Volkswagen Aktie: Wird Winterkorn haftbar gemacht?

Für Martin Winterkorn, Ex-Chef von VW, wird es nach dem Haftbefehl immer enger. Die VW Aktie präsentiert sich stabil. (Foto: Cineberg / Shutterstock.com)

Es wird eng für Martin Winterkorn: Gegen den ehemaligen Chef des Volkswagen-Konzerns wurde in den USA vor wenigen Tagen ein Haftbefehl erlassen.

Sollte Winterkorn die Vereinigten Staaten nun bereisen, droht ihm womöglich ein ähnliches Schicksal wie dem langjährigen VW-Manager Oliver Schmidt, der kürzlich von einem US-Gericht zu einer Haftstrafe von sieben Jahren verurteilt wurde.

Volkswagen will Winterkorn haftbar machen

Doch auch in Deutschland ist die Abgasaffäre für den 70-Jährigen noch nicht ausgestanden. Der Volkswagen-Konzern prüft offenbar, ob Winterkorn für den entstandenen Schaden in Milliardenhöhe haftbar gemacht werden kann. Im schlimmsten Fall wäre dadurch sein Privatvermögen gefährdet, Gehalts- und Pensionsansprüche in dreistelliger Millionenhöhe könnten verfallen.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft in dem Fall dauern weiterhin an. Es gilt, genügend Beweise zu finden, die nicht nur eine Anklageerhebung, sondern auch eine Verurteilung rechtfertigen würden, um eine Einstellung des Verfahrens zu vermeiden.

Die aktuellen Schlagzeilen unterstreichen einmal mehr, dass der Skandal um manipulierte Abgaswerte von Dieselfahrzeugen für Volkswagen noch lange nicht ausgestanden ist, sondern die Verfahren den Konzern und die gesamte Branche auch in den kommenden Monaten und Jahren noch begleiten werden.

Immerhin sind auch Konsequenzen wie Fahrverbote in Innenstadtbereichen nach wie vor nicht vom Tisch, zudem könnte die Erfahrung dazu führen, die Rechtsansprüche von Kunden – in diesem Fall: Autobesitzern – zu stärken und etwa Sammelklagen zuzulassen. Zumindest wird über entsprechende Vorschläge nun offensiver als zuvor politisch diskutiert.

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Wirtschaftlich erholt

Wirtschaftlich jedoch hat sich der VW-Konzern erstaunlich gut erholt von den Skandalen der vergangenen Jahre. Die Zahlen zum Jahresauftakt fielen glänzend aus, VW blieb vor Toyota erfolgreichster Autobauer der Welt, was die Verkaufszahlen angeht, und konnte starke Ergebnisse einfahren.

Intern steht der Konzern vor einer grundlegenden Neuausrichtung, vorangetrieben durch den bisherigen VW-Markenchef und neuen Vorstandsvorsitzenden Herbert Diess. Demnach soll das Unternehmen in vier Bereiche aufgegliedert werden, die jeweils bestimmte Marken bündeln und stärker dezentral organisiert sind: Volumen (VW, Seat, Skoda), Premium (Audi), Super-Premium (Porsche, Bentley, Bugatti, Lamborghini) und Nutzfahrzeuge (MAN, Scania).

Zudem soll die Nutzfahrzeugsparte fitgemacht werden für einen eigenen Börsengang, bei dem bis zu 25 Prozent der Anteile in Streubesitz übergehen könnten. Dies würde zusätzliche Milliarden in die Konzernkasse spülen. Die Sparte wäre an der Börse zudem ein heißer Kandidat für den Dax.

VW Aktie trotz Schlagzeilen stabil

Im Dax bereits gelistet ist die VW Vorzugsaktie, deren Kurs die neuerlichen Entwicklungen rund um den Ex-Chef relativ unaufgeregt hinnahm. Das Papier gab zwar leicht nach, präsentiert sich mit rund 173 Euro aber dennoch stabil.

Auch Analysten waren der VW Aktie zuletzt mehrheitlich wohlgesonnen und rieten zum Kauf des Papiers mit Kurszielen überwiegend weit jenseits der 200 Euro.


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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.