Versorger als Krisen-Gewinner?

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Versorger sind plötzlich wieder gefragt. Ein Verbund könnte als Vorreiter bei erneuerbaren Energien besonders profitieren – oder doch nicht? (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Versorger haben ihren alten Status als solide Unternehmen wieder. Zuletzt meldeten sich Fondsgesellschaften und verkündeten in Zusammenhang mit Energieversorgern eine besondere Anlagestrategie: Da dieser Bereich von staatlicher Seite stark reguliert sei, würden dort in der Krise auch besonders sicherere Renditen warten. Verkehrte Welt! Während Anleger in der Wachstumsphase immer gegen Regulierung sind, soll darin jetzt eine große Chance liegen? Wir machen die Probe aufs Exempel und schauen uns mit Verbund einen Versorger an, der als Pionier der regenerativen Energie gesehen werden kann. Wasserkraft und die Alpen sei Dank!

Verbund: Stark beim Klimaschutz

Die Verbund AG ist Österreichs führendes Stromunternehmen. In Österreich deckt der Konzern rund 40% des gesamten Strombedarfs. 95% des verkauften Stroms wird in den konzerneigenen Wasserkraftwerken erzeugt, womit sich das Unternehmen zu den umweltfreundlichsten Stromerzeugern Europas zählt. Zu den Geschäftsbereichen gehören: Stromerzeugung, -handel, -übertragung und -dienstleistungen. Verbund beendete das Geschäftsjahr 2019 mit erfreulichen Ergebnissen. Die eigenen Erwartungen wurden erfüllt. Das operative Ergebnis (EBITDA) lag bei 1,18 Mrd €, der Gewinn bei 555 Mio €.

Diese positive Entwicklung ist vorrangig auf die Realisierung der stark gestiegenen durchschnittlichen Absatzpreise zurückzuführen. Die Bereiche Onshore-Windparks und Photovoltaik gewinnen vermehrt an Bedeutung. Die zunehmende Marktfähigkeit der erneuerbaren Energien eröffnet Verbund große Potentiale. Dazu notwendig sind der Ausbau aller erneuerbaren Energieträger, der Infrastruktur, der Speicher sowie Investitionen in die Energieeffizienz. Der Ausbau hat zwei große Vorteile: Zum einen wird das Produktportfolio stärker diversifiziert und der europäische Markt erweitert. Zum anderen werden europäische Klimaziele verfolgt. Damit leistet Verbund einen großen Beitrag zum Klimaschutz.

Unsicherheit trotz vermeintlich guter Ausgangslage

Das Unternehmen hat zahlreiche Maßnahmen zur Bewältigung der Corona-Krise getroffen. Eine besondere Leittechnik erlaubt es, alle Anlagen aus der Ferne zu überwachen und zu steuern. Somit sind die Stromerzeugung und der sichere Kraftwerksbetrieb gewährleistet. Auch für etwaige Störungen ist Verbund bestens gerüstet. So stehen für die einzelnen Kraftwerksgruppen rund um die Uhr mobile Bereitschafts-Dienste zur Verfügung.

Der Konzern ist demzufolge gut vorbereitet und wirkt möglichen Einbußen präventiv entgegen. Die Hauptversammlung wurde aufgrund der Corona-Pandemie vom 28. April auf den 16. Juni verschoben. Zwar hat Verbund mit dem hohen Anteil regenerativer Energie und der guten Positionierung in der Coronakrise einige Trümpfe in der Hand, doch sehen wir das Marktumfeld noch immer unsicher. Im Shutdown wird weniger Energie verbraucht. Hinzu kommt die Abhängigkeit vom Wetter. Auch die Dividende ist mit rund 2% kein ziehendes Argument. Wir bleiben bei der Aktie außen vor und raten das auch Ihnen!

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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und High Performance Depot.

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