Vertex: Anleger honorieren das starke Wachstum nicht

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Der US-Biotech-Konzern wächst weiter rasant. Allerdings hat ein Forschungsrückschlag der Aktie einen herben Rücksetzer verpasst. (Foto: l i g h t p o e t / Shutterstock.com)

In der Biotechbranche sind derzeit (fast) alle Anlegeraugen auf den Kampf gegen das Coronavirus gerichtet. Zu Unrecht – wie ich meine. Denn hier gibt es einige sehr interessante Unternehmen mit hohem Wachstumspotenzial. Eines davon ist Vertex Pharmaceuticals, die gerade einen Forschungsrückschlag verkraften mussten. Trotzdem weist das Unternehmen starke Perspektiven für die nächsten Jahre auf.

Unternehmensportrait

Der US-Biotech-Konzern Vertex Pharmaceuticals hat sich auf Therapien zur Behandlung von Mukoviszidose fokussiert. Dabei handelt es sich um eine im Kindesalter auftretende Stoffwechselerkrankung. Sie ist lebensverkürzend, weil sich die Lungenfunktion über die Jahre zunehmend verschlechtert. Verursacht wird die Erkrankung von Genmutationen. Dies führt zu zähen Sekreten in verschiedenen Organen, was Entzündungen, Fehlfunktionen und Infektionen auslöst. Weltweit ist eines von 2.000 neu geborenen Kindern davon betroffen.

Im Herbst 2019 hat Vertex die Zulassung für sein viertes Mukoviszidose-Medikament erhalten. Nach Kalydeco (Zulassung 2012), Orkambi (Zulassung 2015) und dem Kombinationspräparat Symdeko / Symkevi (Zulassung 2018) gab die US-Arzneimittelbehörde grünes Licht für die Dreifachkombination Trikafta.

Abbruch einer klinischen Studie löst Kursrutsch bei der Aktie aus

Im Oktober erlebte die Aktie von Vertex einen heftigen Rückschlag: Das Unternehmen gab den Abbruch von klinischen Studien der 2. Phase von VX-814 aufgrund von Sicherheitsbedenken bekannt. Der Wirkstoff sollte zur Behandlung von Alpha-1-Antitrypsin-Mangel zum Einsatz kommen. Dabei handelt es sich um eine Erbkrankheit, die bewirkt, dass Leberzellen das Enzym Alpha-1-Antitrypsin fehlerhaft oder in zu geringer Menge bilden.

Vertex wächst dank Trikafta rasant

Operativ läuft es bei Vertex hingegen weiterhin glänzend. Der Umsatz kletterte um satte +62% auf 1,54 Mrd. US-Dollar (Prognose 1,49 Mrd. US-Dollar). Der Gewinn pro Aktie konnte mit 2,64 US-Dollar (Prognose 2,39 US-Dollar) mehr als verdoppelt (+115%) werden.

Wachstumstreiber bleibt die neue Dreifach-Wirkstoff-Kombination Trikafta, die es aus dem Stand (im Vorjahresquartal war der Wirkstoff noch nicht zugelassen) auf 960 Mio. US-Dollar Umsatz brachte. Nach der kürzlich erfolgten Zulassung des Medikaments in Europa wird es im laufenden Quartal einen weiteren Umsatzschub geben. Auch die geplante Ausweitung der Anwendung auf jüngere Patientengruppen könnte einen zusätzlichen Schub bringen. Für das Gesamtjahr 2020 hob Vertex seine eigene Prognose von zuvor 5,7 bis 5,9 Mrd. US-Dollar auf 6,0 bis 6,2 Mrd. US-Dollar an.

Kursrutsch scheint überzogen

Aus drei Gründen halte ich den Kursrutsch bei der Vertex-Aktie für überzogen: Erstens besitzt Vertex noch einen zweiten, strukturell etwas anders aufgebauten Wirkstoff gegen Alpha-1-Antitrypsin-Mangel, nämlich VX-864, dessen Studien fortgesetzt werden. Zweitens bleibt die Forschungspipeline von Vertex gut gefüllt. Und drittens ändert sich an den Umsätzen und Gewinnen der kommenden Jahre überhaupt nichts, da es bis zu einer Zulassung von VX-814 ohnehin noch 4-6 Jahre gedauert hätte.


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Sascha Mohaupt
Von: Sascha Mohaupt. Über den Autor

Chefanalyst Sascha Mohaupt ist der Experte für Innovationen und High-Tech. In dem wohl am schwierigsten zu durchschauenden Markt für Zukunftstechnologien gibt er konkrete Kaufempfehlungen. Als Chefredakteur des Innovation Investor teilt er exklusiv seine neuesten Empfehlungen und seine Leser investieren damit schon heute in die Welt von morgen.

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