Invest Messe Stuttgart, von 05. bis 06. April 2019

VDAX: Die Volatilität der Volatilität

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Solange die Verunsicherung durch die Ukraine-Krise nicht weicht, bleibt uns die Volatilität am Aktienmarkt erhalten. (Foto: imagentle / shutterstock.com)

Wie reagieren Sie, wenn Sie verunsichert über die weitere Entwicklung am Aktienmarkt sind?

Wenn Sie nicht gerade zur „Kaufen-und-liegenlassen-Fraktion“ unter den Investoren gehören, dann werden Sie vermutlich einen Einstieg noch ein wenig zurückstellen, um günstiger kaufen zu können.

Falls Sie indes schon investiert sind, werden Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit schneller mal auf den Verkaufsknopf drücken. Oder Sie ziehen Ihre Stops enger, um die Verluste gering zu halten

Auf jeden Fall, neigen die Investoren in ihrer Gesamtheit in unsicheren Börsenphasen, wie derzeit, zu häufigeren Verkäufen. Aktive Trader wechseln schneller ihre Positionierung.

Das ist auch logisch: Denn wenn Sie die weitere Entwicklung am Aktienmarkt optimistisch einschätzen würden, gäbe es ja wohl kaum einen Grund, die Gewinne nicht laufen zu lassen!

Die Konsequenz daraus ist: Verlieren wir Anleger das Vertrauen in die weitere Entwicklung des Aktienmarktes, dann schwellen die Verkäufe und Positionswechsel an. Das wiederum führt zu heftigeren Kursschwankungen, in der Charttechnik als Volatilität bezeichnet.

VDAX: Gradmesser für die Unsicherheit im DAX 30

Das Gute an der Schwankungsbreite ist: Sie lässt sich in Zahlen messen. Für die 30 Aktien des DAX leistet das der Volatilitätsindex VDAX.

Halten wir fest:

–       Ein steigender VDAX repräsentiert wachsende Verunsicherung unter den Marktteilnehmern.

–       Ein fallender VDAX zeigt wachsendes Vertrauen unter den Marktteilnehmern.

–       Ein hoher VDAX demonstriert große Verunsicherung unter den Marktteilnehmern.

–       Ein niedriger VDAX dokumentiert großes Vertrauen unter den Marktteilnehmern.

Daraus folgt: Ein unter geringen Schwankungen aufwärts tendierender VDAX ist Ausdruck wachsender Zuversicht unter den Investoren. Ein unter geringen Schwankungen abwärts tendierender VDAX ist Ausdruck sich ausbreitender Nervosität und Verunsicherung unter den Anleger.

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VDAX: Die Volatilität der Volatilität

Schauen wir unter diesen Konditionen nun einmal auf den VDAX.

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DAX 30 gegen VDAX: Die Volatilität der Volatilität

Die Entwicklung seit Mitte Januar habe ich für Sie einmal blau unterlegt. So werden Sie schnell erkennen:

Von geringen Schwankungen im VDAX kann derzeit keine Rede sein. Verunsicherung und Zuversicht der Marktteilnehmer durchleben vielmehr über weite Teile dieses Jahres ein regelrechtes „Wechselbad der Gefühle“.

Die Schwankungen im VDAX sind ungewöhnlich hoch. Ich bezeichne ein solches Marktverhalten gerne als „Volatilität der Volatilität“. Klar ist:

In einem derartigen Auf und Ab gedeiht eines am Markt ganz sicher nicht: Ein Trend. Das können Sie auch am Verlauf des DAX 30 ablesen (orangefarbene Kurskurve): Stetig ist in diesem Jahr nur das Auf und Ab.

3 Wege aus dem derzeitigen Dilemma

In Europa und speziell in Deutschland spiegelt dieser VDAX-Verlauf die Belastung erst durch die Krim-Krise und nun durch die Ukraine-Krise wider. Die täglichen „Wasserstandsmeldungen“ aus der Ukraine und die kontinuierlichen Statements der Politik führen eben zu einem Dauerwechsel zwischen Optimismus und Pessimismus.

Als Ausweg aus diesem Dilemma bieten sich meines Erachtens nur 3 Möglichkeiten:

  1. Eine wie auch immer geartete Beilegung der Ukraine-Krise verbunden mit einer Wiederaufnahme des Aufwärtstrends am Aktienmarkt. Derzeit wohl eher unwahrscheinlich.
  2. Eine Eskalation der Ukraine-Krise (die ich gewiss niemandem wünsche) verbunden mit einem (möglicherweise sogar Crash-artigen) Abwärtstrend.
  3. Die Marktteilnehmer „gewöhnen“ sich an die Krise, weil sie zeitnah keine Chance auf eine Beilegung oder Lösung erkennen und die möglichen Auswirkungen auf den Aktienmarkt als „eingepreist“ betrachten. Das wohl wahrscheinlichste Szenario.

Die letztgenannte Variante haben Sie übrigens in der jüngeren Vergangenheit schon im Zusammenhang mit den Krisen um Griechenland, Zypern oder dem Euro gesehen.

Die Preisfrage lautet im aktuellen Fall: Wann sind die Investoren der Ukraine-Krise überdrüssig?


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.