Volkswagen Aktie: Milliardenbußgeld jetzt auch in Deutschland

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Die Staatsanwaltschaft Braunschweig verhängt ein Milliardenbußgeld gegen VW. Der Konzern akzeptiert, die Aktie schwächelt. (Foto: Cineberg / Shutterstock.com)

Fast drei Jahre hat es gedauert, nun ist es soweit: Auch in Deutschland muss Volkswagen blechen für die systematische Manipulation von Diesel-Abgaswerten. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat vor wenigen Tagen in diesem Zusammenhang ein Bußgeld in Höhe von einer Milliarde Euro gegen den Autohersteller verhängt.

VW hat die Strafe akzeptiert und angekündigt, keine Rechtsmittel dagegen einzulegen. Damit stelle sich der Konzern seiner Verantwortung und will das offenbar auch noch ritterlich verstanden wissen. Dabei tat Volkswagen in den vergangenen Jahren einiges, um den Skandal kleinzureden.

Ein wirklich offensives Schuldeingeständnis blieb im Wesentlichen aus. Lange wurde stattdessen versucht, den Fehler auf einzelne Ingenieure oder mittlere Managementetagen abzuwälzen, was bekanntlich nicht lang gutging und am Ende auch den langjährigen Chef Martin Winterkorn zum Rücktritt zwang.

Auch dessen Nachfolger Matthias Müller musste inzwischen seinen Hut nehmen. Seit diesem Frühjahr hat VW-Markenchef Herbert Diess die Führung des Wolfsburger Dax-Konzerns übernommen und gleich tiefgreifende Neuerungen angekündigt, etwa in der Unternehmensstruktur.

VW Aktie gibt nach

Diess will den Dieselskandal möglichst rasch zu den Akten legen. Die neue Treue der Kunden scheint ihm dabei zu helfen: Zum Jahresauftakt konnte Volkswagen mit starken Absatzzahlen überraschen, auch die VW Aktie befand sich zwischenzeitlich auf Erholungskurs, gab zuletzt jedoch wieder ein Stück nach.

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Der Imageschaden ist immens, konnte aber womöglich ein Stück weit dadurch relativiert werden, dass längst auch andere Hersteller einräumen mussten, bei diversen Fahrzeugen die Abgaswerte manipuliert zu haben.

Wenn es alle machen, sind die Verfehlungen des Einzelnen in der Wahrnehmung weniger schlimm – zumal das Krisenmanagement der Konkurrenz nicht eben besser funktioniert, wie sich aktuell bei Daimler beobachten lässt. Dessen Chef Dieter Zetsche hatte seinerzeit großspurig verkündet, in seinem Unternehmen werde nicht manipuliert. Dieser Satz ist ihm bekanntlich hart auf die Füße gefallen.

Musterfeststellungsklage vor Verjährungsfrist

Für deutsche Verbraucher könnte am Ende trotz allen Ärgers jedoch noch etwas Gutes herauskommen. So hat der Abgasskandal die Politik aufgerüttelt, die lange Jahre vor allem auf den Schutz der hiesigen Automobilindustrie bedacht war. Nun aber arbeitet die Bundesregierung an der Einführung einer Musterfeststellungsklage, die noch in diesem Herbst – vor Ablaufen der Verjährungsfrist des VW-Skandals – in Kraft treten soll.

Das Rechtsinstrument ist zwar nicht identisch mit der häufig geforderten Sammelklage, die etwa in den USA üblich ist. Doch zumindest soll die Musterfeststellungsklage den kollektiven Schadensersatzanspruch geschädigter Kunden einheitlich feststellen, auf den sich die einzelnen Kläger dann berufen können, ohne dass Gerichte im individuellen Einzelfall womöglich zu unterschiedlichen Einschätzungen kommen.

Entgegen der Wolfsburger Hoffnungen dürfte der Dieselskandal also mit der jüngsten Geldbuße noch lange nicht beendet sein. Die zivile Klagewelle steht erst noch bevor.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.