Versicherer: Aon kauft Willis für 30 Mrd. Dollar

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Auf dem Versicherungsmarkt ist ein Mega-Deal zu verzeichnen: Aon übernimmt Willis Towers Watson für die Rekordsumme von knapp 30 Mrd. Dollar. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Heute kann ich Ihnen trotz Corona eine gute Nachricht präsentieren: Während die Börsen wegen der Corona-Krise weltweit Negativrekorde aufstellen gibt es auf dem Übernahmemarkt einen neuen Positivrekord: Gestern gab der britische Versicherungsmakler Aon Plc bekannt, dass er seinen Mitbewerber aus Dublin, Willis Towers Watson Plc, für 30 Mrd. US-Dollar (USD) übernehmen wird.

Damit ist dieser Deal die größte jemals getätigte Übernahme im Versicherungswesen. Die Transaktion vereinigt den zweit- und drittgrößten Versicherungsmakler weltweit, so dass das fusionierte Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von fast 65 Mrd. USD zum weltweiten Marktführer aufsteigt. Bisher hatte diese Position die US-amerikanische Marsh & McLennan Companies Inc mit einer Marktkapitalisierung von 44,1 Mrd. USD inne.

Aktientausch mit solider Prämie

Der Übernahmedeal soll durch ein reines Aktientauschprogramm abgewickelt werden. So erhalten die Aktionäre von Willis-Towers-Watson für jede ihrer Aktien 1,08 Aon-Papiere. Dies entspricht einer Übernahmeprämie von +16% auf den Schlusskurs vom Freitag.

Nach Abschluss der Übernahme werden die bisherigen Willis-Aktionäre rund 37% der Aktien des fusionierten Unternehmens halten. Auf die bisherigen Anteilseigner der Aon entfallen somit knapp 63% der Papiere des neuen Unternehmens.

Konsolidierungswelle in der Versicherungswirtschaft

Aktuell kämpft die Versicherungsbranche mit fallenden Gewinnmargen, weil die Prämien im harten Wettbewerb sinken. Auf der anderen Seite steigen die Kosten für zu begleichende Schäden stetig an. Eine besondere Rolle spielen in diesem Zusammenhang die aus dem Klimawandel resultierenden Sturm- und Überschwemmungsschäden sowie die aktuelle Corona-Pandemie.

Diese Entwicklung hat in den letzten Jahren zu einem Anstieg der Unternehmenszusammenschlüsse geführt. Vor 10 Jahren übernahm die Aon-Gruppe ihren Wettbewerber Hewitt Associates für 4,9 Mrd. USD. Vor 5 Jahren kaufte der Versicherungsmakler Willis das Beratungsunternehmen Towers Watson für 18 Mrd. USD. Erst vor anderthalb übernahm der bisherige Marktführer Marsh & McLennan den Broker Jardine Lloyd Thompson für 5,6 Mrd. USD.

Aon-Kurs gibt deutlich nach

An der NASDAQ fiel der Kurs der Aon-Papiere am gestrigen Montag um -16,7% und verlor damit wesentlich mehr als der US-Vergleichsindex S&P 500, der um -7,6% nachgab. Diese überdurchschnittlich hohen Verluste deuten auf eine Skepsis gegenüber dem Rekord-Deal bei den Investoren hin. Kein Wunder, war doch erst vor einem Jahr ein erster Fusionsversuch zwischen Aon und Willis-Towers-Watson ohne eine offizielle Begründung abgeblasen worden.

Unternehmen rechnen mit hohen Synergien

Das neue Unternehmen soll unter dem Namen Aon firmieren. Es wird vom jetzigen Aon-Chef Greg Case aus London geführt. Die neue Aon wird einen Jahresumsatz von etwa 20 Mrd. USD haben und einen operativen Mittelzufluss (freier Cash-Flow) von 2,4 Mrd. USD pro Jahr erwirtschaften. Die Fusionspartner rechnen langfristig mit jährlichen Synergieeffekten von 800 Mio. USD.

Wie es weitergehen wird

Sowohl die Aktionäre beider Unternehmen als auch die Aufsichtsbehörden müssen der Fusion noch zustimmen. Da beide Versicherungsunternehmen weltweit tätig sind und hohe Marktanteile haben, wird die Genehmigung durch die zuständigen Kartellbehörden einige Zeit in Anspruch nehmen. Die Unternehmen rechnen folglich damit, dass die Fusion erst in einem Jahr abgeschlossen werden wird.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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