Vertagung der OPEC-Konferenz: Nicht nur eine Rand-notiz!

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Was das verschobene OPEC-Treffen für den Ölpreis bedeutet: Ich schaue für Sie auf die Hintergründe und die Charttechnik. (Foto: Christopher Halloran / shutterstock.com)

Wie gestern bereits berichtet, wird die laufende Handelswoche klar von den Treffen der Notenbank-Mitglieder in Europa (gestern) und den USA (heute) dominiert.

Da verkommt es schon beinahe zur Randnotiz, dass die OPEC (Vereinigung Erdöl exportierender Länder) ihre für kommenden Montag anberaumte Konferenz auf die ersten beiden Julitage vertagt hat.

Die Initiatoren nehmen damit offiziell Rücksicht auf das Ende Juni in Japan terminierte Treffen der G20-Staaten. Meine Vermutung:

Die OPEC möchte schauen, ob dort getroffene Entscheidungen oder behandelte Themen eventuell mit den eigenen Interessen kollidieren. Möglicherweise soll auch vermieden werden, dass eigene Beschlüsse den G20-Gipfel beeinflussen.

Wir schauen daher heute auf den Ölpreis: Was sagt die Charttechnik? Gibt es im Vorfeld des verschobenen OPEC-Treffens möglicherweise schon eine profitable Trading-Chance?

Worum geht es bei der OPEC-Konferenz?

Auch wenn die Zusammenkunft nun erst 1 Woche später stattfindet: An der Bedeutung der Diskussionsrunde ändert sich nichts.

Es soll nämlich eine erweiterte Konferenz werden: Neben den 14 OPEC-Staaten (Algerien, Angola, Ecuador, Äquatorialguinea, Gabun, Iran, Irak, Republik Kongo, Kuwait, Libyen, Nigeria, Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate und Venezuela) sollen sich noch 10 Nicht-Mitglieder des Kartells beteiligen.

Auf der Agenda steht kein geringeres Thema als die Verlängerung oder Beendigung des am 6. / 7. Dezember 2018 getroffenen und am 30. Juni auslaufenden Beschlusses: Seinerzeit einigten sich die Konferenzteilnehmer auf eine Kürzung der Ölproduktion ab Beginn dieses Jahres um 1,2 Mio. Barrel (= Fass = 159 Liter).

Die brisante OPEC-Entscheidung

Schauen wir uns doch gleich einmal an, was das für den Preis des schwarzen Goldes bedeutete.

Ölpreis: Die OPEC entscheidet über den weiteren Trend

Wie Sie sehen, stoppte die OPEC mit der Ölproduktions-Drosselung tatsächlich die Talfahrt des Ölpreises: Vom Top Anfang Oktober 2018 war die Notierung um sagenhafte -42,4% abgestürzt!

Erst zu Weihnachten des vergangenen Jahres wurde der vorläufige Tiefpunkt bei 49,93 USD je Barrel markiert. Darauf folgte bis zur 3. Aprilwoche 2019 eine Erholungsrallye um erstaunliche +51,4%!

Am Chart mögen Sie ermessen, welche Brisanz das jetzt bevorstehende erweiterte Treffen der OPEC und Nicht-Opec-Staaten tatsächlich besitzt: Denn seit Ende April ist der Ölpreis mit einem Minus von fast -20,0% erneut mächtig unter die Räder gekommen.

Unter diesem Eindruck könnten die Konferenzteilnehmer gewillt sein, die auslaufende Produktionskürzung noch einmal zu verlängern, um den Ölpreis erneut zu stabilisieren. Auch wenn das andauernde Einnahmeeinbußen für die Erdöl exportierenden Länder mit sich bringt.

Das fällt auf bei der Charttechnik

Zwei Dinge fallen bei Betrachtung der Charttechnik ins Auge:

  1. Sowohl die Erholung seit Dezember 2018, als auch der Abstieg seit Ende April 2019 vollzogen sich in aufwärts gerichteten Etagen: Die überwundenen Widerstände wandelten sich anschließend zu Unterstützungen. Wenn wir das nach unten fortschreiben, wäre ein weiterer Kursrutsch auf bis zu 55,00 USD / Fass ein durchaus realistisches Szenario (unterste pinkfarbene Unterstützungslinie). Die jetzt vertagte Entscheidung könnte dazu den Auslöser liefern.
  2. Das 50-Tage-Momentum hat den Anfang März 2019 gestarteten Abwärtstrend zwischenzeitlich 2x beschleunigt (gestrichelte rote Linien). Mittlerweile bewegt sich der Indikator für Schwung und Dynamik einer Kursbewegung unter der Nulllinie. Somit wird derzeit negatives Momentum aufgebaut.

Es zeichnet sich aktuell auch keine Änderung dieses Zustandes ab.

Kleiner Nachtrag: Wie Sie gewiss bemerkt haben, hat der Ölpreis im April – im Gegensatz zum Momentum – noch einmal ein höheres Hoch erreicht: Das war eine Divergenz (Abweichung), die Ihnen eine bevorstehende Trendumkehr signalisierte.

Fazit

Ich denke, meine Analyse hat Ihnen die Bedeutung der auf Anfang Juli verschobenen, erweiterten OPEC-Konferenz bewusst gemacht: Es geht um nichts Geringeres als den weiteren Trend des Ölpreises.

Sollte es bis dahin zu einem weiteren – und durchaus realistischen – Abrutschen des Ölpreises kommen, würde das die Meinung der Konferenzteilnehmer gewiss zusätzlich dahingehend beeinflussen, die auslaufende Produktionskürzung des schwarzen Goldes noch einmal zu verlängern.

Ganz ehrlich: Auf einen nochmaligen Rücksetzer bis 55,00 USD je Barrel zu setzen, wäre mir deutlich zu spekulativ und das Gewinnpotenzial zudem zu gering.

Die sinnvollere Variante dürfte für Sie sein, die weitere Entwicklung bis zur OPEC-Entscheidung in 12 Tagen abzuwarten, um darauf dann entsprechend zu reagieren:

Eine Verlängerung der Produktions-Drosselung sollte dem Ölpreis nämlich erneut zu einer Rallye verhelfen. Ansonsten droht ein weiterer Kursverfall.

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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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