VISA oder MasterCard, wer hat die Nase vorn?

VISA hat die ersten 9 Monate mit einem Umsatz-Plus von 5,0% auf 10,8 Mrd. $ abgeschlossen. Der Gewinn sank um 15,7% auf 4,1 Mrd. $.

Belastet wurde der Gewinn durch Einmal-Effekte aus der Übernahme von VISA Europe, die mit 1,9 Mrd. $ zu Buche schlugen.

Neuausrichtung nach Integration von VISA Europe

VISA verspricht sich von der Integration des Europa-Geschäfts eine Verbesserung der Wettbewerbs-Position gegenüber Erzrivale MasterCard.

Bisher fungierte VISA Europe lediglich als Lizenzgeber. Mit der Umwandlung in ein gewinnorientiertes Unternehmen und der Eingliederung in den VISA-Konzern verspricht sich das Management einen deutlichen Gewinnsprung.

Der Kaufpreis ist allerdings mit insgesamt rund 21,2 Mrd. $ aus unserer Sicht sehr hoch.

VISA muss beweisen, dass die erhofften Effizienz-Gewinne die hohe Übernahme-Prämie erwirtschaften kann. In jedem Fall treibt der Kauf zunächst die Verschuldung in die Höhe und verschlechtert die Eigenkapitalquote deutlich.

VISA und PayPal kooperieren

VISA gab zudem eine strategische Partnerschaft mit PayPal bekannt. Künftig sollen Kunden im Einzelhandel über die VISA-Terminals auch mittels PayPal bezahlen können.

er Kreditkartenanbieter möchte dadurch seine Wettbewerbs-Position ausbauen. Für die Finanzierung der Übernahme von VISA Europa wurden unter anderem neue Vorzugs-Aktien ausgegeben.

Um die Verwässerung der Anteile zu reduzieren, wurde das Aktienrückkauf-Programm um 5 Mrd. $ aufgestockt. Jetzt kommt es darauf an, wie schnell sich das Europa-Geschäft integrieren lässt.

Unternehmens-Porträt

VISA Inc. ist ein führender Finanz-Dienstleister im Kreditkarten-Geschäft. Der Konzern vergibt weltweit Lizenzen an Banken für die Ausgabe und Abrechnung ihrer Kredit- und Debitkarten.

Dabei setzt VISA auf starke Partnerschaften, um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und die operative Entwicklung sicherzustellen. Hauptkonkurrenten sind MasterCard und American Express.

MasterCard profitiert vom Trend der bargeldlosen Bezahlung

Immer häufiger wird bargeldlos bezahlt.

Sowohl im Internet als auch im stationären Handel gewinnen Kreditkarten an Bedeutung. MasterCard profitiert von diesem Trend und verdient an jeder Transaktion eine Provision:

Im 1. Halbjahr stieg der Umsatz um 11,3% auf 5,1 Mrd. $. Der Gewinn konnte wegen höherer Investitionen und Rechtskosten nicht gesteigert werden und verharrte unverändert bei 1,9 Mrd. $.

MasterCard bereitet sich, nach der Neuaufstellung von VISA, auf dem europäischen Markt auf einen verstärkten Konkurrenzkampf vor.

Deshalb werden für 920 Mio $ 92,4% am britischen Zahlungs-Dienstleister VocaLink übernommen. Der Kaufpreis kann sich bei Erreichen bestimmter, nicht näher genannter Ertragsziele noch um 220 Mio. $ erhöhen.

Mit der Übernahme wird die Marktposition in Großbritannien gestärkt. Zudem verfügt VocaLink über eine Reihe interessanter Technologien.

So betreiben die Briten eine Plattform, die Kreditkarten-Zahlungen direkt zwischen Bankkonten erlaubt.

Zudem wird das britische Geldautomaten-Netzwerk LINK von VocaLink betrieben. Die Transaktion soll Anfang 2017 abgeschlossen sein.

MasterCard hat gegenüber Hauptkonkurrent VISA in den USA das Nachsehen

Jetzt wird auch der Wettbewerb in Europa intensiviert. Wir erwarten, dass die Umsatz-Rendite sinkt, weil höhere Rabatte eingeräumt werden müssen. Der Kampf um die Kunden wird verstärkt.

Unternehmens-Porträt

MasterCard gehört neben VISA und American Express zu den größten Kreditkarten-Gesellschaften weltweit.

Neben der bekannten MasterCard zählen auch die Cirrus Card und die guthabenbasierte Maestrocard zum Produkt-Portfolio des US-Finanz-Dienstleisters.

Mit den wertvollen Kreditkarten kann man in 210 Ländern problemlos bezahlen. MasterCard vergibt Lizenzen an Banken, die dann die Karten vertreiben dürfen.

11. Oktober 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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