Verlust-Serie und Trend-Bruch im S&P 500: Droht jetzt ein Crash?

Vom 24. Oktober (2.151,33) bis gestern (2.097,94) hat der S&P 500 zum 7. Mal in Folge niedriger geschlossen. Das entspricht einem Minus von insgesamt -2,48%.

Ist eine 7-tägige Verlust-Serie eine Anomalität oder ein häufiger gesehenes Ereignis – und das Minus ein üblicher Wert?

Ich habe mir einmal die Mühe gemacht und recherchiert, wann es zuletzt derart ausgedehnte Rückschläge gegeben hat.

Tatsächlich musste ich 8 Jahre zurückgehen, um 2 ähnlich geartete Durststrecken zu finden. Im nachfolgenden Chart sehen Sie Erstaunliches:

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S&P 500: 7-Tage-Verlustserie 3x in 8 Jahren

Ausgesprochen milde Verlust-Serie

In der Grafik habe ich Ihnen die Jahrgänge 2016, 2011 und 2008 einmal untereinander zum Vergleich abgebildet.

Wie Sie unschwer erkennen können, ist der Rückgang der jüngsten Verlust-Serie vergleichsweise moderat:

  • 2011 gab der S&P 500 in einer gleichartigen Abwärts-Spirale -7,9% nach. Damals sorgten sich die Anleger um die Konjunktur-Entwicklung in der Euro-Zone und die hoch Staatsverschuldung in den USA.
  • 2008 brach der S&P 500 in einer Serie von 8 Verlusttagen in Folge sogar um satte -22,8% ein. Es war eine der letzten Zuckungen einer Baisse, die durch die Finanzkrise ausgelöst worden war.

Doch die jüngste Verlustserie tanzt auch noch in anderer Hinsicht „aus der Reihe“:

  • Die Tages-Verluste lagen an allen 7 Handels-Tagen unter -1%.
  • An jedem dieser 7 Handels-Tage notierte der S&P 500 zwischenzeitlich über dem Vortages-Schluss, also in positivem Territorium.

Die jüngste Verlust-Serie fällt vergleichsweise milde aus. Mein Eindruck ist:

Sie sehen derzeit eine Mischung aus Angst vor

  • einem US-Präsidenten Donald Trump
  • sowie rigorosen Ausverkäufen in Aktien, deren Gesellschaften bei den Zahlen für das 3. Quartal aus irgendwelchen Gründen nicht die Analysten-Erwartungen erfüllen konnten.

Die Besonderheiten von Aufwärts-Trends

Doch ich habe noch eine weitere hoch interessante Grafik für Sie:

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S&P 500: Aufwärtstrend seit 2009 ist NICHT in Gefahr!

Dieser Chart geht auf die Besonderheiten von Aufwärts-Trends ein. Dazu müssen wir vorab einmal kurz besprechen, wie ein charttechnischer Aufwärts-Trend überhaupt definiert ist:

Für einen Aufwärts-Trend werden das tiefste Tief und das letzte signifikante Tief miteinander verbunden, das dem höchsten Hoch vorausgeht.

Nun bekommen die zahlreichen Trend-Linien in der Grafik sicherlich einen Sinn für Sie:

Gebrochene Aufwärts-Trends werden häufig neu justiert

Die eingezeichneten Trend-Linien wurden jeweils irgendwann einmal nach unten durchstoßen – der Aufwärts-Trend damit eigentlich beendet.

Doch meist handelte es sich nur um temporäre Rücksetzer:

Die pinkfarbenen Linien zeigen, wann nach einen Trend-Bruch ein neues Hoch markiert und daraufhin der Aufwärts-Trend jeweils neu justiert wurde.

Besonders beeindruckend ist wohl der Trend-Bruch ab August 2015 (gelber Kreis): Es dauerte bis Juli 2016, bevor ein neues Hoch erreicht und die derzeit gültige Trend-Linie justiert werden konnte.

Das bedeutet: Nicht jeder gebrochene Aufwärts-Trend ist eine „Flucht aus Aktien“ wert. Das gilt insbesondere für den Mitte Oktober verlassenen Aufwärts-Trend (blauer Kreis):

Denn hierbei handelt es sich um einen zeitlich untergeordneten mittelfristigen Trend: Der seit 2009 gültige Aufwärts-Trend ist derzeit nicht in Gefahr – trotz der 7-Tage-Verlust-Serie.

Auch wenn v. a. die Stimmung unter den Investoren derzeit mies ist: Gerade das ist positiv für die weitere Tendenz. Von einem Crash ist bis dato jedenfalls nichts zu sehen.

3. November 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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