Invest Messe Stuttgart, von 05. bis 06. April 2019

VDAX: Das sieht nun doch bedrohlich aus

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Mit dem gestrigen Handelstag haben sich die Aussichten für den Aktienmarkt eingetrübt. Ein Blick auf den VDAX. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Was ist Ihrer Ansicht nach die schlechteste Tugend eines Aktien-Investors?

In den mehr als 33 Jahren professioneller Börsentätigkeit habe ich für mich eine Eigenschaft als außerordentlich gefährlich erfahren: Die Unfähigkeit, auf Veränderungen der Marktlage zu reagieren.

Wir alle haben unsere eigenen Erwartungen, was die künftige Tendenz am Aktienmarkt angeht. Aber wir neigen dazu, an diesen Erwartungen festzuhalten, auch wenn wir Anzeichen dafür wahrnehmen, dass diese so möglicherweise nicht eintreffen werden.

Für mich persönlich war die Erkenntnis, dass der Aktienmarkt sich nicht nach meiner Einschätzung richtet, sondern ich mich nach dem Aktienmarkt ausrichten muss, ein echter Quantensprung in meiner Investoren-Laufbahn.

Die Charttechnik liefert uns exakt die Werkzeuge, die wir benötigen, um die Hinweise, die uns der Aktienmarkt gibt, auch zu erkennen und zu interpretieren. Und auf eine solche charttechnische Entwicklung möchte ich Sie heute aufmerksam machen.

Es geht um die Volatilität, genauer gesagt, um den Volatilitätsindex VDAX.

Was bedeutet Volatilität?

Für die Profis unter Ihnen: Falls Ihnen der Begriff Volatilität geläufig ist, überspringen Sie einfach den folgenden Abschnitt.

Das Auf und Ab am Aktienmarkt bezeichnen wir auch als Schwankungsbreite. Geringe Kursschwankungen sind ein Indiz für hohes Anlegervertrauen. Starke Kursausschläge sind ein Zeichen erhöhter Unsicherheit.

Der Grund dafür ist einfach: Wenn Sie großes Vertrauen in einen steigenden Aktienmarkt habe, dann gibt es für Sie kaum Anlass, Positionen zu verkaufen. Sobald jedoch dieses Vertrauen schwindet, wächst die Neigung, bestehende Positionen abzustoßen.

Dies wiederum führt zu größeren Kursschwankungen, also erhöhter Volatilität. Und diese lässt sich messen. Für die 30 Aktien im DAX macht dies der Volatilitätsindex VDAX.

Aufgrund Analysen früherer Jahre habe ich den VDAX für mich in Zonen aufgeteilt. So bewegt sich der VDAX in einem Aufwärtstrend üblicherweise zwischen 0 und 15. Ein Index von 15 bis 20 ist als neutral einzustufen.

Werte zwischen 20 und 23 kennzeichnen zumeist Abwärtstrend-Phasen im DAX 30. Ein VDAX oberhalb von 23 birgt das Risiko eines Crash-Szenarios in sich.

Dieser Indikator zeigt, ob Bullen oder Bären stärker werdenDer Intraday Momentum Index zeigt Tradern mit Kerzen und Signallinien, ob ein Markt überkauft oder -verkauft ist und wann der Trend dreht. › mehr lesen

Charttechnik signifikant eingetrübt

Schauen wir nun einmal auf den Volatilitätsindex VDAX. Was ich Ihnen jetzt zeige, war am Wochenende noch so gerade eben zu tolerieren. Doch mit dem gestrigen Handelstag hat sich die Situation signifikant eingetrübt.

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Volatilitätsindex VDAX: Charttechnik signifikant eingetrübt

Im letzten Crash, im Herbst 2011, markierte der VDAX ein Mehrjahreshoch. Von diesem Punkt ausgehend lässt sich ein Abwärtstrend (violette Linie) einzeichnen, der im Laufe der Zeit mehrfach neu justiert wurde.

Entsprechend haben sich im Rahmen dieses übergeordneten Abwärtstrends diverse Auf- und Abwärtstrends (grüne und rote Trend-Linien) ausgebildet. Tendenziell verringerte sich die Volatilität indes auf ein neues Mehrjahrestief Ende November 2013.

Wie Sie unschwer erkennen können, war der VDAX zum Wochenende bereits aus dem Abwärtstrend nach oben ausgeschert (bis zu der pinkfarbenen Markierung). Der gestrige Handelstag katapultierte den Indikator jedoch in die Nähe der Abwärtstrend-Zone (blauer Kreis).

Bis dahin ist es nur noch ein kleiner Schritt. Die Entwicklung gestern lässt mich daher nun erkennen, dass hier etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Noch kein Crash-Szenario – aber die Risiken haben sich erhöht!

Um es klar zu sagen: Das ist – noch – kein Indiz für einen Crash. Aber das Risiko einer Verschärfung der laufenden Korrektur ist nicht von der Hand zu weisen.

Genau diese Objektivität, zu erkennen und zu akzeptieren, dass sich Marktbedingungen ändern können, sollten Sie sich unbedingt bewahren (oder aneignen). Deshalb:

Bis zum Wochenende war ich ein klarer Verfechter des Aufwärtstrends am Aktienmarkt. Seit gestern bin ich zumindest nicht mehr ausschließlich optimistisch (der langfristige Aufwärtstrend ist bis dato nicht in Gefahr).

Eine gesunde Skepsis gegenüber der kurzfristigen Tendenz am Aktienmarkt ist nunmehr jedoch angebracht.


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.