Veolia nimmt feindliche Übernahme des Rivalen Suez ins Visier

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Veolia will Rivalen Suez schlucken: Deal würde weltweiten Marktführer für Umweltdienstleistungen schaffen. Ob die Übernahme durchgeht, hängt nicht zuletzt vom französischen Staat ab (Foto: Sundry Photography / shutterstock.com)

Die Nachricht war ein Paukenschlag. Knapp acht Jahre nach der gescheiterten Fusion mit dem Rivalen Suez startet der französische Wasser- und Abfallkonzern Veolia nun eine milliardenschwere feindliche Übernahme. Die Dimension des Deals ist gigantisch: Immerhin würde ein Zusammenschluss der beiden Franzosen einen schlagkräftigen globalen Marktführer im Geschäft mit Müllent- und Wasserversorgung schaffen.

Die Reaktion der Anleger fiel deutlich aus. Während der Kurs des Bieters Veolia zum Handelsende mit -3% aus der Sitzung ging sprang der Suez-Kurs um 18% in die Höhe.

Wer hinter dem Objekt der Begierde steckt

Suez Environment ist ein französisches Traditionsunternehmen, dessen Ursprung bis ins Jahr 1880 zurückreicht. Der Konzern bezeichnet sich selbst als einen weltweit führend in den Bereichen der Wasserversorgung und der Müllentsorgung.

Im Wasserbereich betreibt das Unternehmen von der Förderung, über die Aufbereitung und Verteilung von Frischwasser, bis zur Sammlung und Klärung von Abwasser alle Stufen der Wasserversorgung. Im Bereich der Abfallentsorgung stehen sowohl die Sammlung als auch die Trennung und das Recycling auf dem Programm.

Die Geschäftstätigkeiten gliedern sich entsprechend in die Bereiche Water, Waste, Themes (Küstenschutz), Regulation und Virtual Visits (virtuelle Darstellungen von Industrie- und Recyclinganlagen). Bei einem Jahresumsatz von zuletzt 18 Milliarden Euro blieb unter dem Strich ein Nettogewinn von 352 Millionen Euro übrig.

Deal in mehreren Schritten

Zunächst will Veolia dem Versorger Engie seine 29,9%-ige Suez-Beteiligung für 2,9 Milliarden Euro abkaufen. Der Preis von 15,50 Euro je Aktie liegt 50% über dem Schlusskurs vom 30. Juli. Damals hatte Engie erklärt, seine Optionen für die Beteiligung prüfen zu wollen. Sollte die Offerte erfolgreich sein, will Veolia in einem zweiten Schritt ein öffentliches Übernahmeangebot für die restlichen Anteile von Suez machen. Der Preis dafür werde das nun für die Engie-Beteiligung gemachte Angebot berücksichtigen, erklärte Veolia.

Auf dem aktuellen Kursniveau liegt der Börsenwert bei etwas über 9 Milliarden Dollar. Zuzüglich der Suez-Schulden von zuletzt 10,75 Milliarden Euro kommt der Konzern auf einen Firmenwert von rund 20 Milliarden Euro.

Zusammenschluss schafft weltweiten Marktführer

Sollte die Übernahme durchgehen, würde ein neuer weltweiter Marktführer für Umweltdienstleistungen entstehen. Veolia kam im zurückliegenden Geschäftsjahr auf einen Umsatz von 27,18 Milliarden Euro – der Gewinn lag bei 625 Millionen Euro. Zusammen kämen beide Firmen also auf einen beachtlichen Jahresumsatz von über 45 Milliarden Euro. Damit könnte ein langes Kapitel zum positiven Abschluss kommen. Sie müssen wissen: Bereits vor gut 8 Jahren hatten beide Konzerne bereits über einen Zusammenschluss gesprochen. Der Deal war allerdings auf Grund wettbewerbsrechtlicher Bedenken damals fallen gelassen worden.

Übernahme kein Selbstläufer

Auch dieses Mal dürfte eine mögliche Fusion kein Selbstläufer werden. Immerhin ist der französische Staat selbst mit 23,6% an dem Energiekonzern Engie beteiligt. Das Management von Engie erklärte, das Angebot prüfen zu wollen.

Veolia hingegen rechtfertigt den Zukauf vor allem mit der notwendigen Größe nach dem Zusammenschluss, die für den Erfolg auf dem Weltmarkt entscheidend sei. Zudem sollen bereits ab dem ersten Jahr operative Synergien von etwa 500 Millionen Euro realisiert werden.


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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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