Invest Messe Stuttgart, von 05. bis 06. April 2019

VDAX: Schöne Aussichten

DAX Anzeigetafel RED – Deutsche Börse AG

Der Volatilitätsindex VDAX hat in der vergangenen Woche eine bemerkenswerte Konstel-lation in der Charttechnik erreicht. (Foto: Deutsche Börse AG)

Die Volatilität, also die Schwankungsbreite eines Marktes, ist ein prima Indikator für die Stimmung der Marktteilnehmer.

Und dieser Indikator hat Ende letzter Woche eine aus Sicht der Charttechnik hoch interessante Konstellation erreicht, die für die kommenden Monate optimistisch stimmt.

Warum ist die Volatilität ein Stimmungsindikator?

Nun: Wenn Sie zuversichtlich sind, dass ein Markt, nehmen wir den DAX, in der Zukunft kräftig steigt, dann werden Sie sich als Investor entsprechend positionieren, um von der erwarteten Entwicklung zu profitieren.

Anschließend werden Sie dann in Ruhe Ihre Position halten, bis Sie Ihre Einschätzung ändern.

Bei einer solchen Sichtweise werden Sie Ihre Position also NICHT AKTIV handeln.

Anders schaut es aus, wenn Sie eine misstrauische Haltung gegenüber der künftigen DAX-Entwicklung einnehmen.

In diesem Falle werden Sie eher geneigt sein, Ihre Position glattzustellen, schneller mal einen kleinen Gewinn mitzunehmen oder Verluste zu begrenzen.

Bei dieser Sichtweise werden Sie Ihre Position AKTIV handeln.

Da andere Marktteilnehmer sich ähnlich verhalten, kommt es in Zeiten von Unsicherheit also zu verstärktem Handel und dies wiederum führt zu größeren Kursausschlägen. Diese Kursschwankungen werden für die 30 DAX-Aktien vom Volatilitätsindex VDAX gemessen.

Der VDAX gibt also mit seinen Notierungen Auskunft über den Grad der Unsicherheit der Anleger. Seine Trendrichtung wiederum hilft uns bei der Beurteilung, ob die Unsicherheit gerade zu- oder abnimmt.

Und weil das so ist, kann der VDAX auch mit Methoden der Charttechnik, insbesondere mit Trend-Linien sowie Unterstützung und Widerstand analyisiert werden. Und damit sind wir wieder beim Ausgangspunkt meines heutigen Beitrages.

Denn ich habe im VDAX-Chart eine – meiner Ansicht nach – sehr interessante Entwicklung entdeckt, die ich mit Ihnen teilen möchte.

Am Kreuz-Widerstand gedreht

Schauen wir dazu gemeinsam auf den nachfolgenden Tageschart des VDAX. Ich zeige Ihnen darin bewusst den Verlauf der vergangenen 2 Jahre.

Volatilitätsindex VDAX: Am Kreuz-Widerstand gedreht

DAX Anzeigetafel RED – Deutsche Börse AG

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Der blaue Pfeil kennzeichnet die Phase des Börsen-Crashs im Spätsommer des Jahres 2011.

Von Anfang Juli bis Anfang Oktober, also in kurzer Zeit, hatte sich damals der VDAX von etwa 15 auf gut 47 mehr als verdreifacht. Die Unsicherheit der Marktteilnehmer nahm also bis Oktober dramatisch zu.

Seither können wir eine allmähliche Entspannung dieser Unsicherheit konstatieren (durchgezogene violette Linie). In einer ersten Welle schöpften die Investoren bis März 2012 immer mehr Vertrauen (linke gestrichelte violette Linie).

Bis Juni 2012 folgte dann noch einmal eine „Vertrauenskrise“ (linke grüne Linie). Das hohe Niveau vom Herbst 2011 wurde indes nicht mehr erreicht.

Von Anfang Juni 2012 bis Ende Januar 2013 bauten die Anleger erneut Zuversicht auf (rechte gestrichelte violette Linie).

Diesmal fassten die Marktteilnehmer sogar Vertrauen bis zu einem Grad (knapp über 12), der seit dem Jahr 2007 nicht mehr erreicht worden war.

Seit Ende Januar, später dann auch unterstützt durch die Zypern-Krise, hat der Unsicherheitsgrad der Investoren wieder deutlich zugenommen (rechte grüne Linie).

Bemerkenswert ist nun jedoch, dass diese Unsicherheit Ende letzter Woche auf einem Niveau kulminierte (gelber Kreis), das schon zweimal zuvor als Endpunkt fungierte (blaue Kreise). Hier hat sich also ein Widerstand (pinkfarbene Linie) ausgebildet.

Doch damit nicht genug, hat der VDAX zugleich auch noch an der seit dem Herbst 2011 bestehenden Abwärtstrend-Linie „angedockt“. Wir haben es also mit einem sogenannten Kreuz-Widerstand zu tun.

Fazit

Die Tatsache, dass die Volatilität exakt an diesem Kreuz-Widerstand gestoppt hat, stimmt mich zuversichtlich, dass wir damit den vorläufigen Tiefpunkt bereits im DAX gesehen haben.

Hier kommt aus Sicht der Charttechnik als positives Argument hinzu, dass der deutsche Leitindex Ende letzter Woche gut 40 Punkte über der 200-Tagelinie wieder nach oben gedreht ist.

Gelingt nun in den kommenden Wochen auch noch der Bruch des seit Januar bestehenden Aufwärtstrends, dann dürfte die Unsicherheit der Marktteilnehmer vollends der Zuversicht weichen.

Und das sind doch schöne Aussichten!

 


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.