Vapiano: Der Kapitän geht von Bord

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Der angeschlagene Systemgastronom Vapiano verliert seinen Chef. Der Sanierungskurs soll aber fortgesetzt werden. (Foto: fotogestoeber)

Am gestrigen Sonntag wurde bekannt, dass der Chef der angeschlagenen Restaurant-Kette Vapiano, Cornelius Everke, überraschend zum Ende des Monats seinen Hut nimmt. Die Vapiano-Aktie quittierte dies am heutigen Montag mit einem deutlichen Kurseinbruch.

Bevor ich gleich näher auf die jüngsten Entwicklungen bei Vapiano und die Perspektiven des Unternehmens und der Aktie eingehe, möchte ich Ihnen das Unternehmen zunächst kurz vorstellen. Vapiano ist in der Systemgastronomie tätig, wurde 2002 in Hamburg gegründet und hat seinen Sitz in Köln.

Geschäftsmodell und einige Eckdaten

In den Restaurants der Vapiano-Kette werden italienische Speisen (vorwiegend Pizza und Pasta) nach dem sogenannten Fast-Casual-Prinzip angeboten. Zur Erläuterung: Ein Fast-Casual-Restaurant ist ein Restaurant, das durch frische Produkte und einen schnellen, reduzierten Service charakterisiert wird. Es ist damit, wenn Sie so wollen,  eine moderne und gesundheitsbewusstere Form von Fast Food.

Größter Anteilseigner von Vapiano ist seit 2011 die Vermögensverwaltung Mayfair, die in Hamburg ansässig ist und den Erben der Tschibo-Gründer gehört. Die Vapiano-Restaurants werden zu rund einem Drittel selbst, mehrheitlich aber von Franchise-Partnern oder als Joint Venture betrieben.

Vapiano erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 372 Mio. Euro und einen Nettoverlust von 101 Mio. Euro. Dies lag vor allem an hohen Abschreibungen und höheren Betriebskosten im Zuge der Ausdehnung. Gleichzeitig wuchs der Schuldenberg deutlich an.

Auf bereinigter Fläche (also ohne Berücksichtigung der neuen Restaurants) ging der Umsatz von Vapiano um 1% zurück. Das zeigt: Wachstum war zuletzt nur noch durch neue Restaurants und zu einem hohen Preis möglich.

Die jüngsten Vorgänge

Wie schon geschrieben, teilte Vapiano gestern per Pressemeldung mit, dass der bisherige Chef Cornelius Everke Ende des Monats von Bord geht. Ursächlich dafür sind gemäß der Meldung persönliche Gründe und die Trennung erfolge einvernehmlich.

Weiterhin heißt es, dass der Aufsichtsrat die Entscheidung von Everke bedauere und dass Vapiano die Sanierung nun ohne ihn, aber wie geplant fortsetzen will. Die jetzige Strategie werde sich nicht ändern, teilte Vapiano mit.

Die derzeitige Aufsichtsratsvorsitzende Vanessa Hall soll vorübergehend den Chefposten übernehmen. Für Mittwoch, den 21. August, ist die Hauptversammlung des Unternehmens in Köln angesetzt.

Wie es weitergeht

Schon am 19. Februar schrieb ich Ihnen folgendes zur Vapiano-Aktie: Die Vapiano-Aktie ist aktuell und in naher Zukunft nichts für Anleger mit schwachen Nerven. Ich glaube erst an den operativen Turnaround, wenn ich ihn im Zahlenwerk sehe.

Und weiter:Ich persönlich habe den Eindruck, dass die ehemalige Begeisterung der Vapiano-Kunden deutlich nachgelassen hat. Ob das Konzept eine Zukunft hat oder nur eine Modeerscheinung war, wird sich noch zeigen. Als Aktionär muss man dieses Experiment nicht mitmachen, sondern kann sich die weitere Entwicklung von der Seitenlinie aus ansehen.

Einige andere deutsche Unternehmen haben an der Börse zuletzt auch zweistellig verloren, besitzen jedoch ein starkes Geschäftsmodell. Sobald die Konjunkturflaute vorbei ist, werden diese Aktien wieder nach oben springen. Bei anderen Unternehmen, und dazu gehört auch Vapiano, sehe ich dagegen Schwächen im Geschäftsmodell. Ob und wann diese Aktien wieder anspringen, ist unsicher. Daher gilt weiterhin meine Empfehlung: Meiden Sie diese Aktie.

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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands und teilt seine Expertise bereits seit rund 20 Jahren als Chefredakteur von „Morriens Depot-Brief“ (für den erfolgreichen Börsenstart), dem „Depot-Optimierer“ (Vermögensaufbau mit Value-Ansatz) und von „Rolf Morriens Power Depot“ (dynamisches Trading-Depot) sowohl mit Börseneinsteigern als auch mit ambitionierten Privatanlegern.

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