Venezuelas Kampf gegen die Hyperinflation

Aus der Vergangenheit können wir viel lernen. Beispielsweise aus der Hyperinflation in der Ukraine 1991. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Venezuela leidet unter einer Hyperinflation. Die Auswirkungen sind katastrophal, wie wir Ihnen bereits aufgezeigt haben:

  • Die Wirtschaftskraft des Landes schrumpfte um 60 Prozent (in den letzten 6 Jahren).
  • Hamsterkäufe führten dazu, dass die Regale in den Supermärkten leer waren.
  • Es kam zu Rangeleien.
  • Die Inflation frisst das Geld der Bürger.
  • Viele Viertel in den Städten sind verwaist.
  • Kleinere Geschäfte bleiben geschlossen.
  • Der Staat reagiert mit neuen Preisen und Steuererhöhungen.
  • Massenentlassungen stehen an.
  • Immer mehr Venezolaner fliehen aus dem Land (bislang 2,5 Millionen).
  • Der IWF rechnet mit einer Inflationsrate von einer Million Prozent. Wirtschaftsberatungsgesellschaften mit doppelt so viel.

Neue Ideen müssen her

Die meisten Politik- und Wirtschaftsexperten sind sich einig, dass die venezolanische linke Regierung das Haushaltsdefizit nicht bekämpfen kann. Andere Ideen müssen her.

Dennoch glaubt Staatschef Maduro dem Spuk in zwei Jahren ein Ende bereiten zu können.

In diesem Zusammenhang erinnert man sich womöglich an zwei weitere Beispiele: In Simbabwe und in Nicaragua dauerte die Hyperinflation 20 bzw. 58 Monate.

Der Crash, der alles niederreiß

Manch einer hat Menschen in seinem Bekanntenkreis, die 1991 die Hyperinflation in der Ukraine hautnah miterlebten. Diese Zeitzeugen können aus erster Hand erzählen, welches Chaos dadurch ausgelöst wurde

Nachfolgend möchten wir Ihnen dieses wichtige Zeitzeugen-Dokument aufführen. Nur so lernen wir aus der Vergangenheit für die Gegenwart und die Zukunft.

Zeitzeugenbericht Hyperinflation Ukraine 1991 (1)

Die ehemalige Bankangestellte Irina S. hat die Auflösung der Sowjetunion und die Unabhängigkeit der Ukraine am 1. Dezember 1991 in ihrer Heimatstadt Odessa am Schwarzen Meer miterlebt.

Ebenso den wirtschaftlich-politischen Transformationsprozess des Landes von einer Sowjetrepublik hin zu einem unabhängigen und „demokratischen“ Staat. Mit der daraus resultierenden Inflation von 1991 und den darauf folgenden Jahren.

Es bleibt dabei: Der nächste Crash kommtIm Streitgespräch mit Rolf Morrien ging es auch in diesem Jahr wieder heiß her. Vor allem beim Thema Immobilien und Inflation oder Deflation hatten wir sehr verschiedene Ansichten. › mehr lesen

Hier ihre diesbezüglichen Erinnerungen:

Das Erbe des Zerfalls der UdSSR

Der Zerfall der Sowjetunion und die damit verbundene Unabhängigkeit verschiedener Länder zerstörten die Handelsbeziehungen zwischen den ehemaligen Sowjetrepubliken.

Nachdem die Wirtschaft der Ukraine bereits 1990 die erste größere Rezession der Nachkriegszeit erlebte, beschleunigte sich nach der Unabhängigkeit 1991 die wirtschaftliche Talfahrt.

Geldabhebungsbeschränkungen und eingefrorene Guthaben

Diese Talfahrt führte zu einer über Jahre anhaltenden Inflation der Übergangswährung Kupon, die nach und nach den Rubel ersetzte. Dabei wurden Abhebungen von Rubel von unseren Sparbüchern, Bankeinlagen, Renten und Löhnen beschränkt.

Unsere Guthaben blieben bis 2012 eingefroren. Dann haben sie uns jedoch nur 1000 Hrywnja – die jetzt gültige Währung – ausbezahlt.

Regierung erklärt bestimmte Geldscheine für ungültig

1991 und 1992 betrug die jährliche Inflationsrate rund 5.600 Prozent und stieg 1993 monatlich um 70 bis 90 Prozent an.

Im Januar desselben Jahres wurde in den Medien angekündigt, dass die sich noch im Umlauf befindlichen 50-Rubel-Scheine nicht mehr gültig seien.

Diejenigen, die solche noch besaßen, eilten zu den Banken und hofften, sie noch umtauschen zu können. Jedoch vergeblich.


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Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.