Volkswagen Aktie: Produktivitäts- und Effizienzsteigerung geplant

VW will kostengünstiger mehr Autos bauen, der Golf wird zum Wolfsburger Modell. Reicht das, um der VW Aktie zu neuem Schwung zu verhelfen? (Foto: Evannovostro / shutterstock.com)

Mehr Autos bauen, weniger Kosten verursachen, effizienter wirtschaften: Der Umbau bei Volkswagen ist in vollem Gange.

Neben der tiefgreifenden Umstrukturierung des Konzerns, die der neue Vorstandschef Herbert Diess im Frühjahr angekündigt hatte, sollen die Produktionsprozesse nun ebenfalls optimiert werden. Am Hauptsitz in Wolfsburg sollen Kapazitäten gebündelt werden und die Produktionszahlen in Folge dessen kräftig steigen.

Bis zum Jahr 2020 soll die Produktivität der deutschen Standorte um 25 Prozent zulegen. Die Fertigung des VW Golf, eines der langjährigen Aushängeschilder der Marke, wird künftig in Wolfsburg gebündelt. Dort sollen schon bald mindestens 1 Million Fahrzeuge vom Band laufen, im vergangenen Jahr waren es rund 790.000 Stück.

Das Werk in Zwickau, in dem bislang ebenfalls der Golf gebaut wird, soll stattdessen in Zukunft auf die ID-Modellfamilie ausgerichtet werden und damit den Zukunftsmarkt Elektromobilität abdecken.

Vereinfachte Produktionsstrukturen

Zudem sollen die Produktionsstrukturen vereinfacht werden, um kosteneffizienter und letztlich schneller arbeiten zu können. Bereits vor längerer Zeit hat Volkswagen die verschiedenen unter dem gemeinsamen Konzerndach gebündelten Fahrzeugmarken mehr und mehr auf ein Baukastenprinzip umgestellt.

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Eine solche Strategie führt einerseits zu einer Reduzierung von Entwicklungs- und Beschaffungskosten, da eine geringere Anzahl unterschiedlicher Komponenten benötigt wird. Andererseits müssen jedoch auch größere Stückzahlen von Fahrzeugen zurückgerufen werden, wenn mal etwas nicht stimmt.

Doch nicht nur mit Blick auf Standorte und Fahrzeugteile wird sich einiges ändern, auch digitale Technologien werden im Hinblick auf die Fertigung eine zunehmend größere Rolle spielen. Um sich nicht abhängen zu lassen, plant Volkswagen eine breitangelegte Weiterqualifizierung der vorhandenen Belegschaft. Auf diese Weise bleibt langjährig gewachsenes Know-how erhalten, während zugleich neue Kompetenzen hinzukommen.

VW Aktie unter Druck: Neues Prüfverfahren sorgt für Engpässe

Konzernumbau, Effizienzsteigerung, Produktivität, Digitalisierung – bei Volkswagen sieht man sich für die wesentlichen Zukunftsthemen gerüstet. Und dennoch hakt es an der einen oder anderen Stelle. Das neue Zulassungsverfahren WLTP, das Neufahrzeuge ab September verpflichtend durchlaufen haben müssen, stellt den Autobauer vor Herausforderungen.

Nicht zuletzt wegen der Bündelung von Ressourcen zur Aufarbeitung des Dieselskandals fehlten offenbar Kapazitäten, um sich hinreichend auf das neue Verfahren fokussieren zu können. Das führt zu der kuriosen Situation, dass tausende fertige Neufahrzeuge zurzeit „zwischengeparkt“ sind, während sie auf ihre Zulassung warten. Zu diesem Zweck hat Volkswagen vor wenigen Wochen eigens freistehende Flächen auf dem Berliner Nicht-Flughafen BER angemietet.

Mit Blick auf die Volkswagen Aktie wird deutlich: Das Papier könnte neuen Schwung gebrauchen. Bereits seit Ende Mai befindet sich der Kurs in einer Abwärtsbewegung und hat seither rund 20 Prozent an Wert verloren. Zuletzt war die VW Aktie für nicht einmal 140 Euro zu haben.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.