Versicherungen: Allianz geht’s gut, Zurich Insurance Group mit Problemen

Während die Allianz auf eine positive Geschäftsentwicklung zurückschauen kann, kämpft die Zurich Insurance Group mit einer höheren Schadensquote und gesteigenen Kosten. (Foto: JPStock / Shutterstock.com)

Die Allianz hat ihre gute Geschäftsentwicklung im 2. Quartal fortgesetzt und den Umsatz um 2,4% auf 30,2 Mrd € verbessert.

Das operative Ergebnis (EBIT) stieg um 2,6% auf 2,84 Mrd € und der Gewinn um 15% auf 2,02 Mrd €. Die Bruttoprämieneinnahmen in der Schaden- und Unfallversicherung stiegen um 9,2% auf 11,84 Mrd €. Starkes Wachstum verzeichneten vor allem Allianz Worldwide Partners, die Türkei und AGCS.

Die Schaden-Kosten-Quote verbesserte sich um 1,1 Prozentpunkte auf 93,5%. Die Belastungen aus Naturkatastrophen summierten sich auf 122 Mio € und wurden hauptsächlich durch Stürme und Hagel in Australien verursacht.

Alle Ergebniskomponenten haben zum starken Wachstum beigetragen

Dazu zählen sowohl das Investment- als auch das versicherungstechnische Ergebnis und der Nettogewinn aus dem Verkauf des Privatkundengeschäfts von Fireman’s Fund. In der Lebens- und Krankenversicherung dagegen sanken die Beitragseinnahmen um 1,4% auf 16,72 Mrd €.

In Italien und Taiwan stiegen die Beitragseinnahmen aus fondsgebundenen Produkten stark an. In Deutschland und Frankreich nahm die Nachfrage nach neuen Lebensversicherungsprodukten mit alternativen Garantien weiterhin zu.

In den USA sank der Absatz von indexgebundenen Rentenprodukten, blieb jedoch im Rahmen der Erwartungen, da 2015 Preisänderungen durchgeführt wurden.

Die Nachfrage nach Lebensversicherungsprodukten nahm am stärksten in der Region Asien-Pazifik zu. Die Allianz ist weiter auf Erfolgskurs. Damit ist ein EBIT am oberen Ende des Zielkorridors von 10,8 Mrd € in Reichweite.

Unternehmensporträt

Der Allianz Konzern ist der größte Versicherer Europas und ein führender internationaler Finanzdienstleister. Kerngeschäftsfelder sind die Bereiche Versicherung mit Schaden & Unfall sowie Leben & Kranken für Privat- und Geschäftskunden und die Vermögensverwaltung.

Der Konzern hat mehr als 83 Mio Kunden in über 70 Ländern weltweit. Die Allianz hält Beteiligungen an einer Vielzahl von Großunternehmen (Munich Re u.a.). Verkauf der Dresdner Bank in 2008.

Zurich Insurance Group: Hohe Kosten belasten

Zurich machten im 1. Halbjahr höhere Kosten zu schaffen, sodass der Gewinn um 3% auf 2,06 Mrd $ sank. Der sogenannte Business Operating Profit (BOP), den der Konzern als maßgebliche Betriebskennzahl ansieht, schrumpfte sogar um 15%. Besonders im Schadenversicherungsgeschäft machten sich höhere Kosten bemerkbar.

Der operative Gewinn (EBIT) dort stürzte um 31% auf 1,1 Mrd $ ab. Die Bruttoprämien der Sparte verringerten sich um 7% auf 18,7 Mrd. $. In Lokalwährungen wären die Prämien um 3% gestiegen.

Verantwortlich für den Gewinneinbruch im Schadenversicherungsgeschäft waren die Zunahme von Großschäden, insbesondere in Großbritannien und im US-Geschäft mit Firmenversicherungen, sowie der Anstieg von Katastrophen- und witterungsbedingten Schäden.

Schadensquote verschlechtert sich

Der Schaden-Kosten-Satz verschlechterte sich von 95,7 auf 98,3%. Dagegen stieg im Lebensversicherungsgeschäft das EBIT um 6% auf 673 Mio $. Die Bruttoprämien und Beiträge mit Anlagecharakter erhöhten sich um 4% auf 14,8 Mrd $.

Bezüglich der Kosten wurden bereits Maßnahmen ergriffen, die sich ab Anfang nächsten Jahres positiv auf das Ergebnis auswirken werden.

Zusätzlich zu den bereits bekannten Einsparungen im Umfang von 250 Mio $, sollen die Kosten bis Ende 2016 um weitere 300 Mio $ gesenkt werden. Der CEO steht unter Erfolgszwang und hat einen unverbindlichen Vorschlag für die Übernahme des Konkurrenten RSA vorgelegt.

Zurich befindet sich selbst noch in der Restrukturierung. Eine Übernahme scheint uns in dieser Situation nicht sinnvoll.

Unternehmensporträt

Zurich Insurance Group entstand 1998 aus der Fusion von Zurich Versicherung und der Geschäftseinheit Finanzdienste des britischen Konzerns B.A.T. Industries.

Das Unternehmen operiert hauptsächlich in Nordamerika und Europa, aber auch in Wachstumsmärkten wie Asien und anderen Schlüsselländern, weltweit insgesamt in über 170 Ländern.

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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.