Verpufft der Goldpreis nachdem die Indizes anziehen?

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Der Goldpreis konnte in den letzten Wochen massive Gewinne ansammeln. Wir haben ein Sechsjahreshoch erreicht. Doch ist der Traum jetzt wieder geplatzt? (Foto: Image Wizard/Shutterstock)

Gold stieg in den vergangenen Wochen extrem an. Wir haben Kurse gesehen, die in den vergangenen 6 Jahren nicht erreicht wurden. Aber war es das jetzt schon mit der Rallye im Goldpreis? Nach dem Hoch bei knapp unter 1.440 US-Dollar notiert der Kurs bereits 50 US-Dollar niedriger. Es würde zum allgemeinen Bild passen, dass die Indizes steigen und der Goldpreis wieder darunter leiden muss.

Gold in der Chartanalyse

Sie sehen den langfristigen Wochenchart seit 2013. Eine Kerze stellt eine Woche dar. Das letzte Hoch von Ende August 2013 hat Gold in der vergangenen Woche geknackt. Wenn auch nur ein wenig. Und genau wie es damals auch war, ging es mit den Kursen prompt steil zurück.

Gold hat kurz vor dem Ziel schlapp gemacht. Eigentlich wären knapp 1.450 US-Dollar drin gewesen. Zumindest wenn wir uns den Bereich anschauen, den Gold von August 2018 bis Februar 2019 gestiegen ist. Nehmen wir diese Distanz und setzen sie an das Tief vom Mai, kommen wir auf fast 1.450 US-Dollar.

So können Sie selbst auch grobe Kursziele ausmachen: Sie finden einen Anstieg, dem eine Konsolidierung folgt. Brechen die Kurse erneut nach oben aus, nehmen Sie die Strecke des Anstiegs und legen sie an die Zwischentiefs.

In unserem Fall war das Tief im Mai bei 1.265 US-Dollar. Das solche Ziele nicht perfekt getroffen werden, hat Gold aktuell bewiesen. Als grobe Orientierung, wie weit es noch gehen kann, dienen derartige Techniken aber durchaus. Jetzt bleibt allerdings noch eine Frage.

Wie weit stürzt Gold jetzt ab?

Gold fällt gerne schneller, als das es steigt. Das machen die Börsen generell. Insofern war der steile Anstieg des Goldpreises seit Mai sehr untypisch. Aber das Spiel kennen Sie bereits als regelmäßiger Leser: Typisch war gestern. Was vor einer Dekade noch für Spielregeln an der Börse und den Charts galten, ist inzwischen hinfällig. Wir befinden uns in einem überreizten Bullenmarkt. Nicht im Gold, aber bei den Aktien.

Woher soll also Gold die Kraft schöpfen, dass wir irgendwann neue Allzeithochs sehen? Solange die Notenbanken die Aktienkurse oben halten, hat Gold keine Chance. Erst wenn wir offiziell die Rezession eingeläutet haben, die Zinssenkungen der Notenbanken nichts mehr nützen und der Aktienmarkt ordentlich in die Knie gegangen ist, wird die Zeit von Gold kommen.

Einige Investoren setzen jetzt bereits auf Goldminen-Aktien. Die sind weniger anfällig und steigen auch, wenn der Goldpreis anzieht. Doch hier müssen Sie natürlich wieder genau schauen, welche Unternehmen ein Investment wert sind.

Für die Gold-Fans:

Es kann durchaus sein, dass wir im Gold in den nächsten drei oder vier Jahren ein neues Allzeithoch erleben werden. Das wird nicht über morgen geschehen und funktioniert nur, wenn die oben beschriebenen Punkte im Aktienmarkt zutreffen. Auf mittelfristige Sicht sind somit Kurse jenseits der 2.000 US-Dollar pro Unze Gold realistisch. Das ist aber noch jetzt kein Grund blind zu kaufen.

Die Aktienmarktrallye dauert schon wesentlich länger, als sich viele Gold-Fans es wünschen. Unterschätzen Sie also nicht, wie dehnbar die Blase tatsächlich ist. Natürlich wird der darauffolgende Knall immer größer, je länger dieses Spiel so weitergeht. Doch dazu sollte Gold erst einmal einen schönen Trendkanal ausbilden und konstant steigen. So hat das in den Jahren 2009 bis 2011 auch gut geklappt. Ab einem Monatsschlusskurs über 1.500 US-Dollar wird es Zeit bullisch zu werden, vielleicht schaffen wir das schon diesen Sommer.

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Gold mit deutlichem Rücksetzer: Ende der Rallye?Während die Notenbanken die Währungen verwässern, ist es nur logisch, dass Gold im Preis klettert. › mehr lesen


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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.