Verhandlungen erfolgreich: Nokia übernimmt Alcatel-Lucent

Der Übernahme-Sensor hat Ihnen gestern geschrieben, dass der finnische Telekom-Ausrüster Nokia in fortgeschrittenen Fusionsverhandlungen mit dem französischen Konkurrenten Alcatel-Lucent befindet.

Heute Morgen folgte die Mitteilung, dass die Gespräche erfolgreich verliefen. Für 15,6 Mrd. Euro übernimmt Nokia den kleineren Rivalen Alcatel-Lucent. Den Aktionären wird empfohlen die Offerte anzunehmen.

Alcatel-Lucent-Aktie stark unter Druck

Nokia bietet je Alcatel-Lucent-Anteilsschein 0,55 neue Aktien. Der Preis beinhaltet eine Übernahme-Prämie von 28% auf den 3-Monats-Durchschnittskurs. Da ein Deal jedoch bereits großzügig eingepreist war, kommt das Alcatel-Papier heute massiv unter Druck.

In einem freundlichen Marktumfeld eröffnet die Aktie deutlich schwächer und baut dann bis zum Mittag die Verluste auf -12,5% aus. Offenbar haben einige Investoren mit deutlich mehr gerechnet. Fast der komplette Vortagesgewinn ist wieder verpufft.

Ihnen zeigt das, was der Übernahme-Sensor mehrmals geschrieben hat: Laufen Sie nicht blind irgendwelchen Gerüchten hinterher. Fragen Sie sich stets: Wie wahrscheinlich ist ein Deal und welches Potenzial ergibt sich daraus für mich? Welche Risiken bestehen? Und vor allem: Was habe ich in der Hand, wenn der Deal nicht stattfindet?

In diesem Fall war trotz eines sehr positiven Deals das Kurspotenzial ausgereizt.

Geteiltes Echo von Analysten

Wenn bei einer Fusion das eine Aktionärslager seufzt, dann herrscht häufig im anderen Lager gute Stimmung. So auch bei diesem Deal. Nokia-Aktien liegen zu Handelsbeginn deutlich im Plus, müssen aber nach vorsichtigeren Analysten-Kommentaren einen Teil der Gewinne wieder abgeben. Am Mittag beträgt das Plus etwa 1%.

Ein Analyst warnte, dass die schwierige Integration des 15 Mrd. Euro-Konzerns sehr lange dauern könnte, sodass für Nokia-Aktionäre erst einmal die Luft raus ist. Der Übernahme-Sensor ist da weitaus optimistischer und sieht aus zwei schwächeren Unternehmen einen starken Konzern hervorgehen.

Nokia-Chef übernimmt Führung des fusionierten Unternehmens

Nach dem Zusammenschluss entsteht gemessen am Umsatz ein Konzern, der auf Augenhöhe mit den Konkurrenten Ericcson und Huawei liegt. Über Größe lässt sich die Effizienz eines Unternehmens häufig steigern. Nokia beziffert das Synergie-Potenzial ab 2019 mit jährlich 900 Mio. Euro.

Die Leitung des gemeinsamen Konzerns wird Nokia-Chef Rajeev Suri übernehmen und die Zentrale wird ebenfalls in Finnland sein. Verläuft alles nach Plan, soll die Übernahme im Frühjahr 2016 abgeschlossen werden.

Synergie-Potenzial könnte über 900 Mio. Euro liegen

Der Übernahme-Sensor geht davon aus, dass der Zeitplan bis zur Realisierung der maximalen Synergien und die Höhe der Synergien vorsichtig kalkuliert wurden.

Es wurden keine nähere Detail-Angaben gemacht, wie die Synergien sich zusammensetzen, doch alles andere als eine leicht zu erreichende Untergrenze wäre aus Manager-Sicht fatal. Wieso sollte sich das Management jetzt selbst Druck machen?

Klar ist, dass der Zusammenschluss mit den Franzosen in Frankreich eine gewisse Brisanz hat und daher nicht wie etwa bei nationalen Zusammenschlüssen fusioniert werden kann. Alcatel-Lucent beschäftigt allerdings weniger als 6.000 Arbeiter in Frankreich und 46.000 außerhalb des Landes.

Da sind etliche andere Stellschrauben die abgearbeitet werden können. Es ist ja auch nicht so, dass kurz nach einer Fusion die Hälfte der Belegschaft entlassen wird. Es geht darum im weltweiten Wettbewerb die Position nachhaltig zu verbessern. Dieser Deal bringt das mit.

Die Wichtigkeit des Standort Frankreichs und damit verbundene Integrationshemmnisse sollten nicht überbewertet werden. Sie sind vorhanden – machen diesen guten Deal aber keineswegs schlecht. Der Übernahme-Sensor meint: Ein guter Tag für Nokia und Alcatel-Lucent.

15. April 2015

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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