Vermindert Risikostreuung auch Ihre Investment-Risiko?

So viele Möglichkeiten, so viele Chancen, um Geld zu verdienen: Der Aktienmarkt ist ein wahrer Fundus, nicht wahr? (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Als Chefredakteur der Wachstumsaktien-Strategie erhalte ich selbstverständlich regelmäßig Anfragen meiner Leser zu allen möglichen Themen rund um die Börse.

In einer dieser eMails fand ich heute folgende Aussage, die ich hier einmal etwas näher beleuchten möchte:

Ist Risikostreuung das Nonplusultra?

„Durch die vielen interessanten Empfehlungen aus Ihrem und den anderen Börsenbriefen würde ich jetzt am liebsten dauernd neue Anlagen kaufen und frage mich, warum man sich in allen Börsenbriefen immer auf nur sehr wenige Titel konzentriert?

Eigentlich geht es doch immer auch um Risikostreuung. Gleichzeitig lässt man ja auch viele Chancen liegen, wenn man sich nur auf wenige Titel konzentriert?“

Vielleicht kennen Sie das ja auch!?

Ich kenne dieses euphorisierende Gefühl und diese Fragen nur zu gut – aus den eigenen Anfangsjahren als Investor:

Ein Gewinn mit dem ersten Aktienkauf löste nicht nur Glücksgefühle aus, sondern auch die Einstellung: „Ich habe gerade mit ganz geringem Aufwand viel Geld verdient, für das ich sonst mehrere Tage arbeiten müsste. Mit Aktien werde ich viel schneller reich!“

Diese Euphorie sorgte dafür, dass ich jede nur erreichbare Information zum Thema Börse verschlungen habe. Vor allem aber löste es eine Jagd auf möglichst viele ähnlich profitable Investment-Tipps aus!

Vor lauter Chancen treten die Risiken in den Hintergrund

Das Problem dabei ist, dass man in diesem Stadium vor allem die Chancen sieht. Die Risiken lernen wir erst mit den ersten, sich unweigerlich einstellenden Misserfolgen kennen.

Meine Anfangsjahre am Aktienmarkt waren geradezu gespickt mit Fehlern und bezahltem Lehrgeld: Es fing damit an, möglichst jede „von Börsendiensten oder -magazinen“ angepriesene Investmentchance wahrzunehmen.

Und es endete noch lange nicht damit, in die besonders lukrativ erscheinenden Empfehlungen auch besonders viel Geld zu investieren. Der Börsen-Crash vom Oktober 1987 – den Sie möglicherweise nur aus Erzählungen kennen – löste bei mir ein erstes und ernsthaftes Umdenken aus.

Börsen-Crashs: Keiner ist wie der andere!

Crashs: Erlebnisse, die ich keinem Anleger wünsche!

Der obigen Grafik können Sie entnehmen, wie übel der 1987er-Crash den Investoren mitgespielt hat: Auf den ersten Tagesverlust am 19. Oktober in Höhe von rund -15% folgte eine gnadenlose Fortsetzung, die erst 3 Wochen später bei etwa -38% endete.

Damals habe ich mir geschworen: Die mentalen Qualen, die ich in jenen Wochen aufgrund der immensen Verluste erlitten habe – natürlich war ich voll investiert in diesen Crash geschlittert – wollte ich NIE wieder durchleben müssen!

Heute bin ich stolz darauf, sagen zu können, dass das nicht nur für mich, sondern seit dem Jahr 2004 auch für die Leser meines Börsendienstes „Die Wachstumsaktien-Strategie“ gelungen ist!

Aus Fehlern lernen!

Hier einige Erkenntnisse, die mich der Börsen-Crash 1987 gelehrt hat:

  • Keine Übergewichtung mehr in „besonders aussichtsreichen“ Aktien.
  • Verluste frühzeitig begrenzen, statt sie laufen zu lassen
  • Keine „Massenware“ ins Depot, sondern Qualität: Daher Konzentration auf wenige Aktien.

Dies waren nur erste, aber für meine Investment-Karriere entscheidende Punkte. Es sollten in den Jahren danach noch viele weitere Einsichten folgen.

Alle diese Erfahrungen sind vor fast 14 Jahren in meine Wachstumsaktien-Strategie eingeflossen: Ich wollte meinen Lesern möglichst viele Fehler ersparen, die ich selbst schon zuhauf gemacht hatte.

Denn eine gute Strategie zu haben, um an profitable Aktien-Empfehlungen zu gelangen, ist eben nur die „halbe Miete“: Die besten Kaufempfehlungen nützen Ihnen rein gar nichts OHNE ein adäquates Management Ihres eingesetzten Kapitals!

Denn es ist, unter anderem, nicht nur der Zeitpunkt Ihres Einstieges, sondern auch der Ihres Verkaufs wichtig. Oder: Wenn Sie Verluste nicht frühzeitig kappen, wird Ihr Vermögen wie Eis in der Sonne schmelzen.

Fazit

Ich denke, es ist klar geworden: Risikostreuung ja, aber bitte in Maßen. Und: Risikostreuung schützt Sie auch nicht vor Börsenstürmen!

Apropos Börsenstürme: Werfen Sie zum Abschluss bitte noch einmal einen Blick auf die obige Grafik. Sie haben es gewiss schon selbst erkannt: Kein Crash ist wie der andere!

Es kann in einem Rutsch (wie 1987) oder in 2 oder mehr Wellen abwärts gehen. Zu Beginn einer Abwärtsbewegung wissen Sie NIE, WO diese enden wird.

Die Crashs der Jahre 1998 und 2011 waren dabei besonders tückisch: Denn jede mehrtägige Erholung schürt in Ihnen die Hoffnung / Erwartung, dass die Abwärtsbewegung nun ein Ende gefunden habe.

Auch der Montag dieser Woche war dazu geeignet: Die kräftigen Gewinne an der Wall Street konnten Ihnen den Eindruck vermitteln, bei den Rückgängen der Vorwoche habe es sich nur um einen „Sturm im Wasserglas“ gehandelt.

Das von mir im Jahr 2007 entwickelte Markt-Barometer hat am vergangenen Wochenende ein unmissverständliches Warnsignal ausgebildet: Es kündigte ein aufziehendes Unwetter an den Aktienmärkten an.

Entsprechend habe ich den ohnehin schon gemäßigten Investitionsgrad im Wachstumsaktien-Depot meines Börsendienstes auf nur noch 25% verringert und damit zugleich das Risiko für meine Leser drastisch reduziert.

In einem weiteren Schritt haben wir das ETF-Depot komplett neu ausgerichtet: Statt auf steigende, setzen wir in den kommenden Wochen auf fallende Aktienkurse!

Ach ja: Nur weil ich heute viel über Crashs geschrieben habe, heißt das nicht, dass ich einen solchen auch jetzt wieder an den Aktienmärkten erwarte.

Ausschließen kann ich das aber natürlich auch nicht.

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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.