Vodafone – Wohin mit den Milliarden?

In den vergangenen Monaten dominierten Nachrichten um den britischen Mobilfunk-Konzern Vodafone die Wirtschaftsmedien. (Foto: M DOGAN / Shutterstock.com)

In den vergangenen Monaten dominierten Nachrichten um den britischen Mobilfunk-Konzern Vodafone die Wirtschaftsmedien.

Die wohl spektakulärste Meldung kam aus den USA. Verizon Wireless – ein Joint Venture zwischen Vodafone und dem US-Konzern Verizon – wurde an den Partner Verizon für 130 Mrd. US-$ verkauft.

Damit haben sich die Briten aus dem US-Markt zurückgezogen. Um den Umsatz-Rückgang zu kompensieren, wird sich Vodafone um neue Investitionen bemühen müssen. Viel Cash auf dem Konto bringt nichts. Das Geld muss arbeiten.

Die erste „Ersatz“-Investition wurde bereits getätigt. Am Freitag wurde bekannt gegeben, dass die Kabel Deutschland-Übernahme von den Aktionären angenommen wurde.

Wie erwartet: Kabel Deutschland-Aktionäre stimmten Deal zu

Vodafone hat durch die Übernahme-Offerte über 75% der Kabel Deutschland (KDG)-Aktien angedient bekommen. Diese Grenze musste erreicht werden, damit das Vodafone-Angebot greift.

Die Übernahme ist damit – wie mehrheitlich – erwartet geglückt. Den Deal lässt sich Vodafone inklusive Schulden fast 11 Mrd. € kosten.

Das Geld ist gut investiert. Auf dem deutschen Markt entsteht jetzt ein ernsthafter Telekom-Konkurrent, der im Bereich Festnetz, Internet und Fernsehen der Telekom Marktanteile abknüpfen kann.

Übernahme-Kandidat Telecom Italia: Vodafone ist nur einer der möglichen Bieter

Mit dem Verkauf von Verizon Wireless entsteht ein enormer Umsatz-Verlust. Das US-Mobilfunk-Unternehmen leistete zudem einen Gewinnbeitrag von knapp 50%.

Die Kabel Deutschland-Übernahme war daher nur der erste Schritt, um den Umsatz- und Gewinn-Rückgang zu kompensieren.

In den Medien wurde spekuliert, dass Telecom Italia das nächste Vodafone-Ziel ist. Doch auch dem expansionshungrigem mexikanischen Telekom-Mogul Carlos Slim und dem amerikanischen Telekom-Konzern AT&T wird Interesse an den Italienern nachgesagt.

Telecom Italia musste im ersten Halbjahr 2013 einen Nettoverlust von 1,4 Mrd. € ausweisen. Daraufhin musste auch die Gewinnprognose für das Jahr 2013 kassiert werden.

Dies führte zu einem erheblichen Bewertungsrückgang des Unternehmens, der in Zusammenhang mit der laufenden Branchenkonsolidierung Interesse bei den großen Konzernen ausgelöst hat.

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Wer jedoch am Ende den Zuschlag für die angeschlagenen Italiener bekommt, ist fraglich. Vodafone ist nur ein möglicher Bieter.

USA-Markt gesättigt: Wachstumsmärkte Asien und Afrika rufen

Vodafone zieht sich aus dem gesättigten US-Markt zurück und wird vermutlich in Europa zum Großteil aus eigener Kraft durch den angekündigten Infrarstrukturausbau wachsen wollen.

Das Geld für Übernahmen dürfte in den Wachstumsmärkten investiert werden.

Dabei spielen Asien und Afrika eine wichtige Rolle. Vodafone ist auf dem schwarzen Kontinent in mehr als 40 Ländern durch Vodacom, Safaricom oder Vodafone Ghana vertreten.

Der Umsatz wächst von Quartal zu Quartal. Allein Vodafone Ghana konnte den Umsatz im vergangenen Quartal um 21,7% steigern.

Durch die Liberalisierung der Afrikanischen Mobilfunkmärkte, ist die Zeit reif für weitere Zukäufe. Die Briten werden in Zukunft sicherlich noch bei dem einen oder anderen Unternehmen zugreifen.

Vodafone nimmt indischen Markt unter die Lupe

In Asien ist Vodafone schon seit längerem vertreten. Nachdem die Briten jetzt auf sehr viel Geld sitzen, muss das Geld aussichtsreich investiert werden, um die Position auszubauen. In Indien plant Vodafone weitere Übernahmen.

Vodafone-Indien Chef Marten Pieters sagte in einem Interview, dass der britische Konzern an weiteren Zukäufen im Land interessiert sei. Dies würde aber nur passieren, wenn die Fusions-Gesetze in Indien wie vorgesehen geändert werden.

Ausländische Unternehmen müssen in Indien viele Auflagen erfüllen, die Übernahmen erschweren.

Vodafone ist hinter Bharti Airtel der zweitgrößte Mobilfunk-Anbieter im zweitbevölkerungsreichsten Land der Welt. Mit weiteren Übernahmen im Markt dürfte sich der Abstand auf den Branchen-Primus verringern.

Die Übernahme-Strategie ist zu begrüßen. Der gesättigte US-Markt und die ungeliebte Zusammenarbeit mit Verizon wird abgestoßen – im Gegenzug werden neue Wachstumsquellen erschlossen und die weltweite Präsenz gestärkt.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.