Verluste für „konservative Anleger“ – niedrige Zinsen und Renditefalle

In den nächsten Jahren werden die Preise an vielen Märkten weiter steigen.

Die Inflation kommt, so die Botschaft aus vielen Studien. Auch wir haben in unseren Redaktionen verschiedene Szenarien durchgespielt.

Auf die Politik der Zentralbanken gibt es im wesentlichen nur eine Antwort: die Inflation wird kommen. Dabei bleiben vor allem „konservative“ Investoren auf der Strecke, zeigt sich in vielen Studien.

Denn: „konservativ“ heißt sicherheitsorientiert und damit vor allem niedrig verzinst. Wir meinen: Die notwendige Folge ist nicht, dass Sie „Inflationsschutz“-Produkte bräuchten. Auf der anderen Seite müssen Sie keine hohen Risiken eingehen.

Niedrige Zinsen meiden

„Konservative Investoren“ würden zu geringe Zinsen erzielen, hieß es dazu in einem Beitrag der „Welt“ vor kurzem. Das heißt: wer vorsichtig ist, wählt etwa Zinskonten mit 1% bis 2% Zinsen. Oder: Deutsche Staatsanleihen, die ebenfalls in dieser Größenordnung rentieren.

Klar ist: diese Anlage helfen nicht, wenn es um den Kampf gegen die Inflation geht. Denn die offizielle Inflationsrate wird in den nächsten Jahren mindestens bei 2,5% bis 3% liegen. Damit sinkt die Kaufkraft in wenigen Jahren bereits dramatisch.

Nur: die im Artikel selbst vorgeschlagenen Gegenmaßnahmen helfen ebenso wenig. So geht es nach diesem Vermögensscheck darum, „Inflationsabsicherung mit Staatsanleihen und Rentenfonds“ zu betreiben.

Die Redaktion nennt etwa eine „Bundesobligation“ mit der Laufzeit von etwa vier Jahren. Die jährliche Rendite liegt bei etwa 4% bis 5%. Nur: Diese Obligationen haben in der Vergangenheit höhere Renditen gebracht, da Anleihen noch funktionierten.

Dies wird in den nächsten Jahren anders aussehen. Die Griechenland-Enteignung vieler Gläubiger treibt auch Anleihe-Kurse nach unten. Wer zu früh gekauft hat, wird daher mit stark sinkenden Renditen leben müssen.

Inflationsgeschützte Anleihen: nein

Dagegen hält die Redaktion dann auch inflationsgeschützte Anleihen. Deren Vorteil besteht darin, dass die Zinsen angehoben werden, sofern der Marktzins steigt. Darauf gibt es sogar ganze Fonds, die das Investment noch weiter stabilisieren sollen.

Diese Fonds haben in den vergangenen Jahren ebenfalls 5%, 6% oder sogar mehr Rendite gebracht. Nur: auch inflationsindexierte Anleihen, um die es hier geht, lehnen wir insgesamt ab.

Denn:

  • Der Aufschlag auf die Inflation beträgt in der Regel 1% bis 2%. Damit scheint die Inflation ausgeglichen.
  • Wer allerdings auch die steuerliche Seite berechnet, kommt schnell zu einem anderen Ergebnis: nach Steuern in Höhe von etwa 35% würden auch Anleihen, die 4% (1%-Punkt mehr als die Inflation) bringen, insgesamt negativ rentieren. Denn: nach Steuern blieben 2,5% bis 2,6% übrigen – zu wenig für die Inflation.
  • Vor allem aber binden solche Anleihen Sie als Investor an das Papier, denn: die inflationsbekämpfende Wirkung zeigt sich meist nicht im Kurs direkt, sondern erst über die Verzinsung. Steigt die Inflation stark an, müssen Sie für die Kaufkraft daher bis zur Zinszahlung warten.
  • Dasselbe Phänomen zeigt sich verzerrt auch im Fonds. Der Inflationsschutz ist für Sie nur dann gegeben, wenn der Fondskurs sich schnell anpasst. Ob dies in einer Phase mit höheren Inflationsraten schnell genug gelingt, bleibt fraglich. Zudem greift auch hier die Steuereinschränkung.

Für den Inflationsschutz eignen sich Aktien weiterhin am besten. Die Kurse ziehen mit Preissteigerungen in der Regel an.

Auch die Dividendenausschüttungen würden bei steigenden Preisen mit hoher Sicherheit anziehen, denn: Unternehmen mit Preissetzungsmacht können dann die Gewinnspannen erweitern und so auch höhere Gewinne erzielen. Entsprechend würden die Ausschüttungen steigen.

Geeignet sind daher Unternehmen mit Preissetzungsmacht: ein Beispiel ist die Schweizer Nestlé, auf vielen Gebieten Marktführer. Die aktuell erwartbare Dividendenrendite liegt bei gut 4%.

Dafür muss der Konzern ungefähr 50% des Unternehmensgewinns aufwenden – ein Idealmaß für die konservative Geschäftsführung. Daher:

Konservative Investoren fahren am besten mit konservativen Aktien. Anleihen in (fast) jeder Form sind hingegen eine klassische Renditefalle bei anziehender Inflation.

14. März 2012

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Jan Aalto
Von: Jan Aalto. Über den Autor

Jan Aalto ist der Experte für Wirtschaft und Geldanlage.

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