Volkswagen und Ford bestätigen erneute Kooperation

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Nutzfahrzeuge sollen künftig gemeinsam gebaut werden, über eine Ausweitung der Kooperation wird verhandelt. Beide Seiten profitieren. (Foto: AR Pictures / shutterstock.com)

Die seit längerem avisierte Zusammenarbeit zwischen Volkswagen und Ford nimmt allmählich konkretere Züge an. Im Rahmen der Automesse in Detroit gaben die beiden Automobilhersteller nun erste Details bekannt.

Demnach ist für die kommenden Jahre die gemeinsame Produktion von Transportern, Pickups und leichteren Stadtlieferwagen geplant. Doch das ist womöglich erst der Anfang. Weiterhin verhandeln die beiden Unternehmen über eine Kooperation in Sachen Elektroantrieb, Mobilitätsdienste und autonomes Fahren. Diese drei Bereiche gelten als zukunftsweisend für die Automobilbranche und dürften in den kommenden zehn Jahren mit entscheidend dafür sein, wer sich am Weltmarkt erfolgreich positionieren oder halten kann.

Starke Synergieeffekte erwartet

Kommt es auch hier zur Zusammenarbeit, könnten Ford und VW gleichermaßen hohe Summen einsparen, die bislang jedoch nicht konkret beziffert wurden. Gerade Elektromobilität und Systeme für autonomes Fahren erfordern hohe Investitionen, die sich beide Konzerne teilen und so unterm Strich günstiger fahren könnten.

Während Volkswagen vor allem von der Ford-Stärke bezüglich Pick-ups profitieren will, die insbesondere am US-Markt gut laufen, hofft man bei Ford in erster Linie auf die Aussicht einer gemeinsamen Elektroplattform, auf der Modelle beider Hersteller aufbauen könnten.

Gerade beim autonomen Fahren sind die regulatorischen Vorgaben in den USA aus Herstellersicht günstiger als in Europa, sodass sich auch hier eine Zusammenarbeit gerade für Volkswagen auszahlen dürfte. Im Hinblick auf Synergieeffekte und Sparpotenziale ist jedoch Ford stärker angewiesen auf das Joint Venture: Ausgerechnet jetzt, zu einem Zeitpunkt, da hohe Investitionen erforderlich sind, stimmt bei Ford die operative Rendite nicht.

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Am US-Heimatmarkt läuft das Geschäft zwar rund, doch in Asien und Europa hat Ford mit schwächelnden Zahlen zu kämpfen. Käme es zu einem harten Brexit, wäre Ford auch davon besonders hart betroffen: Der Hersteller hat sich in Europa vor allem auf Großbritannien und Deutschland fokussiert.

VW und Ford: Gemeinsame Erfahrungen in der Vergangenheit

Die Zusammenarbeit zwischen Ford und Volkswagen ist nicht die erste dieser Art. Bereits zweimal haben die beiden Autobauer bereits in der Vergangenheit kooperiert: Während der 1980er und frühen 1990er Jahre hatten sie ihr Lateinamerikageschäft unter dem Namen „Autolatina“ gebündelt, um sich der damaligen Wirtschaftskrise entgegenzustemmen. Zudem unterhielten Ford und Volkswagen zehn Jahre lang ein gemeinsames Werk im portugiesischen Palmela, das inzwischen von VW übernommen wurde.

Die neuerliche Zusammenarbeit ist auch als Reaktion auf neue Konkurrenz zu verstehen: Gerade in Sachen Elektromobilität und autonomes Fahren sehen sich klassische Autobauer zunehmend nicht mehr ihresgleichen, sondern Tech-Unternehmen aus dem Silicon Valley gegenüber, mit denen sie konkurrieren müssen.

Ein Indiz für die umwälzende Entwicklung der Branche: Erste Hersteller sind bei der Detroit Motor Show schon gar nicht mehr vertreten. Daimler beispielsweise präsentierte seine Innovationen stattdessen bei der CES in Las Vegas – einer Fachmesse für Unterhaltungselektronik, auf der sich inzwischen jedoch auch immer mehr Hersteller und Zulieferer aus der Autobranche tummeln.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.