Volkswagen Aktie: Die Beste unter den drei Schwachen

Die deutsche Automobilindustrie ächzt unter dem Dieselskandal – und die Aktien gehen auf Talfahrt. Volkswagen steht noch am besten da. (Foto: Evannovostro / shutterstock.com)

Die Automobilindustrie befindet sich derzeit im Umbruch. Deutsche Autobauer spüren das aktuell vor allem im Kontext der Dieseldiskussion: Um drohende Fahrverbote in mehreren deutschen Großstädten für ältere – und teils gar nicht mal ganz so alte – Dieselfahrzeuge zu verhindern, saßen die Chefs der großen deutschen Automobilkonzerne in den vergangenen Wochen gleich mehrfach in Berlin mit Regierungsvertretern zusammen, um über Konzepte zu beraten.

Geht es nach den Unternehmen, tragen die Kosten am Ende vor allem die Kunden oder die Steuerzahler – oder beide. Nur selbst möchte man möglichst nicht aufkommen für die Kosten, die durch Rückrufaktionen und mögliche Hardware-Nachrüstungen entstehen.

Verzerrte Wettbewerbsfähigkeit?

Stattdessen bevorzugen die Hersteller staatlich geförderte Anreizprogramme für den Autotausch, wobei diese offenbar – im Gegensatz zu früheren Anreizsystemen wie der umstrittenen Abwrackprämie vor wenigen Jahren – nicht nur auf Neuwagen, sondern auch auf den Kauf sauberer Gebrauchtwagen gelten sollen.

Bei BMW, Daimler und Volkswagen befürchtet man einseitige Belastungen, die ausländische Hersteller nicht treffen und die Wettbewerbsfähigkeit verzerren könnten. Der Drops ist noch lange nicht fertig gelutscht.

Das Dieselthema beziehungsweise der Umstieg auf alternative Antriebstechnologien ist jedoch nicht die einzige große Zukunftsfrage, die die Konzerne zurzeit umtreibt. Seit Jahren stehen auch Bereiche wie Vernetzung und autonome Fahrzeuge weit oben auf der Agenda der Forschungsabteilungen.

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Und hier zeichnen sich auch bei internationalen Autobauern immer mehr Kooperationen ab. Vor wenigen Tagen etwa wurde bekannt, dass Honda künftig mit dem US-Rivalen General Motors zusammenarbeiten will, während Toyota eine Kooperation mit dem Technologiekonzern Softbank bekanntgab.

Konkurrenz setzt auf Roboterautos

Konkret geht es in beiden Projekten um die Entwicklung von Roboterautos, also eigenständig fahrenden Fahrzeugen, die beispielsweise für Fahrdienstleister interessant sein könnten. Die Entwicklungskosten in diesem Bereich sind hoch, bislang werfen die Investitionen jedoch kaum etwas ab. Man befindet sich noch in der Testphase, auch wenn bereits heute verkaufte Neuwagen mit allerhand Assistenzsystemen und Vernetzungsangeboten ausgestattet werden können.

Bis zur tatsächlich flächendeckend akzeptierten Serienreife werden wohl noch einige Jahre ins Land gehen – zumal die Politik den Fokus klar auf neue Antriebstechnologien lenkt. Erste Staaten haben bereits Deadlines für die Zulassung von Verbrennungsmotoren gesetzt, sodass die Hersteller nun vermehrt unter Zugzwang stehen, die Entwicklung in diese Richtung voranzutreiben.

VW Aktie noch am besten bewertet

Insgesamt stehen die Aktien der deutschen Autobauer in letzter Zeit unter keinem allzu guten Stern. Die Daimler Aktie hat auf Jahressicht fast ein Viertel an Wert verloren und notierte am Donnerstag nur noch bei gut 52 Euro, BMW steht mit einem Kursverlust von rund 16 Prozent binnen zwölf Monaten nicht viel besser da: Die Anteilsscheine waren zuletzt für rund 74 Euro zu haben.

Lediglich die Volkswagen Aktie bewegt sich mit etwa 140 Euro derzeit auf ähnlichem Niveau wie vor einem Jahr. Zudem gehen Analysten hier aufgrund der angestoßenen Veränderungsprozesse der vergangenen Monate vermehrt von positiven Zukunftsaussichten aus und raten zum Kauf der Vorzugsaktie, während die Einschätzungen mit Blick auf Daimler oder BMW etwas zurückhaltender ausfallen.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.