Volkswagen Aktie: Herber Rückschlag durch US-Vergleich

Dass es teuer werden würde für Volkswagen, das stand bereits fest, seit der Abgas-Skandal im vergangenen Herbst publik wurde. Wie hoch die Kosten tatsächlich ausfallen, dazu gibt es jetzt erste konkrete Zahlen.

Anfang der Woche wurde in den USA ein Vergleich geschlossen mit den zehntausenden Kunden, die sich dort zu Sammelklagen zusammengeschlossen hatten.

Demnach werden die Wolfsburger eine Strafe in Höhe von 15 Mrd. US-Dollar oder rund 13,6 Mrd. € zahlen müssen.

US-Kunden erhalten üppige Entschädigung

Den Großteil der Summe, nämlich rund 10 Milliarden Dollar, wird Volkswagen an die Besitzer der von den Manipulationen betroffenen Autos als Entschädigung sowie für Rückkauf oder Reparatur der Fahrzeuge auszahlen müssen.

Eine Entschädigung erhalten die US-Kunden unabhängig davon, ob sie ihr Auto nachrüsten lassen oder ob sie es zurückgeben. Die Höhe der Entschädigung richtet sich dabei individuell nach Alter und Wert des Fahrzeugs und kann bei bis zu 10.000 Dollar liegen.

Auch die Anwaltskosten der Kläger trägt der Volkswagen Konzern. Zusätzlich zu den Zahlungen an betroffene Kunden muss das Unternehmen 2,7 Mrd. Dollar an die Umweltschutz-Behörden EPA und CARB zahlen, gestreckt über einen Zeitraum von drei Jahren.

Gut 600 Mio. Dollar gehen zusätzlich an mehrere US-Bundesstaaten, die gegen VW geklagt hatten.

Der Vergleich ist noch nicht rechtskräftig, jedoch rechnen die meisten Beobachter damit, dass er die formalen rechtlichen Hürden nehmen und etwa die Zustimmung des zuständigen Richters erhalten wird.

Unter Berücksichtigung verschiedener Fristen wäre die Einigung im Oktober wirksam.

Für betroffene VW-Kunden außerhalb der USA bleibt die Einigung übrigens folgenlos: In Europa sind Entschädigungszahlungen in solchen Dimensionen nicht üblich, dementsprechend hat Volkswagen hier juristisch nicht viel zu befürchten. Europäische Kunden können also nicht mit vergleichbaren Zahlungen rechnen.

Anleger geschockt, Aktie im Minus

Aus Sicht der Anleger, die noch auf die VW Aktie setzen, ist der Vergleich ein weiterer herber Rückschlag: Man wusste zwar, dass es in den USA teuer werden würde, aber mit solchen Summen hatte man nicht gerechnet.

Schon jetzt werden Stimmen laut, dass die 16,2 Mrd. €, die der Konzern zur Aufarbeitung des Skandals zurückgestellt hat, nicht ausreichen werden. Gut 5 Mrd. € zusätzlich könnte VW Schätzungen zufolge benötigen, um die Kosten einigermaßen aufzufangen.

Eine solche weitere Rückstellung würde die Bilanz jedoch erneut schwer belasten. Das jedoch dürfte aus Sicht der Wolfsburger derzeit ein nachrangiges Problem darstellen.

Immerhin hat die BaFin den gesamten damaligen Vorstand angezeigt wegen des Verdachts auf Marktmanipulation durch verspätete Information. Gegen den ehemaligen VW-Chef Martin Winterkorn und Marken-Chef Herbert Diess wird derzeit ermittelt.

Auch an der VW Aktie gingen die jüngsten Entwicklungen nicht spurlos vorüber. Auf Wochensicht hat das Papier mehr als 10% eingebüßt, seit Jahresbeginn sind es knapp 20%. Zuletzt kostete das Papier knapp 110 €.

Ob man das als günstigen Einstiegskurs bewertet oder lieber auf längere Sicht die Finger von der VW Aktie lässt, darüber gehen die Meinungen auseinander. Auch die Positionen der Analysten sind in dieser Frage zwiegespalten.

2016-06-29 Volkswagen

1. Juli 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt