Vermietung mit Küche – ja oder nein?

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Manche schwören auf diese Art der Zusatzausstattung, andere sind sich sicher, dass sich eine Küche für den Vermieter nicht rechnen kann. Wer aber hat Recht? (Foto: Jinning Li)

Mit neuen Küchen verhält es sich in der Regel wie mit neuen Autos. Kaum angeschafft und einmal benutzt, schon sinkt der Wert rapide. Und doch kann eine Küche eine Wohnung attraktiver machen und mehr Miete generieren. Auf der anderen Seite stehen aber drei- bis fünfstellige Anschaffungskosten.

Mehr Miete

Nehmen wir einmal an, Sie bekommen 40,- Euro mehr Kaltmiete im Monat, wenn Sie eine Wohnung mit Küche vermieten. Dann sind dies 480,- Euro mehr Kaltmiete auf das Jahr gesehen. Sollten Sie eine günstige Küche für 1.000 Euro bekommen können, so hätte sie sich nach knapp zwei Jahren rein von den Kosten her amortisiert. In aller Regel bekommen Sie aber für dieses Geld nur neue kleine Pantry-Küchen. Und diese rechtfertigen aber wiederum kaum einen Aufschlag von 40 Euro.

Eine „echte“ Küche mit Herd, Backofen, Kühlschrank und zumindest Ceran-Feld werden Sie auch mit den besten Rabatten kaum unter 3.000 Euro bekommen. Wohingegen nach oben vom Preis keine Grenzen gesetzt sind. Eine Bulthaup-Küche wird sich nie – im wahrsten Sinne des Wortes – für den Vermieter rentieren.

Überdies haben Sie als Vermieter auch für die Funktionsfähigkeit zu sorgen. Wenn also der Backofen streikt und der Kühlschrank kaputt geht, dürfen in der Regel wieder Sie bezahlen. Und Mieter passen auf fremde Küchen oftmals nicht so gut auf wie sie es bei einer eigenen tun würden. Das zeigen Erfahrungswerte deutlich.

Mehr Mietinteressenten

An Standorten wie München, Frankfurt oder Hamburg, wo auf wirklich jede Wohnung unzählige Anfragen kommen, brauchen Sie nicht auch noch die Interessenten bedienen, die rein nach Wohnungen mit Küche suchen. Ob Sie 140 oder 150 Anfragen auf Ihre Wohnung bekommen, spielt in der Praxis keine Rolle.

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Anders sieht es an Standorten aus, wo sich generell nur eine Handvoll Interessenten bei Ihnen meldet und Sie um gute Mieter kämpfen müssen. Eine Küche kann der entscheidende Vorteil sein, warum sich eine gute Mietpartei für Ihre Immobilie entscheidet.

Höhere Abschreibung

Den Gebäudeanteil einer Immobilie können Sie jährlich zu 2 % über 50 Jahre steuerlich geltend machen (bei Altbauten vor dem 01.01.1925 sogar jährlich 2,5% über 40 Jahre).

Bei einer neuen Küche gestaltet sich die Abschreibung deutlich attraktiver. Diese können Sie in der Regel jährlich zu 10 % auf insgesamt 10 Jahre steuerlich geltend machen. Eine gebrauchte Küche sogar dementsprechend kürzer.

Mein Fazit:

Eine neue Küche rentiert sich nur in Ausnahmefällen. Zu hoch die Kosten und der Wertverlust. Auch die geringfügig höhere Miete und die steuerliche Absetzbarkeit machen diesen Nachteil nicht wieder wett.

Einen guten Mittelweg zwischen höherer Miete und größerer Attraktivität auf der einen und erträglicheren Kosten auf der anderen Seite stellen gebrauchte Küchen dar. Vielleicht können Sie vom Voreigentümer oder vom ausziehenden Mieter diese günstig ablösen. Dann wiederum kann sich Ihre Küche auch rechnen.


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Von: Christian Marchner. Über den Autor

Christian Marchners Start in den Immobilienmarkt liegt nun fast 10 Jahre zurück. Heute konzentriert er sich vor allem auf Wachstumsmärkte. Dort setzt er vor allem auf eine langfristig positive Entwicklung in Bezug auf Miet- und Kaufpreise.

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