Vertrauen ungenügend: Wirecard verliert über 25 Prozent!

Wirecard RED – obs Wirecard AG Paul Blind

Die Aktie könnte auch auf 50 Euro rutschen und das müssen Sie aushalten und weiter halten. Potential besteht hier für Käufer immer in beide Richtungen. (Foto: obs/Wirecard AG/Paul Blind)

Wirecard ist heute das Thema schlechthin: „Bilanzskandal“ hin oder her – wer die Gerüchte aus dem Weg räumen will, legt alle Zahlen auf den Tisch. Das ist aber nicht passiert. Die KPMG-Sonderprüfung hat offiziell die Vorwürfe um die Bilanzmanipulation entlasten können. Dieser Meinung ist zumindest Wirecard.

Die Anleger sehen das offensichtlich etwas anders. Die Aktie rutscht heute von 135 Euro auf unter 100! Hier brauchen wir diesmal auch gar nicht lange nach einem Grund suchen. Es geht um das Geschäft von Wirecard in Asien. Hier kann der Konzern nicht alleine die Transaktionen übernehmen, sondern ist auf Partner vor Ort angewiesen. Diese wollen aber die Umsatzzahlen im fraglichen Zeitraum nicht herausgeben und sagen: “Das geht nur uns etwas an und Wirecard.“

Somit ist es logischerweise unmöglich zu prüfen, ob die Bilanzen tatsächlich stimmen. Wurde wirklich so viel Umsatz gemacht und lässt sich darauf in Zukunft aufbauen? Vielmehr geht es aber jetzt um die Vertrauensfrage: Will ich in einem Unternehmen investiert sein, dem ich nicht über den Weg traue? Die Antwort „Nein“ gab es heute offensichtlich reichlich und somit nagelten die Investoren eine gigantische rote Kerze in den Aktienkurs.

Wirecard Crash nach KPMG-Bericht: Chartanalyse

Hier sehen Sie den Tageschart mit der beeindruckende heutigen Tageskerze. Vielleicht stehen wir schon bald wieder bei 80 Euro, wie beim Höhepunkt der Corona-Krise.

Schade eigentlich. Wirecard hatte die Corona-Kurse schon abgeschüttelt. Bei 140 Euro war jetzt erst einmal Schluss. Heute sind wir bereits 45 Euro tiefer.

Ist Wirecard jetzt ein Kauf?

Das ist die große Frage. Langfristig hoffentlich. Es ist schwer vorstellbar, dass die Aktie nicht mehr dreistellig wird im Wert. Doch für viele Privatanleger ist das Vertrauen wichtiger als mögliche Gewinne. Es gibt schließlich noch andere Aktien auf dem Markt.

Wirecard ist spätestens seitdem sie im DAX gelistet ist eine Zockeraktie. Das zeigen auch die großen Schwankungen. Ähnlich wie bei Tesla müssen Sie hier als Investor vom Konzept überzeugt sein, dann können Sie heute auch günstig nachkaufen. Wirecard kann Ende der Woche schon wieder bei 120 Euro stehen oder eben auch unter 80. Hier ist so gut wie alles möglich.

Wirecard Crash: der Hintergrund

KPMG ist einer der vier größten Wirtschaftsprüfer und die hatten auf Antrag von Wirecard das Business und die Bilanzen unter die Lupe genommen. Am Ende war es aber eine Luftnummer, weil die wichtigen Daten immer noch nicht vorliegen und deshalb haben die Anleger jetzt den Stöpsel gezogen.

Die Financial Times wollte Unregelmäßigkeiten in der Bilanzierung gefunden haben. KPMG konnte dies aber nicht bestätigen. Der Bericht sollte bereits veröffentlicht werden, wurde dann noch einmal verschoben und jetzt ist er endlich da. Doch es bleibt immer noch Spielraum für Interpretation.

Zwei Fronten treffen hier auch aufeinander. Wir haben große Hedgefonds in den USA mit massiven Shorts auf Wirecard. Dagegen stehen Fondsgesellschaften aus Deutschland, deren größte Position Wirecard ist. Mit der Aktie im Depot wird es sicherlich nie langweilig. Bei den großen Schwankungen würde ich aber auch den Wert nicht per Knock-Out-Zertifikat handeln. Da kann ein Stopp schnell abgefischt werden.

Wenn, dann kaufen Sie die Aktie und lassen sie im Depot liegen. Schauen Sie einmal pro Woche drauf. Ist der Kurs attraktiv, nehmen Sie den Gewinn mit. Sie müssen dabei aber auch im Hinterkopf haben, dass unter dem Bereich um 80 Euro wenig Widerstand im Chart liegt. Die Aktie könnte also auch auf 50 Euro rutschen und das müssen Sie aushalten und dann weiter halten oder nachkaufen. Potential besteht hier immer in beide Richtungen.

Wirecard RED – obs Wirecard AG Paul Blind

EU fordert Zugeständnisse bei Bezahldienstleister-ÜbernahmeBei der in Frankreich anstehenden Übernahme des Bezahldienstleisters Ingenico durch den Mitbewerber Worldline kommt es möglicherweise zu Problemen. Die EU-Kartellbehörde erwartet Zugeständnisse, damit eine Monopolstellung vermieden werden kann. › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von Michael Berkholz. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz