Voltabox-Aktie: Börsenneuling mit interessanter Übernahme

Der Batteriespezialist Voltabox meldet die erste Übernahme seit dem Börsengang. Elektromobilität sorgt für Rückenwind. (Foto: Kurhan - Adobe.com)

Die Euphorie ist längst verflogen. Rissen sich die Anleger beim Börsengang noch um die Aktien des Batteriespezialisten Voltabox, ist das Interesse an den Papieren mittlerweile deutlich abgeflacht. Vor gut einem halben Jahr wagte das Delbrücker Unternehmen den Sprung aufs Parkett. Der Ausgabepreis von 24 Euro war schnell Geschichte.

Direkt nach dem Börsendebut schoss die Aktie in der Spitze bis auf über 36 Euro in die Höhe. Wer damals eingestiegen ist, sitzt mittlerweile auf satten Verlusten. Bei einem aktuellen Kurs von 20,80 Euro notieren die Papiere immerhin 42% unter Ihrem Höchststand. Es ist also Zeit, die Papiere nochmals unter die Lupe zu nehmen.

Voltabox im Portrait

Die Voltabox AG ist ein Systemanbieter für Elektromobilität in industriellen Anwendungen. Mit seinen sicheren und wirtschaftlichen Lithium-Ionen-Batteriesystemen ist das Unternehmen ein Wegbereiter für nachhaltige Mobilität. Das Unternehmen verfügt über drei Geschäftsbereiche. Der Geschäftsbereich Voltapower bietet Batteriesysteme für den industriellen Bereich.

Diese kommen in Gabelstaplern, Bergbaufahrzeugen, Oberleitungsbussen und fahrerlosen Transportsystemen zum Einsatz. Ein weiteres Geschäftsfeld bildet Voltaforce, das sich auf Lithium-Ionen-Batterien für den Massenmarkt spezialisiert. Der Schwerpunkt liegt insbesondere auf Starterbatterien für Motorräder und Sportwagen.

Außerdem werden Batteriesysteme für 48-Volt-Mild-Hybrid-Anwendungen hergestellt. Hinzu kommt der Geschäftsbereich Voltamotion, welcher sich auf die Entwicklung von elektrischen Antriebssystemen konzentriert. Am firmeneigenen Forschungszentrum in Aachen werden ergänzende Antriebskomponenten, wie beispielsweise die Leistungselektronik zur vollständigen Elektrifizierung von Hochleistungsfahrzeugen, entwickelt. Das Unternehmen betreibt Produktionsstätten in Delbrück und Austin (USA). Ein weiterer Standort in Aachen konzentriert sich auf Forschung und Entwicklung.

Batteriespezialist mit kräftigem Wachstum

Vor wenigen Wochen legte der Delbrücker Konzern seine Zahlen vor und konnte die Erwartungen erreichen. Der zunehmende Trend zur Elektromobilität sorgte für einen Umsatzsprung im vergangenen Jahr auf 27,3 Millionen Euro (+88% zum Vorjahr). Im Gegenzug verbesserte sich das operative Ergebnis (EBIT) auf 0,6 Millionen Euro. Für Sie zum Vergleich: Im Vorjahr erzielte Voltabox noch ein Minus von 3,7 Millionen Euro.

Umsatzverdopplung geplant

Für das laufende Geschäftsjahr sieht sich die Konzernführung weiter auf Wachstumskurs. Den Umsatz wollen die Delbrücker auf 60 Millionen Euro mehr als verdoppeln – das Ergebnis soll deutlich überproportional zulegen. Die Vorsteuergewinnmarge (EBIT) soll von 2,1% auf knapp 10% verbessert werden. Dabei soll vor allem das Batteriegeschäft im Bergbau in der zweiten Jahreshälfte für Rückenwind sorgen.

Erste Übernahme nach dem Börsengang

Der Börsengang spülte 26 Millionen Euro in die Kassen des Batteriespezialisten, die vor allem in den Ausbau der eigenen Produktentwicklung fließen sollten. Jetzt hat sich die Firma mit einer Übernahme zu Wort gemeldet. Der Batteriekonzern will den Engineering Dienstleister Concurrent Design aus Austin, Texas übernehmen.

Mit dem Kauf baut der Zulieferer seine Kompetenzen bei der Entwicklung und Herstellung von Lithium-Ionen-Batteriesystemen weiter aus. Laut der Pressemitteilung hat Concurrent Design bereits mehr als 1.700 Projekte, u.a. in den Bereichen erneuerbare Energien, Medizintechnik, Halbleiter und Elektronik erfolgreich umgesetzt. Der Deal ist die erste Übernahme für Voltabox in diesem Bereich und stärkt das Kerngeschäft Voltapower. Der Vorstand rechnet dadurch schon im nächsten Jahr mit einem deutlich größeren Umsatzwachstum als ursprünglich geplant.

Fazit: Die Positionierung im Markt für anspruchsvolle integrierte Batteriemodule und -systeme ist aussichtsreich. Vor allem die 48V-Systeme für automobile Anwendungen könnten zukünftig für kräftigen Rückenwind sorgen. Allerdings ist die Konkurrenzsituation keinesfalls zu unterschätzen. Zahlreiche Großkonzerne wie Bosch, Schaeffler, Hitachi oder Johnson Controls wollen ihre Aktivitäten in diesem Bereich ausbauen. Gelingen die Umsatzverdopplung und der Margensprung, handelt die Voltabox-Aktie immer noch mit dem 5-Fachen Umsatz und dem 50-Fachen operativen Gewinn. Trotz des Kurseinbruchs ist die Aktie damit alles andere als ein Schnäppchen.

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Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.