Invest Messe Stuttgart, von 05. bis 06. April 2019

VDAX: Es läuft fast ein wenig ZU gut

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Derzeit läuft es an den Aktienmärkten richtig gut. Zu gut? Der VDAX lässt zumindest auf die Möglichkeit einer kurzfristigen Korrektur schlie (Foto: Pavel Ignatov / shutterstock.com)

An den Aktienmärkten läuft es zurzeit richtig „rund“.

Der DAX steht kurz vor der Überwindung der psychologisch wichtigen 7.000er-Marke.

Dem MDAX fehlen zu einem neuen Allzeithoch nur noch 318 Punkte. Der MidCap-Index hatte im Juli 2007 mit 11.493 Zählern den bislang höchsten Stand seiner Geschichte erreicht.

Auf den wichtigen Widerstand bei 13.300 Punkten beim Dow Jones hatte ich in meinem gestrigen Beitrag noch einmal hingewiesen.

Aktuell fehlen hier noch gute 130 Zähler. Aber auch der Dow Jones ist von seinem Allzeithoch bei 14.198 nicht mehr allzu weit entfernt. Der amerikanische Leitindex markierte seinen Höchststand übrigens kurze Zeit nach dem MDAX, nämlich im Oktober 2007.

Auf die Besonderheiten beim wichtigen Technologie-Barometer Nasdaq Composite hatte ich hier in Chartanalyse-Trends ebenfalls mehrfach aufmerksam gemacht. Hier galt es, die enorm wichtige Widerstands-Zone zwischen 2.970 und 3.000 zu überwinden.

Und auch hier können wir inzwischen einen Erfolg verbuchen: Der Nasdaq Composite schloss gestern bei 3.015,86.

Also alles in Ordnung? Alles wunderbar?

Nun, es schaut in der Tat sehr gut aus. Möglicherweise liegt das auch daran, dass die europäische Politik zurzeit Urlaub macht. Dadurch kann die Politik den Börsen in diesen Wochen deutlich weniger Knüppel zwischen die Beine werfen.

Wenn es allerdings an den Aktienmärkten so gut läuft wie derzeit, dann werde ich immer etwas skeptisch. Dann ist es immer eine gute Idee, nach möglichen Störfeuern Ausschau zu halten.

Daher habe ich einmal einen Blick auf die Volatilität geworfen, genauer gesagt, auf den VDAX.

Volatilität: der Unsicherheitsgradmesser

Wie Sie wissen, ist die Volatilität oder auch Schwankungsbreite eines Marktes Hinweis auf den Verunsicherungsgrad der Marktteilnehmer.

Wenn die Investoren sich „sicher“ fühlen, so wie es derzeit ganz klar der Fall ist, dann strebt die Volatilität niedrigen Werten zu. Der Hintergrund dafür ist: Da sich die Anleger „sicher“ fühlen, gibt es für sie keinen Grund für hektische und schnelle Gewinnmitnahmen – vielmehr können sie angesammelte Gewinne laufen lassen.

Wir können also annehmen, dass die Schwankungsbreite derzeit eher niedrig ist. Und tatsächlich notiert der VDAX, der Volatilitätsindex für die 30 DAX-Werte, mit aktuell 18,81 in unmittelbarer Nähe seiner Jahrestiefs (17,73).

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VDAX in der Nähe seiner Jahrestiefs

In dem nachfolgenden Chart sehen Sie als schwarze Kurve eingezeichnet den VDAX und dazu als orangefarbene Kurve den DAX. Lassen Sie sich durch die vielen Linien nicht verwirren – wir werden alle besprechen.

VDAX: in der Nähe seiner Jahrestiefs

Beginnen wir zunächst einmal mit den DAX selbst. Die eingezeichneten dünnen blauen Balken belegen, dass der deutsche Leitindex seit Anfang Juni eine Serie höherer Tiefs und höherer Hochs ausgebildet hat. Das heißt: Der DAX befindet sich in einem völlig intakten Aufwärtstrend. Und solange diese Serie nicht unterbrochen wird oder gar umgekehrt wird, bleibt es auch dabei.

Beim VDAX sehen Sie, dass im Juni und Juli ein sehr steiler Abwärtstrend generiert wurde (gestrichelte violette Linie). Der gelbe Kreis macht sichtbar, dass das im Juli markierte Tief noch nicht unterboten werden konnte. Sollte dies in den kommenden Tagen geschehen, dann müsste die Abwärtstrend-Linie neu justiert werden.

Ich habe dies schon einmal vorweg genommen und einen neuen, weniger steilen Abwärtstrend als gestrichelte violette Linie eingezeichnet. Warum ist das wichtig? Ganz einfach: Weil dadurch der bisherige Abwärtstrend eine deutlich stabilere Basis erhalten würde.

Die Wahrscheinlichkeit für ein solches neues Tief im laufenden Abwärtstrend ist relativ hoch. Dies können Sie wiederum an den von mir mit einem violetten Rahmen gekennzeichneten Kästen erkennen. Wie Sie sehen, ähnelt der VDAX-Verlauf seit Anfang Juli auffällig dem Muster vom Februar und März dieses Jahres.

Letzter wichtiger Punkt: Knapp unter 18 hat sich im VDAX im bisherigen Jahresverlauf eine außerordentlich stabile Unterstützung ausgebildet (pinkfarbene Linie). Auf dieser Unterstützung läuft der Volatilitätsindex aktuell wieder zu.

Seit Jahresbeginn drehte der VDAX jedoch auf dieser Unterstützung viermal nach oben. Und jedes Mal folgte im Anschluss daran ein deutlicher Kursrücksetzer im DAX.

Kalkulieren Sie daher vorsichtshalber einmal ein, dass der DAX nach dem Erreichen der 7.000er-Marke, möglicherweise begleitet von einem VDAX von 18, erst einmal eine Verschnaufpause einlegt.

Ich möchte zum Abschluss noch einmal darauf hinweisen, dass ich zurzeit keineswegs einen Crash erwarte. Vielmehr möchte ich Sie dafür sensibilisieren, dass es an den Aktienmärkten eben nicht nur pausenlos in eine Richtung gehen kann.

Eine Korrektur wäre sogar außerordentlich gesund und würde den Boden für eine Fortsetzung der bisher zu sehenden Aufwärtsbewegung bereiten.


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.