Vergleich DAX, MDAX, SDAX: Risikoänderung nach Plan

In meinem gestrigen Beitrag ging es darum, aufzuzeigen, dass die seit 4 Wochen zu beobachtende Korrektur oder Konsolidierung an den Aktienmärkten völlig normal, gänzlich im Rahmen und überdies sehr gesund ist.

Schließlich darf, was ordentlich steigt, auch einmal eine Zeitlang wieder nachgeben, solange nur ein Teil des vorausgegangenen Kursanstiegs wieder hergegeben wird.

Korrekturen von bis zu 50% des vorherigen Zuwachses sind dabei völlig im Rahmen.

Märkte, die noch weniger korrigieren, wie der von mir gestern präsentierte Nasdaq Composite, demonstrieren damit Relative Stärke gegenüber stärker nachgebenden Märkten.

Risikoneigung: Gradmesser für Gesundheit des Aufwärtstrends

Es gibt jedoch noch eine andere Sichtweise, um die Nachhaltigkeit eines bestehenden Aufwärtstrends zu analysieren.

Und die möchte ich Ihnen heute einmal aufzeigen.

Nachhaltige, also längerfristige Aufwärtstrends sind stets dadurch gekennzeichnet, dass in deren Verlauf die Risikoneigung der Marktteilnehmer zunimmt. Das hat seine Ursache in den marktbestimmenden menschlichen Emotionen Angst und Gier.

Angst und Gier bestimmen, wie Ebbe und Flut, die Zyklen an den Finanzmärkten – von ganz unten nach ganz oben und wieder nach ganz unten und so weiter.

Sicherlich erinnern Sie sich noch an den Crash vom letzten Herbst. Und vielleicht erinnern Sie sich auch noch daran, welche Gefühle Sie seinerzeit angesichts der mit Macht in den Keller rauschenden Kurse übermannt haben (natürlich nur, wenn Sie den Crash nicht erwartet hatten).

Mit hoher Wahrscheinlichkeit und je nach Typ hat sich dabei in Ihnen einige Angst um Ihr investiertes Kapital breit gemacht. Wenn Sie diese Gefühle mit denen vom Januar und Februar dieses Jahres vergleichen, dann dürften Sie in diesem Jahr Ihre Aktienpositionen wesentlich entspannter verfolgt haben.

Je mehr sich die Lage an den Märkten entspannt und je weiter die Kurse nach oben steuern, umso mehr weicht auch bei uns Menschen die Angst und macht zunehmend der Gier Platz.

Bis zum Ende wollen immer mehr Marktteilnehmer „dabei sein“ und kaufen, weil sie nicht noch mehr Gewinne verpassen möchten. Und nicht wenige Investoren gehen dabei auch noch gehebelt vor: Sie gehen immer größere Risiken ein, weil sie ja „sichere Gewinne“ voraussehen.

Halten wir also fest: In einem langfristigen Aufwärtstrend nimmt die Gier und damit die Risikoneigung tendenziell zu. In einem Abwärtstrend verhält es sich selbstverständlich exakt andersherum.

Diese wachsende Risikoneigung zeigt sich aber unter anderem auch darin, dass zu Beginn des Aufwärtstrends vorrangig die als relativ sicher geltenden großen Standardwerte, beispielsweise aus dem DAX, gekauft werden.

Schreitet der Zyklus fort, werden auch verstärkt wieder die Werte aus der zweiten Reihe (MidCaps = mittelgroße Unternehmen) und später auch aus der dritten Reihe (SmallCaps = kleine Unternehmen) gekauft.

Vergleich DAX, MDAX und SDAX

Der nachfolgende Chart illustriert dies geradezu perfekt. Er zeigt die 3 Indizes DAX, MDAX (MidCap-Index) und SDAX (SmallCap-Index) seit dem Beginn des Aufwärtszyklus im September.

Als Startpunkt habe ich den absoluten Tiefpunkt im DAX vom 12. September 2011 bei 5.072 Punkten (Schlusskursbasis) gewählt. Da alle 3 Indizes von diesem Tiefpunkt aus starten, sehen Sie auf diese Weise deren relative Entwicklung zueinander.

Der untere Chartteil zeigt – wie bereits gestern bei DAX und Nasdaq Composite – die sogenannten Spreads, zwischen DAX und MDAX (violett) sowie zwischen DAX und SDAX (orange) in Prozent. Sie werden berechnet, indem der DAX durch den jeweils anderen Index dividiert und das Ergebnis mit 100 multipliziert wird.

Vergleich DAX, MDAX und SDAX: Änderung der Risikoneigung

Sehr schön zu erkennen ist, wie im bisherigen Verlauf dieses Aufwärtstrends der DAX (schwarze Linie) vor den beiden anderen Indizes vorweg marschiert ist.

Bis Mitte Dezember (senkrechter blauer Balken) liefen MDAX und SDAX weitgehend synchron hinterher. Seither jedoch konnte sich der MDAX deutlicher vom SDAX absetzen und gleichzeitig den Abstand zum DAX verringern.

Eine Veränderung im Verhalten der 3 Indizes können Sie anhand der eingezeichneten Trendlinien ablesen: Während der DAX in der letzten Woche unter sein Zwischentief vom 6. März (senkrechter grüner Balken) rutschte, halten sich die beiden anderen Markt-Indizes über ihren Zwischentiefs vom selben Zeitpunkt.

Der Neigungsgrad der Trendlinien macht wiederum die aktuelle Rangfolge sichtbar.

Dieses Verhalten können Sie ebenso an den unten abgebildeten Spreads ablesen. Bis zum senkrechten blauen Balken verliefen die Spread-Kurven klar aufwärts – der DAX hatte sich besser entwickelt.

Anschließend gingen sie in einen Seitwärts-Verlauf über – alle 3 Markt-Segmente bewegten sich weitgehend parallel. Seit Mitte März fallen die Spread-Kurven: Der DAX entwickelt sich klar schlechter.

Fazit:

Der Vergleich der Entwicklung von DAX, MDAX und SDAX seit September zeigt eine eindeutige Zunahme in der Risikoneigung: Nebenwerte aus der zweiten und dritten Reihe sind seit einigen Wochen stärker gefragt.

Diese Tatsache unterstreicht, dass wir also keineswegs einen erneuten Crash oder eine größere Abwärtsbewegung erwarten sollten. Es findet derzeit schlicht und ergreifend ein Favoritenwechsel statt.

17. April 2012

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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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