Volkswagen: Wenig gelernt aus 1 Jahr Diesel-Skandal

Es ist ein Jubiläum, bei dem wohl kaum jemand jubeln wird:

Vor 1 Jahr wurde der Diesel-Skandal bei Volkswagen bekannt – der Startschuss für die größte Krise der Unternehmens-Geschichte, durch die der Wolfsburger Konzern nach wie vor eher ungeschickt hindurchschlittert.

Eine besondere Ironie der Geschichte liegt bereits darin, wie alles begann.

Eine Umweltschutz-Organisation testete verschiedene Diesel-Fahrzeuge, Modelle von Volkswagen galten als besonders sauber und sollten gar als Vorbild dienen nach dem Motto:

Wenn VW es schafft, die strengen Grenzwerte einzuhalten, warum sollten andere Hersteller das nicht auch hinbekommen?

Doch die Ergebnisse der Tests fielen bekanntlich anders aus als erwartet, Diesel-Autos aus dem Hause VW stellten sich gerade nicht als besonders sauber heraus, sondern waren im Gegenteil ganz besonders schmutzig.

VW: Image im Eimer

Die Organisation meldete die auffälligen Ergebnisse an die Behörden. Der naheliegende Verdacht musste alsbald durch Volkswagen eingeräumt werden:

Die Software erkannte, wenn sich das Fahrzeug auf dem Teststand befand und reduzierte unter diesen Bedingungen den Abgas-Ausstoß, um die gewünschten Grenzwerte einzuhalten.

Im normalen Straßen-Betrieb hingegen entpuppten sich die als sauber beworbenen Fahrzeuge als wahre Dreckschleudern.

Innerhalb kürzester Zeit wendete sich das Image von Volkswagen um 180 Grad:

Sowohl die Autos als auch das Unternehmen selbst galten zuvor als Aushängeschilder deutscher Ingenieurskunst, zeitweise hatte man es sogar geschafft, Toyota als weltweit größten Autohersteller vom Thron zu stoßen.

Praktisch über Nacht war es damit vorbei, der Ruf von Volkswagen rangierte gefühlt nur noch knapp über dem von Bankern. Daran hat sich auch 1 Jahr danach kaum etwas geändert.

Schwaches Krisen-Management

Das liegt nicht zuletzt am Krisen-Management der Wolfsburger selbst. Von echter Reue ist wenig zu sehen, auch der personelle Neustart verlief eher halbherzig.

Zwar musste Martin Winterkorn bereits nach wenigen Tagen seinen Posten als Vorstandschef räumen, doch sein Nachfolger Matthias Müller kommt aus den eigenen Reihen.

Nur wenige Manager wurden entlassen, in der Außendarstellung versucht VW das Problem kleinzureden.

Der Skandal wird nach interner Sprachregelung lediglich als „Diesel-Thematik“ bezeichnet, gegenüber US-Behörden zeigte sich Müller eher patzig, was dort auf wenig Verständnis stieß.

Finanziell kommt die „Thematik“ den Konzern teuer zu stehen: Bereits jetzt summieren sich die Ausgaben in diesem Zusammenhang auf gut 13 Mrd. €, Schätzungen zufolge könnten die Kosten jedoch noch auf 35 Mrd. oder mehr ansteigen.

Immense Entschädigungen

Dabei geht es zum einen um die Entschädigung der Kunden.

In den USA hatten die Halter von VW-Diesel-Fahrzeugen die Wahl, ob sie ihr Auto nachrüsten lassen oder zurückgeben, gegen Teilerstattung des Kaufpreises nebst Entschädigung.

In Europa ist das nicht ganz so einfach, eine massenweise Rückgabe der manipulierten Autos ist nicht vorgesehen, auch auf Entschädigungs-Zahlungen sollten hiesige Kunden eher nicht hoffen.

Stattdessen sollen sie ihre Fahrzeuge nachrüsten lassen.

Allerdings urteilte jüngst ein Gericht, dass man einem Konzern, der nachweislich über Jahre bewusst gelogen und vertuscht hat, diesbezüglich nicht unbedingt vertrauen könne und mit einem Software-Update womöglich neue Probleme zu befürchten seien.

Auch auf europäischer Ebene wird nach Wegen gesucht, juristische Ansprüche zu bündeln. Gelingt dies, würde es wohl noch einmal erheblich teurer für die Wolfsburger.

VW-Aktie: Klagen wegen Verlusten

Und auch die Anleger sehen sich geprellt; ihr Vorwurf:

VW hat die Börsen zu spät informiert und damit immense Verluste der Aktionäre zu verantworten. Den Klagen haben sich inzwischen mit Bayern, Hessen und Baden-Württemberg auch drei Bundesländer angeschlossen.

An der Börse ist VW inzwischen nur noch etwa halb so viel wert wie noch vor 1,5 Jahren.

Zwar hat sich die VW Aktie von ihrem tiefsten Absturz einigermaßen erholt, doch es wird noch lange dauern, bis die Wolfsburger an glänzende alte Zeiten werden anknüpfen können – sollten sie es überhaupt schaffen, sich durch diese Krise zu manövrieren.

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23. September 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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