Virtu-Aktie: Hochfrequenzhändler schluckt Brokerfirma ITG

Virtu-Aktie: Hochfrequenzhändler schluckt Brokerfirma ITG

Der nächste Milliardendeal steht vor der Tür. Der US-Hochfrequenzhändler Virtu hat für die Brokerfirma Investment Technology Group (ITG) gerade eine Übernahmeofferte auf den Tisch gelegt. Die Aktionäre freut es. Seit die ersten Übernahmegerüchte Anfang Oktober die Runde machten, konnten die Papiere von beiden Firmen deutlich zulegen. Während die Virtu-Aktien rund 10% nach oben kletterten, sprangen die ITG-Papiere, nicht zuletzt Dank des satten Aufschlags, um annähernd 40% in die Höhe.

Virtu – einer der größten Hochfrequenzhändler

Bei dem Bieter Virtu handelt es sich um eines der größten Hochfrequenz-Handels- und Market Making Unternehmen. Es bietet zweiseitige Notierungen und den Handel mit Aktien, Rohstoffen, Währungen, Optionen, festverzinslichen Wertpapieren und anderen Wertpapieren an über 230 Börsen, Märkten und Dark Pools. Virtu verwendet eigene hochfrequente Handelsstrategien, die auf riesigen Datenmengen basieren, um große Mengen an Wertpapieren zu handeln.

Seit April 2015 ist das Unternehmen an der Nasdaq börsennotiert. Im dritten Quartal, das am 30. September 2018 endete, erzielte Virtu einen Umsatz von 295,10 Millionen Dollar. Das entspricht einem Zuwachs von 8,7% gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

Allerdings hatte der Konzern zuletzt mit sinkenden Margen im Kerngeschäft (Marketmaker) zu kämpfen. Sie müssen wissen: Die Firmen nutzen Algorithmen zum Handel von Aktien und anderen Assets mit nahezu Lichtgeschwindigkeit. Sie stehen für rund die Hälfte des gehandelten Volumens von Aktien und Staatsanleihen an US-Börsen.

Probleme mit Börsenaufsicht

Zuletzt hatte Virtu allerdings häufiger Probleme mit der US-Börsenaufsicht SEC. Erst vor wenigen Tagen musste das Unternehmen in einem Vergleich über 12 Millionen Dollar zahlen. Hintergrund waren Falschaussagen im Zusammenhang mit einem von ihr betriebenen Dark Pool.

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Virtu auf großer Einkaufstour

Bereits im Frühjahr 2017 hatte sich Virtu für rund 1,3 Mrd. Dollar den Konkurrenten KCG geschnappt, der Transaktionen von Privatanlegern für Broker wie E-Trade Financial und TD Ameritrade abwickelt. Dieses Geschäft erweitert Virtu jetzt auf die institutionellen Kunden von ITG.

9% Aufschlag für ITG

Jetzt will Virtu für 30,30 Dollar je Aktie den Broker Investment Technology Group (ITG) kaufen. Bei dem Kaufpreis beläuft sich der komplette Unternehmenswert auf rund 1 Milliarden Euro. Das entspricht einem Aufpreis von 9% auf dem Schlusskurs vor Bekanntgabe des Deals. Aber Sie müssen wissen: Die ITG-Aktie ist bereits im Vorfeld auf Grund der bestehenden Übernahmegerüchte stark angestiegen.

ITG selbst beschäftigt beinahe 1.000 Mitarbeiter in Asien, Europa und Nordamerika. Der Konzern ist ein Finanztechnologieunternehmen, das sich auf die Unterstützung von Brokern und Vermögensverwaltern spezialisiert hat. Der Jahresumsatz lag zuletzt bei 483,7 Millionen Dollar. Allerdings verharrt ITG seit zwei Jahren in der Verlustzone.

Schwankungsanfälligkeit der Geschäfte soll reduziert werden

Mit dem Deal erweitert Virtu sein Dienstleistungsangebot. Zu diesen Dienstleistungen gehören transparente Handels- und Workflow-Technologie, Analyse- und Liquiditätslösungen.

Virtu rechnet damit, dass sich der Anteil dieser Dienstleistungen am Gesamtumsatz von zuletzt 10 auf 40% erhöhen wird. Zugleich soll die Schwankungsanfälligkeit der gesamten Geschäfte dadurch deutlich reduziert werden. Geplant ist, den Zukauf in der ersten Jahreshälfte 2019 über die Bühne zu bringen.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.