (noch) bei 16,7 Billionen Dollar liegt.

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Nach Berechnungen des amerikanischen Finanzministers Jack Lew verbleiben der Regierung ab Mitte Oktober lediglich noch 50 Milliarden Dollar Cash.

Das klingt zunächst einmal nach sehr viel Geld. Die Cash-Reserve wird aber kaum reichen, um die rund 80 Millionen Einzelzahlungen im Monat zu decken.

Diese Einzelzahlungen beinhalten zum Beispiel Zahlungen an Besitzer von US-Staatsanleihen, Rentenzahlungen, Zahlungen von Militärsold und gesetzliche Krankenversicherungsansprüche.

Ein weiteres finanzielles Problem steht den USA ebenfalls unmittelbar bevor. Auch die Finanzierung der laufenden Regierungsgeschäfte ist nur noch zeitlich begrenzt gedeckt.

Dieses Problem ist sogar noch dringender, denn die Finanzierung der laufenden Regierungsgeschäfte ist lediglich noch bis zum 30. September gedeckt.

Neue Schuldenobergrenze kommt, aber unter welchen Bedingungen?

Dass sich Republikaner und Demokraten am Ende nach heftigen Wortduellen wieder einmal auf eine neue Schuldenobergrenze einigen werden, steht für mich außer Frage.

Offen jedoch ist, ob es wieder buchstäblich in letzter Sekunde geschehen wird und welche Kompromisse im Zuge der Einigung dieses Mal geschlossen werden.

Ich möchte nicht soweit gehen zu sagen, dass sich die amerikanische Regierung über den Konflikt in Syrien und einen möglichen militärischen Schlag freut. Der Zeitpunkt einer Zuspitzung des Konfliktes könnte aus Sicht der Regierung aber sicherlich schlechter sein.

In der Vergangenheit hat die jeweils amtierende US-Regierung schon oft Probleme in der Heimat mit außenpolitischen „Notoperationen“ überdeckt.


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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.