VDAX: Der heimliche Frühindikator

Die jüngste Trendwende an den Aktienmärkten kam für uns alle überraschend.

Noch am Donnerstag, den 28. Juni, waren wir von einem Kursabsturz im DAX nur wenige Punkte entfernt.

Am Freitag, mit den Beschlüssen des EU-Gipfels, schossen dann die Kurse plötzlich in die Höhe.

Tatsächlich gab es aus meiner Sicht auch nur einen Indikator, der schon VOR dem Freitag eine Trendwende an den Aktienmärkten möglich erscheinen ließ: den Volatilitätsindex VDAX.

Bekanntlich ist die Volatilität Ausdruck für den Grad der Unsicherheit unter den Investoren. Je unsicherer sie über die weitere Entwicklung an den Aktienmärkten sind, desto eher neigen sie dazu, ihre Positionen zu verkaufen.

Eine höhere Verkaufsquote führt jedoch zu stärkeren Kursschwankungen – die Volatilität steigt.

Der VDAX dokumentiert die Volatilität für die 30 DAX-Aktien. Ich habe vor einigen Jahren nach eingehender Analyse die Werte, die der VDAX annehmen kann, in Zonen eingeteilt.

Diese Zonen helfen Ihnen dabei, zu bestimmen, ob das Anlage-Klima am Aktienmarkt gerade günstig oder eher risikoreich einzuschätzen ist. Meine Definition dieser Zonen können Sie hier nachlesen.

VDAX: Schon ab dem 18. Juni Hinweis auf möglichen Trendwechsel

Der nachfolgende Chart zeigt den VDAX im Zusammenspiel mit dem DAX.

VDAX und DAX: schon ab dem 18. Juni Hinweis auf möglichen Trendwechsel

Wie Sie im Chart erkennen können, hatte der VDAX im April den seit Oktober 2011 bestehenden Abwärtstrend (gestrichelte violette Linie) nach oben verlassen und anschließend einen Aufwärtstrend ausgebildet (grüne Linie).

Das war übrigens ein erstes Indiz für drohendes Ungemach am Aktienmarkt.

Der grüne Kreis zeigt, dass dieser Aufwärtstrend in der Woche nach dem 18. Juni nach unten verlassen wurde.

Am 21. Juni, also 8 Tage VOR der abrupten Kehrtwende im DAX, notierte der VDAX mit 22,79 erstmals seit vielen Wochen wieder hauchdünn in der Abwärtstrend-Zone.

Dieser Trendbruch im VDAX und das Verlassen der Crash-Zone waren meines Wissens so ziemlich die einzigen Indikatoren, die schon vorab ein mögliches Ende der Abwärtsbewegung signalisierten.

Der Chart des DAX gab übrigens erst am vergangenen Freitag ein solides Signal, als er erstmals die seit März anhaltende Serie tieferer Hochs unterbrechen konnte (gelber Kreis).

Die Serie tieferer Tiefs war ebenfalls schon etwas eher durchbrochen, reichte jedoch noch nicht als Signal. Ein neuer Aufwärtstrend wurde erst durch das höhere Hoch am Freitag definiert.

Neutrale Zone erreicht, aber…

Im Chart können Sie allerdings auch erkennen, dass der VDAX gestern in die neutrale Zone abgesunken ist – angesichts eines DAX-Anstieges von 429 Punkten in nur 3 Handelstagen nicht sonderlich verwunderlich.

Aber Sie sehen auch, dass sich der VDAX nun einer Unterstützung knapp unter 18,00 nähert. Und die führte in der jüngeren Vergangenheit regelmäßig zu Kursrückschlägen im DAX.

Fazit

Möglich, dass der DAX in den nächsten Tagen noch etwas weiter klettert, bevor es zu einem Kursrückschlag kommt – schließlich ist der VDAX ja auch noch nicht bei 18,00 angekommen.

In meiner DAX-Analyse am Montag hatte ich Ihnen bereits ein realistisches Kursziel von 6.650 Zählern genannt.

Sicher ist indes, dass die Luft für weitere Kurs-Avancen im DAX nun langsam dünner wird. „Wer schnell rennt, muss auch mal Pause machen“, pflege ich in solchen Börsenphasen zu sagen.

Ein VDAX von 18,00 muss nun nicht wieder zwingend das Ende der Aufwärtsbewegung im DAX einleiten.

Doch eine Konsolidierung nach dem jüngsten Anstieg ist aufgrund der Gesetze der Wahrscheinlichkeit nun eher zu erwarten als ein Durchmarsch des DAX in Richtung 7.000 Punkte.

4. Juli 2012

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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