Verschuldung bei steigenden Zinsen: Eigenkapital bei Dax-Werten

Die Finanzmärkte bieten Aktiengesellschaften derzeit im Grunde ein Fest. Denn:

Niedrigere Zinsen als zur Zeit können die AGs in USA und Europa nicht erwarten.

0% Leitzinsen in den USA, eine negative Rendite für Anleihen-Investoren in Deutschland – wer investieren möchte, kann jetzt aus dem Vollen schöpfen.

Diese Medaille hat aber ebenso eine zweite Seite: wer zur Zeit noch gut bewertet ist, profitiert von den Finanzierungsmöglichkeiten.

Einige Unternehmen und mit ihnen Aktionäre müssen aber befürchten, dass die Finanzierung deutlich teurer wird. Wenn die Zinsen anziehen, wird es auch im Dax für AGs ungemütlicher. Daher orientieren Sie sich bei langfristigen Investitionen am Finanzierungsbedarf der Gesellschaften.

Eigenkapitalquote wichtig

Eine der Maßzahlen dafür könnte etwa die Eigenkapitalquote sein. Diese zeigt an, wie sich das Eigenkapital (Überschuß des Vermögens über die Verbindlichkeiten) im Verhältnis zur Bilanzsumme darstellt. Beispiel:

Bei einer Bilanzsumme von 100 und einem Vermögen von 100 (auf der linken Seite der Bilanz) würden Verbindlichkeiten in Höhe von 60 ein Eigenkapital von 40 anzeigen.

Die Eigenkapitalquote läge damit bei 40%.

Zwar gibt es noch weitere Parameter für den Finanzierungsbedarf, so etwa die Abhängigkeit von Sachinvestitionen, die bei Franchise-Unternehmen geringer als im Maschinenbau ist, aber: ein erster Hinweis ist die Eigenkapitalquote.

Wir sehen uns die Quoten für Dax-Unternehmen an.

  • Eine hohe Eigenkapitalquote von über 50% hat die Hamburger Beiersdorf. Das Unternehmen verfügt zudem über genügend Umsatz – bezogen auf den Kurs.
  • Das Kurs-Umsatz-Verhältnis (KUV) beträgt knapp 2. Das bedeutet: auch aus dem Umsatz könnte Beiersdorfer finanzielle Mittel generieren.
  • Auch Fresenius Medical Care mit einer Eigenkapitalquote von 44% ist attraktiv. Die „Eigenkapitalrendite“ bezogen auf die Höhe des Eigenkapitals liegt bei 13,0%. Damit wären Value-Investoren nicht ganz zufrieden, die sich Renditen von 20% und mehr wünschen. Auf der anderen Seite: Der Vermögensüberschuß ist deutlich besser verzinst als dies am Markt möglich wäre.
  • K+S aus Kassel weist eine Eigenkapitalquote von etwa 45% aus. Dies ist angesichts der Eigenkapitalrendite von mehr als 17% erfreulich.
  • Wer investiert, zahlt mit einem KGV in Höhe von ungefähr 10 zur Zeit zudem vergleichsweise wenig.
  • Auch Volkswagen hat viel Eigenkapital. Die Eigenkapitalquote liegt bei 52%.
  • Für den Wolfsburger Autokonzern zahlen Investoren derzeit mit einem KGV von 7,7 besonders wenig. Zudem hat das Unternehmen genügend Mittel, um den weiteren Ausbau in China zu finanzieren – und sich gegebenenfalls auch auf internationalen Märkten finanzielle Mittel zu holen.

GeVestor meint: Insgesamt ist die (Eigen-)Kapitalausstattung im Dax vergleichsweise erfreulich. Zu den besten Werten diesbezüglich zählt jedoch tatsächlich VW.

Falls Sie eine langfristig gut finanzierte und renditestarke Aktie aus dem Dax suchen, wird sich – zumindest für 2012 und 2013 – VW lohnen.

20. Januar 2012

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Jan Aalto
Von: Jan Aalto. Über den Autor

Jan Aalto ist der Experte für Wirtschaft und Geldanlage.

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