Vapiano mit Millionenverlusten

Vapiano Salat Shrimps – shu

Die kriselnde Restaurantkette Vapiano verbucht für die ersten 9 Monate des laufenden Jahres einen Verlust von gut 46 Mio. Euro. (Foto: DreamerAchieverNoraTarvus / Shutterstock.com)

Das heutige Beispiel hier im Schlussgong zeigt Ihnen: Nicht jeder Börsengang ist eine Bereicherung für den Kurszettel.

Im Juni 2017 legte die Restaurantkette Vapiano einen respektablen Börsenstart hin. Seither ist viel passiert. Zum Leidwesen der Aktionäre leider nicht viel Positives. Ganz aktuell meldet Vapiano einen Millionenverlust. Einst kostete die Vapiano-Aktie 24 Euro und der Börsenwert des Unternehmens lag bei etwa 580 Mio. Euro. Heute notiert das Papier bei rund 4 Euro

(-83%) und der Börsenwert ist auf nur noch rund 100 Mio. Euro geschrumpft.

Operativ läuft es bei dem in Köln ansässigen Unternehmen schon seit längerer Zeit nicht mehr. So dürfte es auch kaum jemanden verwundern, dass Vapiano zuletzt innerhalb von wenigen Monaten 2 Mal einen neuen Chef (bzw. aktuell eine Chefin) bekam.

Bevor ich gleich auf die jüngsten Geschehnisse und die mauen Perspektiven eingehe, stelle ich Ihnen zunächst kurz das Unternehmen und das Geschäftsmodell vor.

Geschichte und Geschäftsmodell von Vapiano

Vapiano ist in der Systemgastronomie tätig, wurde 2002 in Hamburg gegründet und hat seinen Sitz in Köln. In den Restaurants der Vapiano-Kette werden italienische Speisen (vorwiegend Pizza und Pasta) nach dem sogenannten Fast-Casual-Prinzip angeboten.

Zur Erläuterung: Ein Fast-Casual-Restaurant ist ein Restaurant, das durch frische Produkte und einen schnellen, reduzierten Service charakterisiert wird. Es ist damit, wenn Sie so wollen, eine moderne und gesundheitsbewusstere Form von Fast Food.

Größter Anteilseigner von Vapiano ist seit 2011 die Vermögensverwaltung Mayfair, die in Hamburg ansässig ist und den Erben der Tschibo-Gründer gehört. Die Vapiano-Restaurants werden zu rund einem Drittel selbst, mehrheitlich aber von Franchise-Partnern oder als Joint Venture betrieben.

Die jüngsten Entwicklungen

Im Sommer dieses Jahres übernahm die Britin Vanessa Hall den Chefposten bei Vapiano. Ihre Mission ist es, das Unternehmen wieder in die schwarzen Zahlen zu führen. Für die ersten 9 Monate dieses Jahres steht nun jedoch ein Verlust von 46,1 Mio. Euro zu Buche. Das sind rund 17 Mio. Euro mehr Verlust als im Vorjahreszeitraum.

Zwar stieg der Umsatz von 279,3 auf 295,5 Mio. Euro. Auf vergleichbarer Fläche (also bereinigt um Neueröffnungen) ging der Umsatz jedoch um 4,2% zurück. Das zeigt: Vapiano wächst derzeit unter dem Strich nur durch die Eröffnung neuer Restaurants.

Es gibt aber auch einen kleinen Lichtblick: Trotz der tiefroten Zahlen sieht Vapiano erste Fortschritte des Sanierungskurses. Jeder Gast habe in den ersten 9 Monaten dieses Jahres im Schnitt 5% mehr Geld ausgegeben als zuvor, teilte das Unternehmen mit. Zudem stabilisierte sich das Geschäft im 3. Quartal etwas. Schwarze Zahlen peilt Vapiano aber erst für 2021 an. Um dieses Ziel zu erreichen, will der Vorstand von Vapiano vor allem die Attraktivität für die Kunden wieder steigern.

Die Perspektiven

Schon am 19. Februar  dieses Jahres schrieb ich Ihnen Folgendes zur Vapiano-Aktie: Die Vapiano-Aktie ist aktuell und in naher Zukunft nichts für Anleger mit schwachen Nerven. Ich glaube erst an den operativen Turnaround, wenn ich ihn im Zahlenwerk sehe.

Und weiter:Ich persönlich habe den Eindruck, dass die ehemalige Begeisterung der Vapiano-Kunden deutlich nachgelassen hat. Ob das Konzept eine Zukunft hat oder nur eine Modeerscheinung war, wird sich noch zeigen. Als Aktionär muss man dieses Experiment nicht mitmachen, sondern kann sich die weitere Entwicklung von der Seitenlinie aus ansehen. Dem ist aus meiner Sicht nichts hinzuzufügen.


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Rolf Morrien
Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.

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