Vatikan prangert Missstände in der Finanzindustrie an

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Vor Pfingsten wagt sich der Vatikan mit einem kritischen Papier zur Finanzindustrie aus der Deckung. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

In diesen Frühlingstagen des Jahres 2018 dominieren nach wie vor die positiven Schlagzeilen die „Agenda“. Die Weltwirtschaft brumme – angeblich – nach wie vor, die Aktienmärkte schicken sich an, wieder auf die alten Rekordhochs zu steigen. Friede, Freude, Eierkuchen – so scheint der Grundtenor dieser Tage zu sein. Anders formuliert, Krisenthemen wie Euro- oder Finanzkrise stehen überhaupt nicht mehr im Fokus

Vatikan meldet sich zu Wort

Kurz vor Pfingsten wagte sich nun der Vatikan mit einem vom Papst höchstpersönlich abgesegneten Grundsatzpapier zur Finanzindustrie aus der Deckung. Manche Beobachter wie der Theologe und Ökonom Bernhard Emunds bezeichnen das Papier als „Gardinenpredigt für Banker“. Unter dem Strich kritisiert der Vatikan die immer noch vorhandenen Missstände in der Finanzwirtschaft. Es wird moniert, dass die Welt es nach Ansicht des Vatikans versäumt habe, Lehren aus der Finanzkrise vor zehn Jahren zu ziehen. Statt eine gerechtere Wirtschaft aufzubauen, herrsche immer noch Unmoral. Wörtlich heißt es im Papier:

«Manchmal hat es sogar den Anschein, als wäre ein oberflächlicher, kurzsichtiger Egoismus zurückgekehrt, der das Gemeinwohl missachtet und nicht daran interessiert ist, Wohlstand zu schaffen und zu verbreiten.»

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Derivate als Zeitbombe

Konkret wurden Steueroasen kritisiert. Diese dienten oft der Geldwäsche und kriminellen Organisationen, was zu Lasten vor allem der Armen gehen würde. Höchst interessant auch, dass es in dem Papier auch um Finanzinstrumente wie Derivate geht. Der legendäre Value-Investor Warren Buffett bezeichnete Finanzderivate ja schon vor Jahren als potenzielle Massenvernichtungswaffen. Für den Vatikan sind Finanzderivate indes nichts anderes als eine Art Zeitbombe. Früher oder später werde diese Bombe explodieren. Die Folgen der allfälligen Explosion könnten indes verheerend ausfallen und die Gesundheit der Märkte vergiften.

Ja, liebe Leser, der Vatikan legt den Finger in die nach wie vor offene Wunde der Finanzindustrie. Im Papier wird auch dezidiert gefordert, dass der Profit wieder echten Wohlstand schaffen müsse. Wo Regeln nur noch für die Großen gemacht würden, zerstöre dies “die notwendige Biodiversität der Finanz- und Wirtschaftswelt”, kritisierte der Wirtschaftswissenschaftler Leonardo Becchetti bei der Vorstellung.

Das Geld müsse dienen und nicht regieren. Naja, die Botschaft aus dem Vatikan hört und liest man gern, allein es fehlt der Glaube, dass die Verantwortlichen die Wende einleiten werden. Im Gegenteil, die Wahrscheinlichkeit ist extrem groß, dass eine allfällige Umkehr erst dann erfolgen wird, wenn es zu spät ist. Und zwar nach dem Crash…


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Günter Hannich
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.