Vodafone Aktie: Fusion mit Unitymedia?

Entsteht ein neuer Platzhirsch im deutschen Kabel-TV-Markt? Vodafone und Unitymedia diskutieren eine Fusion, die Aktien reagieren kaum. (Foto: M DOGAN / Shutterstock.com)

Es scheint sich etwas anzubahnen im deutschen Kabel-TV-Markt: Vodafone und der britische Anbieter Liberty Global, zu dem die deutsche Unitymedia gehört, verhandeln Medienberichten zufolge über eine Fusion.

Zwar lehnten beide Unternehmen eine Stellungnahme bislang ab, doch Insidern zufolge könnten die Pläne bereits in dieser Woche offiziell werden. Man scheint sich in den laufenden Gesprächen anzunähern – sehr zum Missfallen regionaler Kabelnetzbetreiber in Deutschland, die sich nun mit einem Brief an Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier gewendet haben.

Branchenverband fürchtet bundesweiten Monopolisten

In dem Schreiben bezeichnet der Bundesverband Glasfaseranschluss (Buglas), zu dem sich etliche städtische Unternehmen der Branche zusammengeschlossen haben, das Fusionsvorhaben als „nicht genehmigungsfähig“.

Der Buglas befürchtet demnach einen neuen, bundesweiten Netzmonopolisten – und das wohl nicht ganz zu Unrecht: Unitymedia ist bislang in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg vertreten, genau jenen drei Bundesländern, die Vodafone auf der Liste noch fehlen. Vodafone selbst bietet seine Dienste in den übrigen 13 Bundesländern an.

Ein Zusammenschluss der beiden überregionalen Platzhirsche könnte den Buglas-Befürchtungen zufolge Verdrängungsmechanismen freisetzen, da der Monopolist über eine ganz andere Markt- und Durchsetzungsmacht verfügen würde als die kleineren Konkurrenten. Zudem bräuchte es nach Auffassung des Buglas eine staatliche Regulierung des neuen Giganten.

Vorerst jedoch bleibt unklar, ob sich Vodafone und Liberty Global überhaupt zu einem solchen Schritt durchringen können. Bereits im Jahr 2015 hatte es vergleichbare Gespräche gegeben, die jedoch ergebnislos beendet wurden, da man sich nicht auf eine Bewertung der betreffenden Unternehmensanteile hatte verständigen können.

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Aktien reagieren kaum auf Fusionsgerüchte

Die Aktien von Liberty Global und Vodafone reagierten bislang kaum auf die Fusionsgerüchte. Beide Papiere notierten zum Wochenende hin unterhalb ihres Vorjahreswerts. Vor allem Vodafone war in Folge des Börsenbebens Ende Januar massiv unter Druck geraten und konnte sich bislang nur teilweise erholen.

Ebenfalls wenig Bewegung verzeichnete die Aktie der Deutschen Telekom, die als Konkurrentin ebenfalls von einem Zusammenschluss von Vodafone und Unitymedia betroffen wäre. Die T-Aktie befand sich bereits vor dem Crash im Januar in einer länger andauernden Abwärtsbewegung, konnte aber seit Anfang April wieder Boden gewinnen und hat seither um fast 10 Prozent zugelegt auf rund 14,50 Euro.

Analysten rieten zuletzt mit großer Mehrheit zum Kauf der Telekom Aktie mit Kurszielen um 17,50 Euro, insbesondere nachdem die Fusionspläne der Tochter T-Mobile US mit dem dortigen Konkurrenten Sprint vor wenigen Tagen öffentlich wurden.

Doch auch mit Blick auf die Vodafone Aktie bleibt die Stimmung unter den Experten optimistisch: Auch hier rät eine Mehrheit zum Kauf des Papiers.

Ob die Fusionsgerüchte tatsächlich mit Substanz unterfüttert werden und ob ein Zusammenschluss angesichts der breiten Branchenproteste am Ende wirklich zustande kommen wird, muss sich allerdings noch zeigen.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.