Valensina und Co.: Nachträgliche Steuern auf Unternehmensanleihen?

Besonders interessant ist der Markt für Unternehmensanleihen (oder Corporate Bonds) vor dem Hintergrund der niedrigen Zinsniveaus geworden, da zu großen Teilen besonders im Mittelstandsbereich attraktive Konditionen von den Unternehmen angeboten wurden.

Und dies, obwohl die Unternehmen gemäß Erkenntnissen von Ratingagenturen als stabil gelten und somit kaum eine Ausfallwahrscheinlichkeiten zu befürchten ist.

Allein in den letzten Monaten des abgelaufenen Jahres hat es hier eine Reihe interessanter Emissionen gegeben und neue Emissionen stehen auch schon bereits in den Startlöchern. Anleihen von UNIWHEELS, Valensina, Heckler & Koch, Reiff Reifen oder golden Gate befinden sich derzeit in der Zeichnungsphase oder unmittelbar davor.

Besonders interessant ist diese Anlageform für Investoren, die eine festverzinsliche Anlage erwerben wollen, allerdings zu weitaus höheren Zinsniveaus, als sie derzeit bei der Bankanlage üblich sind. Aber auch Pensionskassen, Lebensversicherungen oder Fonds sind an diesem Markt sehr aktiv.

Die oben genannten Unternehmen haben die Zeichen der Zeit erkannt und schließen somit mit der Emission einer Anleihe die Lücke zwischen dem typischen Aktieninvestor und dem Investor, der sein Geld in festverzinslicher Form angelegt hat.

Dass die Unternehmen derzeit den Markt so aktiv bearbeiten, liegt ebenfalls in der Tatsache der niedrigen Zinsniveaus begründet, da damit die Zinszahlungen während der Anleihenlaufzeit gut zu verkraften sind.

Zinserträge sind steuerpflichtig

Gerade für Anleger ist die steuerliche Behandlung von hohem Belang. Grundsätzlich werden diese wie festverzinsliche Wertpapiere behandelt und damit sind die laufenden Kuponzahlungen (in der Regel jährlich) steuerpflichtig.

Unternehmensanleihen sind in der Regel marktfähig und können auch während der Laufzeit über einen aktiven Markt veräußert werden. Je nach Preisstellung können hier Kursgewinne erfolgen, die nach aktuellen Koalitionsvereinbarungen als Spekulationsgewinne zu versteuern sind.

Im Fall eines vorzeitigen Abverkaufs entstehen die so genannten Stückzinsen. Stückzinsen, sind die aufgelaufenen Zinsgewinne von der letzten Zinszahlung aus gesehen bis zum Veräußerungszeitpunkt. Diese werden vom Käufer dem Verkäufer erstattet, da der Kupon der kommenden Zinszahlung mit veräußert wird. Hierzu ein kleines Beispiel:

Wer eine Unternehmensanleihe ein halbes Jahr nach der letzten Zinszahlung verkauft, müssen die Zinsen für die ersten 6 Monate vom Käufer an den Verkäufer zusätzlich zum Anleihenpreis gezahlt werden.

Nachträgliche Zinszahlungen für 2009 und 2010 geplant

Steuerlich werden diese Stückzinsen beim Verkäufer als Veräußerungserlös behandelt und sind damit seit der Steuerreform steuerpflichtig. In den Jahren 2009 und 2010 jedoch hatte der Bund bisher einen Bestandsschutz gewährt, und damit war der Verkauf von Anleihen und auch der dazugehörigen Stückzinsen, die länger als ein Jahr gehalten wurden, steuerfrei.

Financial Times Deutschland berichtete jedoch, dass dieser Bestandsschutz laut einem Verwaltungserlass nachträglich aufgehoben werden soll. Nachträglich also sollen die Stückzinsen der Jahre 2009 und 2010 versteuert werden – es geht in diesem Fall um Summen von bis zu einer Milliarde Euro. Für viele Anleger sicherlich ein Schock.

6. April 2011

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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