Verkehrte Welt bei ElringKlinger: Aktie nach guten Zahlen im Minus

Der im MDax notierte Automobilzulieferer ElringKlinger präsentierte heute Morgen das vorläufige Ergebnis für das Geschäftsjahr 2014. Die wichtigste Erkenntnis: ElringKlinger ist im vergangenen Jahr stärker gewachsen als die weltweite Fahrzeugproduktion.

Dennoch rutschte die ElringKlinger-Aktie in der Folge an das MDax-Ende. Warum die Aktie nach den guten Zahlen unter Druck geriet und wie die Zahlen im Detail ausfielen, erfahren Sie jetzt.

Das vorläufige 2014er-Ergebnis

Der Umsatz von ElringKlinger stieg im vergangenen Jahr nach vorläufigen Zahlen um 15,3% auf 1,33 Mrd. Euro. Zum Gesamtumsatz trug die Kontrollübernahme und entsprechende Vollkonsolidierung des japanischen Joint Ventures (Gemeinschaftsunternehmen) ElringKlinger Marusan mit 23,1 Mio. Euro bei.

Zur Erläuterung: Unter einer Vollkonsolidierung ist die vollständige bilanzielle Berücksichtigung zu verstehen. Organisch, also bereinigt um Währungs- und Konsolidierungseffekte, lag der Umsatzzuwachs im vergangenen Jahr bei 11,2%.

Der Auftragseingang stieg 2014 um 10,5% auf 1,42 Mrd. Euro. Der Auftragsbestand stieg sogar um fast 16% auf 688,2 Mio. Euro. Damit sind die Auftragsbücher bei ElringKlinger voll und der Grundstein für weiteres Wachstum ist gelegt.

Der um Kaufpreisallokationen bereinigte operative Gewinn (EBIT) stieg im vergangenen Jahr um 8,3% auf 162,3 Mio. Euro. Nach Steuern verdiente ElringKlinger mit 153,1 Mio. Euro 16,6% mehr als im Jahr zuvor.

Weil Übernahmen nach Ansicht von ElringKlinger immer wichtiger werden, will das Unternehmen den operativen Gewinn künftig immer vor Effekten aus der Kaufpreisallokation angeben.

Zur Erklärung: Die Kaufpreisallokation dient dazu, den Kaufpreis auf die einzelnen übernommenen Vermögenswerte und Schulden zu „verteilen“.

Dabei werden Unterschiede zwischen dem Kaufpreis und dem Buchwert des übernommenen Unternehmens ausgeglichen. Der Kaufpreis liegt in der Regel über dem Buchwert (also dem bilanziellen Wert), da der Kaufpreis die zukünftige Entwicklung berücksichtigt.

Das einzige „Sorgenkind“ im Hause ElringKlinger ist der Bereich E-Mobility (also Elekro-Mobilität). Dieser verbuchte im Jahr 2014 einen operativen Verlust. Zudem wird hier seitens des Unternehmens aufgrund der aktuellen Nachfragesituation im laufenden Jahr keine grundlegende Verbesserung erwartet.

Positiver Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr

Im Jahr 2015 soll das bereinigte EBIT zwischen 170 und 180 Mio. Euro liegen. Das würde einer Steigerung um ca. 5 bis 11% gegenüber dem Vorjahreswert entsprechen.

Im vergangenen Jahr profitierte ElringKlinger von dem starken strukturellen Wachstum bei vielen Produktgruppen, die zur CO2-Reduzierung beitragen. Da es sich dabei um einen anhaltenden Trend handelt und ElringKlinger von dieser Seite weiterhin Rückenwind erwartet, sollen Umsatz und Ertrag auch im Jahr 2015 deutlich steigen.

Beim Umsatz erwartet das Unternehmen ein Wachstum von 5 bis 7% und will damit erneut stärker und schneller wachsen als der Markt. Nach Schätzungen von ElringKlinger dürfte die globale Automobilproduktion im laufenden Jahr um rund 2% anziehen.

Heutige Kursreaktion: Eher Kauf- als Warnsignal

Ich erwarte, dass sowohl die globale Automobilproduktion als auch die Umsätze und Gewinne von ElringKlinger etwas stärker wachsen als von dem Automobilzulieferer kommuniziert. Mit anderen Worten: Ich halte die Prognosen von ElringKlinger für einen Tick zu konservativ.

Daher löste die heutige Kursreaktion, die die ElringKlinger-Aktie zeigte, bei mir auch eher ein Kauf- als ein Warnsignal aus. Denn: ElringKlinger wächst nach wie vor stärker als der Markt und ist unter anderem dank des großen Auftragsbestandes bestens gerüstet für die nahe Zukunft.

Zwar ist ElringKlinger mit einem 2015er-KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) von 15 höher bewertet als der Branchendurchschnitt, doch dafür wächst das Unternehmen – wie bereits erwähnt – auch stärker als die Branche.

2. März 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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