Invest Messe Stuttgart, von 05. bis 06. April 2019

V-DAX: bedenklich stimmende Warnsignale – Kein Ende der Krise

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Der V-Dax, Volatilitätsindex, wartet mit ernsten Warnsignalen auf: Ein Krisenende also ist noch nicht in Sicht. (Foto: imagentle / shutterstock.com)

V-DAX gegen DAX: Die Zukunft sieht jeder anders

Der japanische Nikkei-Index legt heute +5,7% zu. Der DAX schnellt in der ersten Handelsstunde um fast 90 Zähler in die Höhe. Dann ist der Mini-Crash ja wohl ausgestanden. Es geht wieder bergauf. Krise beendet. Alles wird gut!

Wird wirklich alles gut? Verzeihen Sie mir, wenn ich da etwas skeptischer gestimmt bin, denn der V-Dax zeigt eine andere Entwicklung auf.

Technische Reaktionen sind völlig normal

Zunächst einmal hat der japanische Leitindex vom Schlussstand am Freitag – hier war die Naturkatastrophe noch nicht „eingepreist“ – bis zum Tagestief gestern in der Spitze immerhin -19,8% verloren.

Um das deutlicher zu machen: In einer der größten Volkswirtschaften dieser Erde löste sich an nur 2 Handelstagen 1 Fünftel des gesamten Aktienvermögenswertes in Luft auf. Dass die Kurse nach einem solchen Einschnitt auch einmal um knapp +6% in die Höhe springen, ist aus Sicht der Charttechnik ein völlig normaler Vorgang.

Im Vergleich dazu hat der DAX seit dem Schlussstand vom Donnerstag (am Freitag wurden hier ja tagsüber schon die Meldungen aus Japan in die Kurse eingearbeitet) -8,2% verloren.

Der Schlüssel steckt hier zwischen den Zeilen, nämlich im Zeitfaktor. Die genannten Verluste wurden innerhalb von 2 (!) bzw. 3 (!) Handelstagen eingefahren. In der Charttechnik sprechen wir in solchen Fällen von Volatilität, also der Schwankungsbreite der Märkte.

Die Unsicherheit ist gewachsen

Volatilität ist ein Ausdruck von Unsicherheit unter den Investoren. Immer dann, wenn die Zukunft wenig berechenbar oder gar unberechenbar scheint, neigen Investoren weit schneller zu Handelsentscheidungen.

Es kommt zu Panikreaktionen, schnellen Gewinnmitnahmen oder Verlustrealisationen, aber auch zu schnellen Kaufentscheidungen, die sehr häufig von exorbitanten Kursgewinnen in wenigen Einzelwerten motiviert werden.

Die Kurssprünge bei den Aktien aus dem Bereich Erneuerbare Energien an den letzten beiden Handelstagen sind dafür ein sehr schöner Beleg. Sehr häufig werden diese Handelsentscheidungen von der Nachrichtenlage bestimmt.

Eine steigende Volatilität zeigt also wachsende Unsicherheit. Je weiter die Volatilität ansteigt, umso größer wird der Druck auf die Marktteilnehmer, die sich bislang noch nicht so sehr vom Marktgeschehen haben beeindrucken lassen und ruhig geblieben sind.

Diese Volatilität lässt sich messen. Die Schwankungsintensität im DAX misst der Volatilitäts-Index V-DAX. Ich habe den V-DAX vor einigen Jahren nach eingehender Analyse in Zonen eingeteilt, um besser zu veranschaulichen, welche Niveaus wie einzuschätzen sind. Diese finden Sie auf dem nachfolgenden Chart des V-DAX wieder, bei dem zusätzlich der DAX-Verlauf auf Schlusskursbasis eingeblendet ist.

V-DAX: Deutliche Warnsignale

Charttechnik V-DAX gegen DAX: Deutliche Warnsignale

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Zunächst einmal sehen Sie, dass der DAX aus seinem im März 2009 begründeten Aufwärtstrend nach unten ausgebrochen ist (gelber Kreis). Das ist schon mal gar nicht gut.

Weiterhin sehen wir, dass der V-DAX zuletzt – wenig verwunderlich – kräftig gestiegen ist. Noch Mitte Februar notierte er in der Aufwärtstrend-Zone und machte damit Hoffnung auf einen Hausse-Markt. Danach kletterte er zunächst bis an die steilere Abwärtstrend-Linie (durchgezogene rote Linie), verharrte kurz dort und stieg dann in den letzten 5 Handelstagen mit hoher Dynamik über diese Abwärtstrend-Linie (blauer Kreis). Auch das ist gar nicht gut.

Noch bedenklicher ist, dass nicht nur der steile Abwärtstrend nach oben verlassen worden ist, sondern nun auch noch der langfristige Abwärtstrend „angeknabbert“ wird, der im Oktober 2008 etabliert wurde. Das ist ein weiteres Warnsignal. Wohlgemerkt: Warnsignal, (noch) kein Verkaufssignal. Damit nicht genug, notiert der V-DAX nun unmittelbar vor der Crash-Zone, die bei 23 beginnt. Noch weniger gut.

(Noch) ist nicht alles gut!

Sie sehen: Es ist eben (noch) nicht alles gut! Lassen Sie mich Ihnen ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit zeigen: Im September 2008 gab es eine durchaus vergleichbare Situation (gelber Kasten). Nachdem eine wichtige Unterstützung durchbrochen wurde, brach auch der V-DAX mit Dynamik aus seinem Abwärtstrend nach oben aus. Es gab im Anschluss eine heftige Erholungsrallye, sogar über die zuvor durchbrochene Unterstützung hinaus. Dann jedoch brach der DAX heftig ein.

Übrigens – manchmal vergisst man ja schnell: Dieser Einbruch in jenen Tagen wurde initiiert durch den Zusammenbruch des Bankhauses Lehman Brothers am 15. September 2008. Wir steckten mitten in der Finanzkrise und es drohte ein Kollaps des Finanzsystems. Gute Gründe für erhöhte Unsicherheit…

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste

Bitte: Ich möchte keinesfalls des Teufels Anwalt spielen. Ich gehe auch nicht davon aus, dass wir einen von den Dimensionen her ähnlichen Kurseinbruch befürchten müssen. Aber Warnsignale sind nun einmal Warnsignale. Und wenn Sie heute wüssten, dass der DAX nach einer kurzen Erholung noch einmal 958 Punkte nachgibt, würden Sie dann heute schon wieder mit fliegenden Fahnen in den Markt einsteigen? Vermutlich nicht.

Nachfolgend zitiere ich einige Zeilen aus einem aktuellen Beitrag von Spiegel Online zur Reaktorkatastrophe in Fukushima: „Die Lage im Katastrophen-Atomkraftwerk Fukushima I in Japan ist vollkommen außer Kontrolle. Nach weiteren Feuern an zwei Reaktoren und einem starken Anstieg der Strahlung mussten sich die Arbeiter an diesem Mittwoch zeitweise aus dem Kraftwerk zurückziehen. … In der umliegenden Präfektur Fukushima wurden Cäsium und Jod im Leitungswasser nachgewiesen. … Den japanischen Atomspezialisten gelingt es trotz permanenter Wasserzufuhr nicht, die Brennstäbe in den Reaktoren 1, 2 und 3 ausreichend zu kühlen. Ein Sprecher der japanischen Atomaufsichtsbehörde NISA (Nuclear and Industrial Safety Agency) sagte der Nachrichtenagentur dapd, nach den letzten verfügbaren Informationen der vergangenen Nacht lägen in den Einheiten die Kernbrennstäbe teilweise zur Hälfte frei. Löscharbeiten an den Feuern waren offensichtlich unmöglich.“

Ich denke, diese wenigen Zeilen machen deutlich, dass die nukleare Krise in Japan noch lange nicht vorüber ist. Vor allem kann niemand die Frage beantworten, welche Folgen auf Japan zukommen, falls das eintritt, von dem wir alle hoffen und wünschen, dass es den Menschen in Japan und in der weitläufigen Region um den Reaktor herum erspart bleiben möge.

Dieser Markt eignet sich nur für Trader und Zocker

Falls Sie sich also motiviert fühlen sollten, in diesem Szenario in den Märkten mitspielen zu wollen, dann sollten Sie extrem gute Nerven mitbringen, den ganzen Tag die Märkte beobachten können und entscheidungsfreudig sein. Allen anderen Investoren empfehle ich, in diesen Tagen lieber an der Seitenlinie zu stehen und die Entwicklung zu verfolgen.

Nutzen Sie die Zeit stattdessen dazu, einen Plan zu entwickeln. Überlegen Sie, welche Aktien sie gerne kaufen würden, beobachten Sie diese und greifen Sie zu, wenn die Kurse noch einmal unter Druck geraten sollten.

Planen Sie lieber Ihre Chancen!

Oder machen Sie es wie die Leser meines Börsendienstes Momentum Trader: Wir sind in den letzten Wochen nach und nach aus allen Positionen ausgestoppt worden, sitzen zurzeit auf 100% Liquidität und beobachten die weitere Entwicklung.

Sobald sich interessante Kaufgelegenheiten ergeben, werde ich meinen Lesern eine entsprechende Empfehlung zusenden. Und glauben Sie mir: Ich habe einige sehr interessante und attraktive Wachstumsaktien auf meiner Kaufliste!

Ich drücke den Menschen in der Krisenregion ganz fe st die Daumen, das alles gut wird!


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.