Verpflegung auf der Hauptversammlung

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Das Zufriedenstellen der Aktionäre auf den Hauptversammlungen durch Verpflegung und Produktproben kommt wieder in Mode. (Foto: Lukassek / shutterstock.com)

“Nur ein satter Aktionär ist ein zufriedener Aktionär.” Diesen Ausspruch eines Bankenvorstands zitiere ich nicht ohne Ironie.

Denn bei Ihnen haben die Aktiengesellschaften (AGs) wohl Pech, wenn sie meinen, einen mäßigen Jahresabschluss mit einem üppigen Buffet bei der Hauptversammlung wieder wett machen zu können.

Dazu sind Sie, unsere Leser, zu kritisch und zu gut informiert. Trotzdem gebe ich gerne zu: Es gibt einige Hauptversammlungen, bei denen sich ein Besuch schon wegen der “Naturaldividende” lohnt.

Verpflegung als Dividende

So beispielsweise die Hauptversammlung der Berchtesgadener Bergbahnen AG. Dort findet die Hauptversammlung regelmäßig auf der Bergstation der Jännerbahn statt – kostenfreie Gondelauffahrt inklusive.

Wer wegen der Verköstigung zur Hauptversammlung geht, dem sei etwa die Hauptversammlung der WMF im schwäbischen Geislingen empfohlen. Auf deren edlen Servierplatten werden entsprechend edle Menüs angerichtet.

Wer lieber mit Produktproben nach Hause geht, ist bei einer Hauptversammlung von Douglas (Parfümerie) oder Beiersdorf (Nivea) richtig. Häufig werden dort Kosmetikproben verteilt – ein nettes Mitbringsel auch für die Angehörigen zuhause.

Auch bei Hauptversammlungen wird gespart

Ich muss allerdings zugeben: Seit der Spätphase des Börsenhypes 2000 tendieren die Hauptversammlung vieler AGs zu mehr Sparsamkeit.

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War einst eine üppige Rundum-Versorgung der Aktionäre mit mehrgängigem Menü, Kaffee, Kuchen und allem sonstigen, was das Herz begehrt, üblich, ging man später dazu über, bei der Hauptversammlung nur noch eine dürftigere Verpflegung anzubieten.

Die Veranstalter waren entnervt, gerade weil in dieser Zeit besonders viele Privatanleger zur Hauptversammlung kamen und nichts anderes im Sinn hatten, als das Buffet zu stürmen. Das eigentliche Geschäft und damit der primäre Grund für die Hauütversammlung blieb dabei oft auf der Strecke.

Aktionäre glücklich stimmen

Inzwischen – zwei markante Börseneinbrüche später – ändert sich diese Einstellung aber allmählich wieder.

Den Aktiengesellschaften ist wieder klar geworden, dass es ohne Aktionäre nicht geht. Folglich sind sie aktuell eher bereit, die Hauptversammlung weniger als lästigen Kostenfaktor zu betrachten.

Vielmehr betrachten sie die Versammlungen wieder als eine Möglichkeit, die Aktionäre zufrieden zu stellen. Und was eignet sich dafür mehr als ein ausgedehntes Mahl und exklusiven Produktproben.

Insofern besteht für die diesjährige HV-Saison durchaus die Hoffnung, dort eine reichliche “Naturaldividende” vorzufinden.

Bei klein gibt es oftmals fein

Ein Tipp noch zum Schluss: Besonders feine, erlesene Speisen oder nette Mitbringsel bekommen Sie weniger auf den Hauptversammlungen der DAX-Konzerne. Dies sind Massenveranstaltungen, und folglich ist die Gastronomie eher auf Masse als auf Klasse ausgerichtet.

Ich empfehle Ihnen daher die Hauptversammlungen von Nebenwerten, und ganz besonders die regional verwurzelter Firmen. Solche Firmen lassen sich erfahrungsgemäß nicht lumpen. Der Genuss ist also hier am ehesten zu erwarten.


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Dr. Erhard Liemen
Von: Dr. Erhard Liemen. Über den Autor

Dr. Erhard Liemen ist Chefredakteur verschiedener, international renommierter Informationsdienste. Seit 1996 betreut er den angesehenen und erfolgreichen Dienst "Der Deutsche Wirtschaftsbrief".