Volkswagen Aktie: Ein bisschen Silicon Valley in Wolfsburg

VW wappnet sich für die Digitalisierung des Autos und kündigt Investitionen an. Die VW Aktie legt nach längerem Sinkflug wieder etwas zu. (Foto: Cineberg / Shutterstock.com)

Elektroantrieb, Vernetzung, intelligente Fahrzeuge, autonome Systeme – alle reden derzeit von den großen Zukunftsthemen der Automobilbranche, doch der Teufel steckt im Detail.

Denn es werden zunehmend Bereiche miteinander verknüpft, die bislang wenig miteinander zu tun hatten. In Sachen Vernetzung etwa haben die großen Tech-Konzerne aus dem Silicon Valley die Nase vorn, ihnen fehlt jedoch die Erfahrung in der seriellen Automobilfertigung. Umgekehrt haben die etablierten Autobauer damit zu kämpfen, in Sachen Software zum „State of the Art“ aufzuschließen.

Am Ende dürfte derjenige das Rennen machen, dem es nicht nur am schnellsten, sondern letztlich am besten gelingt, beides unter einen Hut zu bringen. VW-Konzernchef Herbert Diess schätzt die Chancen, dass die deutschen Autobauer hier langfristig punkten können, angesichts der aktuellen Situation bei gerade einmal 50-50 ein.

Jetzt bloß nicht abhängen lassen!

Eindringlich warnt der Manager davor, jetzt entscheidende Chancen zu verpassen – und kündigt umfassende Neuerungen für den Wolfsburger Dax-Konzern an. So sollen die Kompetenzen im Softwarebereich deutlich ausgebaut werden, etwa durch Kooperationen, gegebenenfalls aber auch durch Zukäufe externer Unternehmen.

Zudem erhofft sich der VW-Chef Investitionen auf Seiten der Zulieferer – und wünscht sich eine größere Unabhängigkeit von asiatischen Firmen, die bislang maßgeblich die deutschen Hersteller mit Batteriezellen für E-Autos beliefern.

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Eine hauseigene Batterieproduktion wurde bei Volkswagen zuletzt nicht mehr ausgeschlossen. Durch die parallelen Herausforderungen, sowohl die Antriebstechnik perspektivisch auf E-Antriebe umzurüsten als auch die Vernetzung der Fahrzeuge sowie der Assistenzsysteme voranzutreiben, sehen sich neben Volkswagen auch Daimler und BMW in den kommenden Jahren zu erheblichen Investitionen veranlasst.

Bis diese sich monetarisieren, dürften noch einige Jahre ins Land gehen, doch es ist unerlässlich, Forschung und Entwicklung jetzt für diese Zukunftstechnologien aufzustellen. Denn dass an ihnen im Laufe der kommenden Dekade früher oder später kein Weg mehr vorbeiführen wird, zeichnet sich längst ab und ist mit Blick auf immer strengere Emissionsvorschriften seitens der Europäischen Union und anderer Staaten auch durchaus politisch gewollt.

VW Aktie erholt sich ein wenig

Nicht nur in Sachen Technologie setzt Diess auf Erneuerung. Bekanntlich hat der seit dem Frühjahr amtierende Vorstandschef dem gesamten Konzern eine tiefgreifende Neustrukturierung verordnet. Anleger zeigten sich bislang skeptisch ob der Innovationsflut, in den vergangenen sechs Monaten hat die VW Aktie zweistellig verloren, konnte zum Wochenauftakt jedoch wieder etwas an Boden gewinnen.

Zuletzt war das Papier für gut 140 Euro zu haben. Analysten rechnen ihm jedoch mit großer Mehrheit weiteres Potenzial aus und raten zum Kauf der VW Aktie. Die Kursziele liegen dabei meist bei 200 Euro (Warburg Research) und mehr.

Dass die Branche insgesamt unter Druck steht, bescheinigten zuletzt Analysten der Berenberg Bank, die die VW Aktie auf ihrer bisherigen Einstufung „sell“ beließen, zugleich aber das Kursziel von 120 auf 125 Euro anhoben und in diesem Zusammenhang auf höhere Gewinnprognosen für das Unternehmen für die kommenden Jahre verwiesen.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.