VDAX: Warten auf das nächste Kaufsignal

Häufig fragen mich Leser, worauf ich meine Börsenvoraussagen stütze. Nun, die Antwort auf diese Frage lautet wohl, dass es mehrere Komponenten sind: Eine kontinuierliche Beobachtung der Märkte und Indikatoren, das Wissen um Abläufe an den Börsen, eine gewisse Börsenerfahrung (3 Jahrzehnte sollten schon ein wenig Nutzen gebracht haben) und eine Portion Intuition.

Zusätzlich sind in meinen Augen auch Kontinuität und Geduld wichtig: Stetig „am Ball bleiben“ und auf den „richtigen Zeitpunkt“ warten (können), sind weitere Erfolgsgaranten.

Volatilitätsindex VDAX: Wichtiger Markt-Indikator

Dies vorausgeschickt, wird es Sie weniger verwundern, dass ich den Lesern meines Börsendienstes Momentum Trader bereits am 12. September 2010 folgende Zeilen schrieb:

„Eine Bestätigung für eine Beendigung dieser Seitwärtsbewegung könnte der DAX beispielsweise dadurch geben, dass er sich oberhalb der bisherigen Jahreshochs etabliert. Eine zusätzliche Bestätigung wäre es auch, wenn der Volatilitätsindex VDAX (er misst die Schwankungsintensität des DAX) sich unter dem Niveau von 20 stabilisiert oder, noch besser, sich unter die Marke von 15 zurückbildet.“

Zur Erinnerung: Zu diesem Zeitpunkt notierte der DAX bei 6.214 Zählern und der VDAX bei 19,36.

Die Volatilität, also die Marktschwankungen, sind bekanntlich Ausdruck der Unentschlossenheit der Anleger. Wenn Sie als Anleger Vertrauen in die weitere Börsenentwicklung haben, wächst Ihre Bereitschaft, Aktien für längere Zeit im Depot zu halten.

Die Aktien werden unter anderem auch deshalb länger gehalten, da sie nicht aufgrund der erhöhten Kursschwankungen ständig ausgestoppt werden.

Unsicherheit über die künftige Wirtschafts- und damit Börsenentwicklung führt daher zu Marktbewegungen, die von der Nachrichtenlage dominiert werden. Entsprechend neigen Investoren je nach Nachrichtenlage zu Gewinnmitnahmen oder Käufen, was sich wiederum in steigender bzw. hoher Volatilität niederschlägt.

Marktbewegungen in Zonen aufgeteilt.

Wenn Sie schon etwas länger Leser von Chartanalyse-Trends sind, dann wissen Sie, dass ich den VDAX in Zonen aufgeteilt habe, die recht gut die Marktbewegungen nachzeichnen. (Sie können dies übrigens auf unserer Internetseite unter dem Punkt „Chartanalysen“ und dem Stichwort VDAX nachlesen!)

Was Sie auf dem nachfolgenden Chart nachvollziehen können: Im Juni 2007 hatte der VDAX die (bei 15 endende) Aufwärtstrend-Zone verlassen (gelber Kreis) und seither nicht mehr erreicht.

Bekanntlich endete im Juli 2007 der vierjährige Aufwärtstrend des DAX. Eine Rückkehr des VDAX in die Aufwärtstrend-Zone muss daher als ein sehr starkes Kaufsignal gewertet werden.

Charttechnik VDAX: Auf dem Weg zu neuen Jahrestiefs

Wie Sie auf dem Chart ebenfalls erkennen können, hatte der VDAX im April 2010 den seit Oktober 2008 bestehenden Abwärtstrend (gestrichelte rote Linie) nach oben verlassen und eine eigene, extreme Volatilität entwickelt. Der DAX hat sich in dieser Zeit also mehrere Male in akuter Crash-Gefahr befunden.

Zwischen Juni und August hatte sich dann eine massive Unterstützung im Bereich 19,20 / 19,40 ausgebildet (gelbes Rechteck). Korrekterweise war es eher ein massiver Widerstand, da ja ein sinkender VDAX positiv für den Trend ist.

Daher lautete mein Fazit in der oben genannten Ausgabe des Momentum Trader: „Würde der VDAX dieses Niveau nach unten verlassen können, wäre dies also ein erstes positives Signal für den deutschen Aktienmarkt.“

VDAX und DAX: 1 und 1 zusammenzählen

Am letzten Freitag fiel der VDAX auf 18,06 und damit auf den niedrigsten Stand seit Ende April (grüner Kreis). Das war somit ein erstes Indiz dafür, dass eine Änderung der Trend-Richtung „in der Luft liegt“.

Bis gestern ist der VDAX weiter auf 17,19 gefallen (blauer Kreis) und ist damit nicht nur dem April-Tief von 16,23 sehr nahe gerückt, sondern auch der Aufwärtstrend-Zone. Daher empfehle ich, nun die weitere Entwicklung im Auge zu behalten: Ein VDAX unter 15 wäre als weiteres Kaufsignal zu werten!

Manchmal braucht man an den Börsen dann nur noch 1 und 1 zusammenzuzählen: Die VDAX-Entwicklung und die Etablierung des DAX oberhalb der bisherigen Jahreshochs waren für mich also – neben anderen Indikatoren – 2 wichtige Entscheidungsträger.

14. Oktober 2010

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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