Geldanlage: Vermeiden Sie diese 3 typischen Fehler

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„So sind Sie besser als der Markt“, zeigt unser Optionen-Profi Rainer Heißmann. (Foto: SergeyP / Shutterstock.com)

Wenn Sie gegen den Markt handeln, handeln Sie als sogenannter Contrarier. Dabei müssen Sie 3 Fehler vermeiden. Dazu gleich mehr. Vorab kurz die Erläuterung, wie ein Contrarier vorgeht.

Besser als der Markt

Sie können nur besser als der Markt sein, wenn Sie gegen den Markt handeln. Das lässt sich anhand des DAX ganz einfach begründen:

Der DAX stellt die Mehrheitsmeinung der Anleger dar. Wenn Sie den DAX 1zu1 abbilden, haben Sie dieselbe Performance wie der DAX. Damit sind Sie nicht schlechter, aber auch nicht besser als der DAX. Um besser als der DAX oder ein anderer Vergleichsindex zu sein, müssen Sie sich gegen die mehrheitliche Marktmeinung stellen. Wenn Sie so vorgehen, sind Sie ein Contrarier.

Ich nutze die Anlegerstimmung für meine Trades

Für meine Trades analysiere ich die mehrheitliche Erwartungshaltung der Anleger. Ich untersuche Aktiengesellschaften mit niedriger Erwartungshaltung der Anleger, um gewinnbringende Chancen für Calls zu finden. Damit stelle ich mich bei einzelnen Trades oft gegen die Mehrheitsmeinung. Dazu gleich mehr.

3 typische Fehler vermeiden

Wichtig ist, dass Sie als Contrarier diese 3 Fehler vermeiden. Dieses Vorgehen wird auch oft als „konträres Investieren“ bezeichnet, ist aber falsch.

  1. Festhalten an Positionen

Sie investieren. Der Kurs läuft gegen Ihre Erwartung. Halten Sie nicht an Ihren Positionen fest, wenn der Markt Ihnen zeigt, dass Ihre Entscheidung falsch war. Das ist keine Erfolg versprechende konträre Anlageentscheidung, sondern das führt meist zu Verlusten.

  1. Falscher Value-Ansatz

Oft wird der Value-Ansatz so, aber falsch eingesetzt: Sie kaufen Aktien, nachdem es hohe Kursverluste gegeben hat. Die sind dann so schön billig. Entscheidend ist aber, nicht niedrige Kurse zum Kauf zu nutzen, sondern eine niedrige Erwartungshaltung der Anleger.

  1. Immer gegen den Trend stellen

Viele Trader suchen ständig einen Trendwechsel. Es gibt ihn aber nur gelegentlich. Meist ist der Trend stark und läuft weiter in die eingeschlagene Richtung. Es ist falsch, beim „Traden gegen den Trend“ automatisch die Gegenposition in fast jeder Marktlage zu traden.

Klassiker für erfolgreiches Investieren

Wer die obigen 3 Fehler macht, handelt nicht nach den Grundsätzen des 1977 verstorbenen Humphrey B. Neill. Neill analysierte die Geschehnisse an der Börse und schrieb das Buch „The Art of Contrary Thinking“. Das Buch bewerte ich als Klassiker für erfolgreiches Investieren gegen die Mehrheitsmeinung.

Viele Investoren nennen ihren Anlagestil konträr, weil sie nach den Merksätzen „Kauf bei schlechten Nachrichten“ und „Verkauf bei guten Nachrichten“ handeln.

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Oder sie handeln nach dem Kostolany-Zitat: „Kaufen, wenn die Kanonen donnern.“ Sie kaufen nur, weil alles dagegen spricht. Diese Investoren machen es sich zu einfach und verlieren oft viel Geld.

Das Buch von Neill brachte den Durchbruch der psychologisch-technischen Analyse. Bis dahin hatte man sich hauptsächlich auf fundamentale Marktdaten gestützt. Mit diesem Buch kamen die ersten Ansätze, Verhaltensweisen von Marktteilnehmern zu beobachten und diese mit Kursverläufen zu verknüpfen.

Erfolgreich gegen die Mehrheitsmeinung investieren

Gedankenlos einem Trend zu folgen, ist verlustbringend. Investoren, die gedankenlos einem Trend folgen, verlieren viel Geld, wenn sich der Trend umkehrt. Denn an dieser Stelle sind sie meist voll investiert.

Genauso verlustbringend ist es, sich gedankenlos gegen einen Trend zu stellen. Trader, die gedankenlos gegen einen Trend investieren, stellen sich gegen einen „heranrasenden Zug“ und werden von diesem überrollt.

Neill schrieb:

„Die Menge liegt richtig mitten im Trend, aber verliert an beiden Enden.“

Investoren, die sich im Sinne von Neill gegen die Mehrheitsmeinung stellen, verbinden Mehrheitsmeinung der Investoren mit Charttechnik und fundamentalen Recherchen zu einer ganzheitlichen Analyse.

So mache ich das seit vielen Jahren. Meine Analysemethode des konträren Ansatzes berücksichtigt, dass die Mehrheit oft richtig handelt.

Nur wenn meine Analyse zwischen Anlegerstimmung, Charttechnik und fundamentalen Fakten einen Widerspruch aufzeigt, führt es zu gewinnbringenden Trades nach dem konträren Ansatz.

Zum guten Schluss: Heute vor 143 Jahren, also am 06. Juni 1875, kam Thomas Mann, der deutsche Schriftsteller und Nobelpreisträger für Literatur, zur Welt. Er schrieb:

„Sei am Tage mit Lust bei den Geschäften, aber mache nur solche, daß du des Nachts ruhig schlafen kannst.“

Das Zitat ist wie gemacht für uns Börsianer. Denn wenn Sie nachts nicht mehr ruhig schlafen können, sind Sie zu hoch investiert. Ich wünsche Ihnen erfolgreiche Börsengeschäfte und nachts einen ruhigen Schlaf.

© Rainer Heißmann – Weiterverbreitung nur mit Link auf den Originaltext gestattet


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Rainer Heißmann
Von: Rainer Heißmann. Über den Autor

Rainer Heißmann ist Autor für Wirtschafts- und Börsenfachpublikationen. Mit Heißmanns Börsenkommentar bringt er wochentäglich die Börse auf den Punkt. Seine Stärke: Komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie jedem verständlich und nachvollziehbar werden.