Volkswagen Aktie: Sorgenkind in Großbritannien

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VW-Tochter Bentley wird 2018 Verluste machen, ein ungeordneter Brexit würde die Lage verschlimmern. Die VW Aktie fängt sich dennoch. (Foto: Cineberg / Shutterstock.com)

Volkswagen hat das mit dem Dieselskandal insgesamt ziemlich gut überstanden. Von den Horrorszenarien, die vor drei Jahren, kurz nach Bekanntwerden der systematischen Manipulationen von Abgaswerten, vielfach skizziert wurden, ist nur ein Bruchteil eingetreten.

Gut, es gab milliardenschwere Strafzahlungen in den USA. Das war zu erwarten. In Europa hingegen ist das Unternehmen weitgehend ungeschoren davongekommen. Auf Schadensersatz warten die meisten Kunden vergeblich, und auch die Berliner Politik fördert lieber den Verkauf von Neufahrzeugen mit staatlich gestützten Prämienprogrammen als die Hersteller zur Kasse zu bitten. Auf den Kosten bleibt am Ende der Kunde sitzen. Aus Sicht von Volkswagen und Co. könnte es kaum besser laufen.

Doch Volkswagen ist mehr als nur die Marke VW. Unter dem Dach der Wolfsburger firmieren zahlreiche europäische Automarken – und nicht bei allen läuft es rund. Eins der größten Sorgenkinder zurzeit ist ausgerechnet eine Luxusmarke: der britische Hersteller Bentley.

Bentley rutscht in Verlustzone

Nachdem die Marke im vergangenen Jahr zumindest noch einen kleinen Gewinn erwirtschaftet hat (mit 55 Millionen Euro lag man schon damals nur noch bei der Hälfte des Ergebnisses vom Vorjahr), ist Bentley 2018 tief in die roten Zahlen gerutscht. Allein in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres summiert sich das Minus bereits auf 130 Millionen Euro. Für das Gesamtjahr rechnet Volkswagen für seine Tochter nun mit einem operativen Verlust von etwa 250 Millionen Euro.

Zahlreiche Probleme sind dabei hausgemacht. Hohe Abschreibungen belasten die Bilanz, die Produktion neuer Modelle kam zuletzt nicht richtig in die Gänge. Und indirekt leidet Bentley auch unter den Folgen des Dieselskandals: Dieser hat eine breite politische Debatte losgetreten und inzwischen dazu geführt, dass in zahlreichen Großstädten Fahrverbote für Dieselfahrzeuge gerichtlich angeordnet oder in Aussicht gestellt wurden. Einige Länder in Europa haben zudem bereits angekündigt, in weniger als zwei Jahrzehnten generell keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren mehr zulassen zu wollen.

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Die Hersteller sind nun unter Zugzwang, die Elektrifizierung ihrer Flotten voranzutreiben. Volkswagen und seine Tochtermarken bilden dabei keine Ausnahme. Bereits vor einigen Monaten hat der Konzern eine E-Offensive angekündigt. Bentley geht noch einen Schritt weiter: Der Verkauf von Dieselfahrzeugen in Europa soll komplett eingestellt werden.

Eine weitere Belastung für die britische Marke sind die zahlreichen Fragezeichen, die die Brexit-Verhandlungen begleiten. Zwar hatte es zuletzt einige Durchbrüche und Einigungen zwischen Brüssel und London gegeben, doch noch immer ist nicht sicher, dass es einen geordneten Brexit mit entsprechenden Verträgen geben wird.

VW Aktie: Strategie gefährdet durch Chaos-Brexit?

Im schlimmsten Fall – einem ungeordneten Brexit – droht Chaos, auch bei Bentley. Teil der Volkswagen-Strategie ist eine enge interne Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Töchtern, die sich etwa gegenseitig mit Bauteilen versorgen sollen. Würden hier an der britischen Grenze künftig zusätzliche Zölle fällig, dürfte das die Geschäfte enorm belasten.

Bereits jetzt hat Bentley damit begonnen, Lagerbestände aufzufüllen, um für etwaige Lieferengpässe besser gewappnet zu sein – nur für alle Fälle.

Die im Dax gelistete VW Vorzugsaktie hat sich nach einem durchwachsenen Jahresverlauf zuletzt etwas fangen können und wurde Anfang der Woche zu 150 Euro gehandelt. Damit notiert sie gut 13 Prozent unterhalb ihres Vorjahreswerts, hat aber auf Monatssicht leicht zugelegt.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.