Varta: Batteriehersteller bringt millionenschwere Übernahme in trockene Tücher

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Der Batteriespezialist Varta mit millionenschwerer Übernahme: Nach Großübernahme wird sich der Umsatz auf einen Schlag verdoppeln. (Foto: ricochet64 / shutterstock.com)

Während sich in den letzten Jahren viele Börsengänge als Rohrkrepierer entpuppten, können sich die Varta-Anleger die Hände reiben. Wer im Oktober 2017 beim Emissionspreis von 17,50 Euro zum Zuge kam, sitzt inzwischen auf hohen Kursgewinnen. Nach der rasanten Kursrally der letzten Monate müssen Investoren bereits 123 Euro pro Anteilsschein auf den Tisch legen. In 2019 kletterten die Papiere um satte 393% in die Höhe und waren damit der mit Abstand größte Gewinner im MDAX.

Auch in der Geschäftsentwicklung macht der Batteriespezialist aus Ellwangen große Fortschritte. Gerade hat das Unternehmen einen weiteren Meilenstein bekanntgegeben. 17 Jahre nach der Zerschlagung der ehemaligen Varta AG in drei Teile kauft Varta das Geschäft mit Haushaltsbatterien und Taschenlampen wieder zurück und wird seinen Umsatz damit auf einen Schlag verdoppeln.

Varta im Portrait

Bevor ich auf die aktuelle Übernahme eingehe, möchte ich Ihnen den Konzern aus Ellwangen erst einmal näher vorstellen. Varta ist über ihre operativen Tochtergesellschaften VARTA Microbattery GmbH und VARTA Storage GmbH in den Geschäftssegmenten Microbatteries und Energy Storage Solutions tätig.

Als einer der zwei weltweit größten Hersteller von Mikrobatterien für Hörgeräte (gemessen am Produktionsvolumen) ist die VARTA Microbattery GmbH ein Pionier im Mikrobatteriesektor. Daneben ist die VARTA Microbattery GmbH bestrebt, ihre Expertise im Bereich der Mikrobatterien für Hörgeräte auf den Wachstumsmarkt für wiederaufladbare Mikrobatterien für die Unterhaltungselektronik und eine Vielzahl an industriellen Anwendungen zu übertragen.

Durch ihre Tochtergesellschaft VARTA Storage GmbH fokussiert sich die Gruppe auf das Design, die Systemintegration und die Montage von stationären Lithium-Ionen-Energiespeichersystemen für Haushalte und maßgeschneiderte Batteriespeichersysteme für OEM-Kunden. Mit vier Produktions- und Fertigungsstätten in Europa und Asien sowie Vertriebszentren in Asien, Europa und den USA sind die operativen Tochtergesellschaften der Gruppe derzeit in über 75 Ländern weltweit tätig.

Varta schließt Übernahme erfolgreich ab

Gestern gab Varta bekannt, dass die Übernahme des in Europa angesiedelten Varta Consumer Batteries Geschäfts (“Varta Consumer”) von der US-amerikanischen Energizer Holdings erfolgreich abgeschlossen wurde. Was sich wenig spektakulär anhört, hat es in sich: Mit der Übernahme schafft die Varta AG einen weltweit führenden Hersteller von Batterielösungen mit einem umfassenden Produktportfolio. Mit dem Unternehmenskauf werden die weltweiten Varta-Markenrechte für Geräte- und Mikrobatterien sowie Energiespeichersysteme wieder unter dem Dach der Varta AG vereint. Dies stärkt den Markenauftritt der Varta-Produkte in allen Segmenten.

Umsatz verdoppelt sich auf einen Schlag

Zur Varta Consumer Batteries gehören Gesellschaften in mehr als 20 Ländern, Hauptproduktionsstandort ist Dischingen (Landkreis Heidenheim). Zum Produktportfolio zählen Batterien, Akkus, Ladegeräte, Portable Power (Power Banks) und Leuchten. Unter dem Strich zahlt Varta rund 100 Millionen Euro, dazu übernimmt der Konzern etwa 80 Millionen Euro an Verbindlichkeiten.

Mit dem Deal katapultiert sich Varta in eine neue Dimension. Für das Geschäftsjahr 2019 wird ein Umsatz des übernommenen Geschäfts von rund 300 Millionen Euro erwartet. Der bisherige Eigentümer Energizer Holdings wird die Marke Varta über eine Lizenzvereinbarung im Retail-Vertrieb in den USA und Asien weiter nutzen.

Geschäfte laufen auf Hochtouren

Aber auch ohne die Übernahme brummen die Geschäfte: In den ersten neun Monaten kletterten die Umsätze um 22% auf 242,8 Millionen Euro. Zeitgleich verbesserte sich der Nettogewinn deutlich überproportional um 66% auf 33 Millionen Euro.

Nach einer Prognoseerhöhung erwartet Konzernchef Herbert Schein einen Umsatz zwischen 330 bis 340 Millionen Euro. Dies entspricht einem Umsatzwachstum von rund 21 bis 25%. Die Prognose für das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) wurde unterdessen von 72 bis 76 Millionen Euro auf 84 bis 88 Millionen Euro erhöht. Das entspräche einem Anstieg um rund 67 bis 75% zum Vorjahr, wohlgemerkt ohne Einbezug der gerade gebilligten Großübernahme.

Anleger lieben die Battierstory

Mit dem gerade abgesegneten Megadeal steigt der Umsatz im nächsten Jahr auf deutlich über 600 Millionen Euro und das EBITDA sollte die 100 Millionen Euro-Marke knacken. Dem steht ein aktueller Börsenwert von mittlerweile gut 5 Milliarden Euro gegenüber. Damit ist das aktuelle Kursziel der Analysten bereits um gut 20% überschritten worden.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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