Invest Messe Stuttgart, von 05. bis 06. April 2019

Vapiano enttäuscht erneut die Anleger

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Vapiano serviert den Anlegern schwache Quartalszahlen und bringt die Aktie massiv unter Druck. (Foto: Tobias Arhelger / shutterstock.com)

Zu den Todsünden, die ein frischgebackener Emittent begehen kann, zählt, wenn dieser kurz nach dem Börsengang eine Gewinnwarnung abgeben muss. In den Monaten vor dem IPO, wenn sich der Vorstand des Börsenkandidaten gemeinsam mit den Mitarbeitern aus der Corporate Finance-Abteilung, den Sales-Leuten und den Analysten auf den Börsengang vorbereitet, wird jede Zahl zwei- oder dreimal umgedreht, bevor sie von allen Parteien abgesegnet wird. Nur um ganz sicher zu gehen, dass die Planzahlen auch erreichbar sind.

Wechselspiel der Planzahlen

Gleichzeitig sollte die interne Finanzprognose aber so hoch ausfallen, dass der daraus abgeleitete Unternehmenswert für den Emittenten attraktiv genug ist. Dieses Wechselspiel muss sorgfältig austariert werden, schließlich steht nicht nur die Reputation des Emissionskandidaten auf dem Spiel, sondern auch der begleitenden Banken und Berater. Wenig verwunderlich also, dass es einem Börsenneuling besonders übelgenommen wird, wenn er dann doch die eigene Prognose als unerreichbar verkünden muss.

Zweimal gegen die Regel Nr. 1 verstoßen

So geschehen bei der Nudel- und Pizzakette Vapiano. Und zwar nicht nur einmal, sondern gleich zweimal. In der vergangenen Woche musste Vapiano die Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr nämlich abermals zurücknehmen. Nun wird ein adjustiertes operatives Ergebnis (EBITDA) in einer Bandbreite zwischen 34 und 38 Mio. Euro erwartet. Die bisherige Prognose lag mit 42 bis 47 Mio. Euro deutlich höher. Beim Nettoumsatz rechnet der Vorstand jetzt mit einer Bandbreite zwischen 375 und 385 Mio. Euro an, bislang waren 385 bis 400 Mio. Euro avisiert worden.

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Als Entschuldigung führt der Vorstand an, dass insbesondere die Geschäftsentwicklung im Segment Europa und die nicht planmäßige Entwicklung einiger neu eröffneter Restaurants hinter den Erwartungen liegen würde. Es gab schon plausiblere Begründungen für eine unter den Erwartungen liegende Geschäftsentwicklung.

Paket zur Effizienzsteigerung

Nun wolle der Vorstand mit einem „Maßnahmenprogramm zur Steigerung der operativen Exzellenz“ gegensteuern und die Profitabilität wieder auf altbekannte Dimensionen zurückführen. Erste Effekte sollen bereits im kommenden Geschäftsjahr sichtbar sein.

An den Kapitalmärkten kamen die Gegenmaßnahmen nicht an. Nachdem Vapiano den Anlegern bereits im September eine Umsatz- und Gewinnwarnung aufgetischt hat, kam die Aktie erneut unter kräftigem Druck. Unter dem Strich hat die Aktie in den vergangenen zwölf Monaten fast zwei Drittel ihres Wertes verloren. Verloren gegangen ist dabei auch die Glaubwürdigkeit des Vorstands. Es wird dauern, bis diese wieder zurückgewonnen werden wird.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.